phantom raiders (dan harvey/sonny sanders, philippinen/usa 1988)

Veröffentlicht: März 3, 2012 in Film
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Der abtrünnige Colonel Marshall (Mike Monty) betreibt in Vietnam ein Ausbildungslager für kommunistische Terroristen. Der Soldat Python Lang (Miles O’Keeffe) wird beauftragt, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen und den Überläufer auszuschalten. Er rekrutiert ein paar heruntergekommene Vietnamveteranen, die sich mittlerweile als Drogendealer verdingen, und schickt sie zusammen mit Marshalls Sohn durch ein hartes Training. Am Ende sind sie besser als je zuvor, beherrschen Ninjitsu und sind bereit, ein paar Kommies aufzumischen …

Man fragt sich bei Betrachtung von PHANTOM RAIDERS unweigerlich, wie viele arglose philippinische Bürger in den Achtzigerjahren wohl den zahlreichen Sprengungen zum Opfer fielen, die für billige Actionklopper wie diesen im Urwald gezündet wurden. Der Film sieht aus wie alle anderen, die in jenen Tagen dort entstanden, weist natürlich auch MIke Monty auf und ist von denselben Unzulänglichkeiten geprägt, für die man diese Filme zu lieben gelernt hat: enthusiasmierte Statisten, die mit hochgerissenen Armen in die Luft hüpfen, wenn hinter ihnen eine Sprengladung expodiert, schäbige Settings, ein Bodycount im hohen dreistelligen Bereich und eine Interpretation von Action als zielloses Rumrennen und Rumballern. PHANTOM RAIDERS ist dann auch ein besonders orthodoxer Vertreter seiner Zunft, wartet im Mittelteil vielleicht mit fünf Minuten Exposition und Dialog auf und begnügt sich sonst damit, seine Darsteller wild alles niedermähen zu lassen, was ihnen über den Weg läuft. Das ist prinzipiell natürlich lobenswert, in diesem speziellen Fall aber vor allem ermüdend. Nach 20 Minutend des Dauerfeuers und Dauersterbens war ich jedenfalls ziemlich froh, als der böse Colonel Marshall vom kernigsten aller kernigen Superdudes, MIles O’Keeffe, mittels kurz angebundenem Schuss ins Kreuz seiner Bestimmung zugeführt wurde.

Richtig geil ist allerdings der Mittelteil des Films: Da wird der coole Python Lang – den die deutsche Syncho beharrlich „Peiten“ nennt – von einem Staatsmann rekrutiert, der sich sein nach Abstellkammer aussehendes Büro mit einer schicken Karibik-Fototapete aufgepeppt hat, die mit dem orangefarbenen Plastikaschenbecher auf seinem Schreibtisch eine extravagante Verbindung eingeht. Beide sind sich zum Glück sofort einig, dass Marshall eine immense Bedrohung darstellt, weil er „einer der Besten“ war, wenn nicht gar „der Beste“. Warum man meint, diesem „Besten“ ausgerechnet mit ein paar aus der Form geratenen Pennern gegenübertreten zu müssen, ist nicht ganz klar. Möglicherweise steckt da auch sozialer Goodwill dahinter, denn nach der Ausbildung durch Peiten sind die drei bärtigen Rednecks, die in jedem Arbeitsamt zur Inneneinrichtung gezählt werden müssten, „besser als je zuvor“. Diese Ausbildung in Durch-den-Busch-Rennen, Boobie-Traps-Ausweichen und Ninjitsu ist dann auch der Höhepunkt des Films. Die von Peiten im Wald aufgebauten Fallen werden von den tumben Haudraufs ohne Ausnahme ausgelöst und es ist ein Wunder, dass sie den Hinderniskurs überleben. Ihre Freude darüber währt aber nur kurz, denn Peiten klärt sie gnadenlos darüber auf, dass sie in dieser Form bestenfalls Kanonenfutter für die „Schlitzaugen“ darstellen. Die harsche Kritik löst dann auch das nötige Umdenken bei den Reintegrationskandidaten aus, die die nächtlichen Sauf- und Pokerrunden künftig ausfallen lassen, um Peiten und seinem Anstandswauwau, Marshalls Sohn, bei ihrem nächtlichen Kontrollgang aufzulauern. Mit einem Lebensvorrat an Wurfsternen, Handgranaten und Munition und schicken Tarnfleck-Ninjaanzügen werden die neuen Elitesoldaten dann in die Schlacht geschickt, schießen ganze Hundertschaften von übermotiviert in ihr Verderben rennenden Soldaten über den Haufen und außerdem des Marshalls asiatische Ehefrau – vor den Augen ihres Sohnes. Das wird ihm bestimmt eine Lehre sein! Am Schluss sind die Veteranentrottel natürlich trotzdem tot: Das Ende suggeriert, das Peiten ihnen keine Träne nachweint und stattdessen eine neue Existenz mit dem Sohn vom Marshall gründet. Der sehnsüchtige Blick aufs offene Meer spricht jedenfalls Bände. Ich hätte mich in jenen Zeiten auch nach etwas Besinnlichkeit gesehnt.

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Kommentare
  1. Genzel sagt:

    Ein Knüller, man kann es gar nicht anders sagen. Kein Film weist eine höhere Dichte von Einstellungen auf, in der geduckte Söldner durchs Grüne in die nächste Einstellung rennen.

    • Oliver sagt:

      Das Drehbuch war angeblich nur 30 Seiten lang. O’Keeffe berichtete in einem Interview, auf seine Frage, wie man damit auf 90 Minuten kommen wolle, haben die Macher nur geantwortet, man werden den Film halt mit Action „auffüllen“. Und genauso sieht PHANTOM RAIDERS ja auch aus. 🙂

      • Genzel sagt:

        Puh, wenn der Hauptdarsteller von ATOR, ATOR II und IRON WARRIOR schon mal skeptisch wird bei einem Drehbuch, will das durchaus etwas heißen …

      • Oliver sagt:

        Nicht zu vergessen: Raoul Coutards S.A.S. MALKO, TARZAN, THE APE MAN und Matteis DOUBLE TARGET!

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