slaughter high (george dugdale/mark ezra, usa 1986)

Veröffentlicht: März 26, 2012 in Film
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Jahre, nachdem ihr Mitschüler, der nerdige Loser Marty (Simon Scuddamore), bei einem nach hinten losgegangenen Aprilscherz brutal verstümmelt wurde, werden die Verantwortlichen, eine Clique nun im Berufsleben stehender Unsympathen, in das mittlerweile leerstehende Schulgebäude eingeladen, um dort einer mysteriösen Überraschungsparty beizuwohnen. Doch das reich gedeckte Büffet entpuppt sich als Henkersmahlzeit, die zum bekannten Zehn-kleine-Negerlein-Spielchen gereicht wird …

SLAUGHTER HIGH ist mal wieder ein Eintrag ins Buch meiner nostalgischen Reisen in die Horror- und Venloer-Videotheken-Zeit meiner frühen Adoleszenz. Der nur mäßig bekannte Film zählt zur zweiten Welle des abebbenden Slasherbooms und muss insofern schon als Kopie der Kopie bezeichnet werden. Alle Bestandteile der Handlung – die ätzende Clique und ihr grausam missglückter Streich, der leidtragende Mitschüler, die rätselhafte anonyme Einladung, der erste April als Tag der Handlung – wurden schon in anderen Filmen verwurstet und die Macher unternehmen nicht einmal im Ansatz den Versuch, den Zuschauer, der von Anfang an weiß, was hier gebacken ist, zu überraschen. So sind es denn – mal wieder – einzig und allein die Mordszenen, die das Interesse wachhalten und zumindest hier liefert SLAUGHTER HIGH: Der sich nach dem Genuss einer vergifteten Bierdose aufblähende und dann schließlich mit Schmackes platzende Bauch, aus dem die Eingeweide putzig hervorquellen, darf als einer dieser kleinen Höhepunkt verzeichnet werden, die man damals auf Compilation-Tapes festgehalten hat. Kaum weniger schön, wenn auch weniger blutig, ist das unter Strom gesetzte Bett, auf dem zwei arglos Vögelnde bei lebendigem Leib geröstet werden. Der Gewaltpegel stimmt also und weil die Macher von SLAUGHTER HIGH wenig Zweifel daran lassen, dass das das Einzige ist, worum es ihnen geht, läuft der Film ganz gut rein. Das Setting der runtergekommenen, düsteren Schule ist durchaus etwas überdurchschnittlich und bietet die Stimmung, die diesem filmischen Malen-nach-Zahlen sonst gänzlich abgeht, und das Drehbuch genau jene Menge haarsträubend idiotischer Motivationen und Logiklöcher, die zu zählen dann ja auch einen nicht unbeträchtlichen Teil des Charmes solcher Werke ausmachen: Dass sich keiner der Protagonisten über die Einladung wundert, ja sie es sogar als großen Spaß betrachten, allein in einer Ruine am Arsch der Welt abzuhängen, weil es gratis billiges Dosenbier gibt, kennt man ja kaum anders, dass eine der anwesenden Frauen aber erst einmal eine Badewanne (?) besteigt, nachdem ihr kurz zuvor der Bauchinhalt ihres Kumpels ins Gesicht explodiert ist, erfordert hingegen schon ein größeres Maß an Toleranz vom Zuschauer.

Dann ist da noch der Streich, der den Film einleitet: Zuerst wird der bebrillte Marty von der schönen Carol (Caroline Munro, die sich mit ihren damals 37 Lenzen sicherlich gefreut hat, nochmal ein High-School-Schülerin spielen zu dürfen) unter dem Vorwand des Liebesspiels in die Damenumkleide gelockt, dann voll entblößt von der ganzen Horde ausgelacht, fotografiert und gedemütigt und schließlich kopfüber ins Klo gesteckt. Doch damit nicht genug: Als nächstes wird auch noch sein Chemieexperiment sabotiert, sodass er sich erst selbst anzündet und ihm dann auch noch eine selten dämlich auf einem wackligen Regal postierte Flasche Säure ins Gesicht klatscht. Auch wenn ich mir mit meinen 36 Jahren mittlerweile keine Illusionen mehr über die unbegrenzte Blödheit des Menschen und sein Potenzial zum Bösen mache: In keiner Welt käme jemand auf die Idee, dass es lediglich ein lustiger, harmloser Scherz sei, im Chemielabor an irgendwelchen Substanzen oder der Gasleitung rumzupfuschen. Mitleid fällt angesichts der Grausamkeit und Blindheit, mit der da gegen Marty vorgegangen wird, ziemlich schwer: Strukturalistisch könnte man daher argumentieren, dass SLAUGHTER HIGH eine der typischen Eigenschaften des Slasherfilms – nämlich die Umkehrung des Verhältnisses von Protagonist zu Antagonist – schon auf der Ebene der Handlung verortet. Oder man drückt sich weniger gespreizt und apologetisch aus und konstatiert lediglich, dass die Masterminds hinter diesem Epos sich nicht so wirklich viele Gedanken gemacht haben. Immerhin trägt ihr Killer einen lustigen Hut. Und diese Szene mit dem Bauch, die hat was, definitiv …

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