Archiv für März, 2012

Die USA während der Dreißigerjahre: Während die Bürger schwer unter der Depression leiden, macht sich eine Gruppe von Männern einen Namen damit, dass sie sich das fehlende Geld auf ihre Weise beschaffen – mit Banküberfällen. Einer dieser Männer ist John Dillinger (Warren Oates), der mit seiner Gang den Status eines Volkshelden erlangt. Ihm – und seinen Zeitgenossen, Wilbur Underhill, genannt „The Tri-State Terror“, Theodore „Handsome Jack“ Klutas, George „Machine Gun Kelly“ Barnes, Charles Arthur „Pretty Boy“ Floyd (George Kanaly) und George „Babyface“ Nelson (Richard Dreyfuss) – dicht auf den Fersen ist FBI-Mann Melvin Purvis (Ben Johnson), der es sich zur Herzensangelegenheit gemacht hat, jeden der Gangster persönlich zur Strecke zu bringen …

Writer/Director John Milius konzentriert sich in seinem Film auf die letzten beiden Jahre des „Staatsfeinds Nr. 1“, wechselt zwischen dessen Überfällen und der mit zunehmender Intensität geführten Jagd Purvis‘ hin und her und beleuchtet so eine Epoche, in der vielleicht endgültig der Schlussstrich unter die Wildwest-Vergangenheit der Vereinigten Staaten gezogen und der Schritt zum Rechtsstaat – mit allen Konsequenzen – gezogen wurde. Historisch ist die Dillinger-Geschichte natürlich vor allem deshalb relevant, weil sie gleichzeitig auch der Beginn der Erfolgsgeschichte von Hoovers FBI ist. Milius ergründet noch einmal die Faszination der Zivilgesellschaft mit Gangstern und Outlaws sowie die Frage, wie es derjenige zu etwas bringen soll, der doch nichts hat. Als ein Südstaaten-Sheriff die fein angezogenen, von attraktiven Damen begleiteten und mit schicken Autos ausgestatteten Gangster erblickt, schöpft er sofort Verdacht: „Decent folks don’t live that good.“ Das Verbrechen von Dillinger und seinen Kollegen besteht auch darin, dass sie sich der vorgesehenen kapitalistischen Hackordnung nicht unterordnen wollen.

Milius stellt mit Purvis und Dillinger die beiden widerstrebenden Kräfte gegenüber, zeigt ihre Verbundenheit in der Differenz – ein Standard des Gangsterfilms: Wenn Purvis im Gespräch mit einem kleinen Jungen geradezu erzürnt darüber ist, dass dieser Dillinger, aber nicht ihn kennt, lieber ein Gangster statt Polizist sein will, weil ersterer nicht zur Schule muss, erkennt man darin dieselbe kindliche Verletztheit, die Dillinger später im Telefonat mit seiner Nemesis an den Tag legt, als Purvis ihn mit der Gelassenheit eines geduldigen Großvaters behandelt. Der eine will den Hass, der andere braucht die Zuneigung. Die Gegenüberstellung funktioniert auch, weil die Hauptrollen grandios besetzt sind: Warren Oates versieht den Staatsfeind mit der rauhbeinigen Likability eines alten Handwerkers, jener Ehrlichkeit, die auch die Antihelden von Peckinpahs Wild Bunch auszeichnete, Ben Johnson verleiht Purvis‘ Getriebenheit einen Kern unergründlicher Sentimentlität. Dieser Mann ist tief verletzt und wenn man im Epilog erfährt, dass er sich knapp 30 Jahre nach den geschilderten Ereignissen mit der Waffe, mit der er Dillinger erschoss, selbst umbrachte, dann scheint das nur die logische Konsequenz. Aber die beiden hervorzuheben ist eigentlich ungerecht, weil alle Darsteller groß aufspielen: Harry Dean Stanton liefert hier die Blaupause für seinen tragikomischen Pechvogel aus WILD AT HEART, wenn ihn der Tod nach einer Verkettung von Missgeschicken ereilt, die er nur mit „Things ain’t workin‘ out for me today.“ zu quittieren weiß. Richard Dreyfuss legt seinen Babyface Nelson als ausgewachsenes Kleinkind an, dem man vergessen hat, Grenzen beizubringen, George Kanaly ist als Pretty Boy Floyd der wohlerzogene All American Boy, der sich das falsche Hobby ausgesucht hat. Als ihm ein altes Ehepaar, das ihm gerade seine Henkersmahlzeit serviert hat, die Bibel nahebringen will, sagt er nur: „I admit, I have sinned; I have been a sinner, but I enjoyed it. I have killed men, but the dirty sons-of-bitches deserved it. The way I figure it, it’s too late for no Bible. Thanks just the same, Ma’am.“ Und dann macht er sich auf, um zu sterben. Geoffrey Lewis erinnert in seinem herzzereißenden Todesmoment daran, dass auch Gangster Angst vor dem Tod haben und Cloris Leachman bietet in ihrem Kurzauftritt als Anna Sage, jener rumänischen Exilantin, die Dillinger verriet, um sich so eine Aufenthaltsgenehmigung zu erkaufen, eine Projektionsfläche, um sie mit Wissen um ihr Schicksal – sie wurde nach Rumänien deportiert – tragisch aufladen zu können. Man meint in ihrem Gesicht schon das Leid ablesen zu können, von dem sie selbst noch nichts weiß.

Der ganze Film ist großartig, braucht den Vergleich mit einem Jahrhundertklassiker wie BONNIE & CLYDE nicht zu scheuen. Die Bilder der Weite des amerikanischen Mittelwestens seiner verfallenen, ausgestorbenen Kleinstädte, die vom Tod des amerikanischen Traums künden, der harte Kontrast zwischen dem unendlichen Himmel mit seinen barocken Wolkenformationen und der kargen Landschaft darunter, brennen sich dem Betrachter ein und erhöhen die Geschichte des Outlaws zur existenziellen Parabel. Roger Corman hat in den Siebzigerjahren einige Depressions-Gangsterfilme gemacht und sie sind – soweit ich sie kenne – alle toll. Dieser hier ist wahrscheinlich der beste aus diesem Korpus: ein Film, der weit über seine B-Movie-Herkunft hinaus bedeutsam ist und John Milius‘ wechselhafte Karriere fulminant begann.

Ein Papa (Tom Atkins) entreißt seinem jungen ein Comicheft der Reihe „Creepshow“ und schmeißt es in die Mülltonne. Der Wind blättert durch das Heft und seine Geschichten. 1. „Father’s Day“: Ein missgünstiger Ehemann und Vater kommt Jahre nach seiner Ermordung aus seinem Grab, um sich endlich seinen Vatertagskuchen von seinen Hinterbliebenen abzuholen. 2. „The Lonesome Death of Jordy Verrill“: Der geistig zurückgebliebene Farmer Jordy (Stephen King) lässt über seine Träume vom großen Geld alle Vorsicht fahren und fasst einen Meteor an, der auf seinem Grundstück gelandet ist. Bald bemerkt er an seinem Körper und im Haus überall grüne Sporen, die unaufhaltsam wuchern. 3. „Something to tide you over“: Der gehörnte Ehemann Richard (Leslie Nielsen) hat sich für eine Frau (Gaylen Ross) und ihren Geliebten (Ted Danson) etwas ausgedacht. Nahe der Flutlinie gräbt er sie im Sand ein und schaut sich ihren Todeskampf mittels Kamera bequem zu Hause an. Doch abends hört er Geräusche … 4. „The Crate“: Der Professor Dexter Stanley (Fritz Weaver) entdeckt in einer alten Kiste im Universitätsgebäude eine uralte, gefräßige Kreatur, die sogleich den Hausmeister und einen Studenten vertilgt. Er erzählt seinem alten Freund und Kollegen Henry Northrup (Hal Holbrook) davon und der hat sogleich eine Idee, wie er seine ätzende Gattin Billie (Adrienne Barbeau) loswerden kann. 5. „They’re creeping up on you“: Der misanthropische Geschäftsmann Upson Pratt (E. G. Marshall) hat panische Angst vor Bakterien und Ungeziefer und lebt deshalb in einem klinisch reinen Hight-Tech-Apartement, von wo aus er seine Untergebenen über das Telefon gängelt und kontrolliert. Doch derzeit hat er alle Hönde voll zu tun, der Kakerlakenplage Herr zu werden …

Mann, habe ich den schon lange nicht mehr gesehen! Und: Mann, war das gut, den mal wieder zu gucken! Langer Rede, kurzer Sinn: CREEPSHOW, eine aus der Feder von Stephen King stammende und von George A. Romero inszenierte Hommage an die EC-Comics, die auch die Grundlage für die britischen Verfilmungen TALES FROM THE CRYPT und VAULT OF HORROR sowie die erfolgreiche Fernsehserie TALES FROM THE CRYPT bildeten, ist vor allem ein Trumph des Designs. Unter Zuhilfenahme von wundervollen Trickfilmsequenzen, eines trick- und einfallsreichen Schnitts, der erfolgreich die Panelstruktur des Comics nachahmt (ein traumhaft schönes Comicalbum zum Film wurde ebenfalls aufgelegt), der garstig-übersteuerten Effektarbeit Tom Savinis, einer traumhaft expressiven Kameraarbeit und Lichtsetzung und der superb aufgelegten Besetzung gelingt das Kunstwerk, den Geist der Comics ohne Verlust in ein anderes Medium zu übertragen. CREEPSHOW ist bunt, ohne dabei plastikhaft, plakativ, ohne platt zu sein, bösartig, ohne je zynisch zu werden, geschmacklos, aber niemals stillos und vor allem witzig, ohne dabei den Horror zu vernachlässigen. An dieser Mischung versucht sich seit knapp zwei Jahrzehnten ein ganzes Genre, ohne auch nur annähernd die Klasse dieses Films zu erreichen (gemeint ist natürlich das fürchterliche Fun-Splatter-Kino). Große Exegesen sind dann auch gar nicht nötig, die Qualität dieses Films sticht wortwörtlich ins Auge. Nur soviel: Die alttestamentarische Moral, die diese Geschichten zu vertreten scheinen, ist ja gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Tod geht dann wohl doch nicht nur streng nach dem Regelwerk vor, sondern hat durchaus einen Sinn für dramaturgische Kniffe. Warum etwa der Rachemord des betrogenen Richard Vickers eher geahndet gehört als das ja kaum weniger heimtückische Vergehen des baven Henry Northrup, darüber könnte man sicher lange Diskussionen führen.

Vietnam: Als eine von David Callahan (Gary Daniels) geleitete Mission abgebrochen werden muss, nehmen er und seine Männer die kleine Tochter eines vietnamesischen Generals als Geisel, um fliehen zu können. Das Mädchen stirbt in der Folge und alle Männer außer Davids Jugendfreund Charlie Murphy (Jim Gaines) können entkommen. Fünf Jahre später besucht jener seitdem Totgeglaubte seinen Kumpel und dessen Familie überraschend in Thailand und lädt sie zu einem Tag am Strand ein. Bei diesem werden die Freunde überfallen und Davids Frau und sein Sohn erschossen – so wie damals das kleine Mädchen …

Das Erstaunliche an diesem Frühwerk aus Gary Daniels‘ Filmkarriere ist, dass Regisseur Teddy Page offenbar tatsächlich meint, seinen Zuschauern sei nicht klar, was hinter der Hinrichtung von Davids Familie für ein Motiv steckt. Im Anschluss an die oben umrissene Exposition schickt er den Helden gemeinsam mit einer thailändischen Spezialeinheit in den Kampf gegen einen kommunistischen Rebellenführer namens „Chamäleon“, der angeblich hinter den Morden stecken soll. Das alles ist natürlich nur eine falsche Fährte, um davon abzulenken, was wirklich los ist: Der arme Charlie hat damals seinen Kumpel verraten, um seine eigene Haut zu retten, und der vietnamesische General will Rache für den Mord an seiner Tochter. Es kommt am Ende, nach viel unmotivierter Ballerei, zum Showdown zwischen den drei, der ein nur wenig überraschendes Ende nimmt.

FINAL REPRISAL ist ein Paradebeispiel für die Billig-Philippinen-Action, für die Teddy Page ein ganz besonderes Händchen hatte: Schlechte Schauspieler chargieren in hässlichen Settings herum und obwohl alle Naselang etwas in die Luft fliegt und die Zahl der Toten im dreistelligen Bereich liegt, ist das alles beherrschende Gefühl Langeweile. Im vorliegenden Fall wird das noch etwas überschattet von der mehr als unappetitlichen Prämisse: Das hier ein völlig unmotivierter Kindermord herhalten muss, um die ganze Chose in Gang zu bringen, ist umso abgeschmackter, als nie geklärt wird, wer denn der Mörder des kleinen Mädchens war. Und während die Rache des Generals ihn zum bösen Schurken stempelt, ist der Zorn Callahans ein gerechter. Nee, Spaß macht dieser Film aller Unzulänglichkeiten zum Trotz nicht, und auch Daniels‘ quälende Versuche in Schauspielerei – wenn er beim Anblick seiner toten Familie versucht traurig und verzweifelt zu sein, schmilzt fast der Bildschrim vor Scham – reißen den Film nur noch tiefer in die selbstverursachte Scheiße.

Der amerikanische Journalist Andrew Cameron (Robert Walker) muss seine Geliebte Mieng in den Händen der Roten Khmer in Kambodscha zurücklassen, als er des Landes verwiesen wird. Er schwört zurückzukehren, um sie zu befreien und nach Amerika zu bringen. Doch der Weg über die Grenze ist beschwerlich und allein nicht zu meistern: Cameron schließt sich der Söldnerarmee des irren MacArthur (Christopher George) an, um an sein Ziel zu gelangen …

In der schönen, diesen Artikel zierenden VHS-Ausführung von Skyline habe ich diesen Film schon einmal besessen, es muss so ca. 18 bis 20 Jahre her sein. Ich hatte keine richtigen Erinnerungen an den Film mehr, weiß nur noch, dass ich ihn damals sehr, sehr merkwürdig fand. Ich kann heute eigentlich nur noch spekulieren, dass dieser Eindruck von etwaigen Kürzungen (das deutsche Tape ist geschnitten), der Synchro oder aber der Beschneidung des Scope-Formats auf das schmucklose 4:3-Fernsehbild begünstigt wurde, denn ANGKOR: CAMBODIA EXPRESS erwies sich in der Sichtung der hervorragenden GB-DVD als ein ganz und gar nicht merkwürdiger, hier und da zwar etwas unrunder, insgesamt aber erstaunlich sauberer, und ja, zeitweise sogar richtig groß anmutender Film. Im ersten Drittel, das den Leidensweg des Protagonisten bis zu seiner Ausweisung sowie seine ersten Versuche, die Befreiung seiner Geliebten zu organisieren, zeigt, hat es gar noch den Anschein, als handle es sich bei ANGKOR: CAMBODIA EXPRESS um einen Gesinnungsgenossen solcher Werke wie etwa THE KILLING FIELDS oder THE HANOI HILTON. Mit einigem Geschick fängt Kitaparaporn das Gefühl der Hilflosigkeit des Fremden in einer ihm weitestgehend unbekannten Welt ein und wenn plötzlich Richard Attenborough, Ben Kingsley oder Michael Caine ins Bild spazieren würde, es würde einen auch nicht besonders überraschen.

Spätestens wenn Cameron auf die Armee MacArthurs trifft, erhält der Film dann aber doch eine entschiedene Exploitationschlagseite. Im weiteren Verlauf schlingert er  etwas unentschieden zwischen diesen beiden Ansätzen hin und her und erinnert so vor allem an jene Kriegsfilme der Sechziger- und Siebzigerjahre, die die realen Konflikte dieser Welt als Abenteuer kerniger Männer vor exotischer Kulisse interpretierten. Man muss nicht wirklich darüber streiten, ob reales Leid für diese Sorte Entertainment herhalten sollte: Ganz geschmackssicher ist ANGKOR: CAMBODIA EXPRESS mit Sicherheit nicht, wenn da am Schluss unschuldige Frauen und Kinder von Granateinschlägen lustig durch den Wald geschleudert werden. Aber diese Diskussion an dieser Stelle nun ausgerechnet aufgrund dieses Filmes zu führen, erscheint mir dann auch wieder ungerecht.

ANGKOR: CAMBODIA EXPRESS ist keineswegs ein unterschlagenes Masterpiece, aber doch ein Film der einen überraschen dürfte. Einer, der zwar auf halber Strecke den ganz großen Triumph verfehlt, aber in diesem Scheitern vielleicht beeindruckender und nachhaltiger ist, als so mancher langweilig runde Qualitätsschinken. Ganz nah dran am epischen Kino der großen Gefühlswallungen ist er nicht zuletzt auch dank des fantastischen Scores von Stelvio Cipriani. Und die Auftritte von Christopher George (hier richtig fies mit Augenklappe, Zigarre, Barett und Lederhandschuh) und Woody Strode nimmt man als Italophiler sowieso gern mit. Dicke Kaufempfehlung für die GB-DVD unter dem Titel KAMPUCHEA EXPRESS, wenn sie einem denn günstig in die Hände fallen sollte.

 

In East L.A. bekriegen sich die Jugendgangs bis aufs Blut. Sie stehen auf der Gehaltsliste des Drogendealers Chesare (Lawrence Hilton-Jacobs), den die Polizei einfach nicht zu fassen bekommt. Als Paulo (Kamar De Los Reyes) seinen kleinen Bruder bei einem Drive-by-Shooting verliert, will er bei den „Lobos“ aufgenommen werden, der örtlichen Latino-Gang, die im Dauerclinch mit den Schwarzen von den „Boppers“ liegt. Doch zuvor trifft Paulo auf Aurelio (Tony Bravo), einen ehemaligen „Lobo“, der der Gewalt seit Jahren entsagt hat. Er kann den Veteranen überzeugen, ihm das Kämpfen beizubringen. Und verspricht ihm im Gegenzug, ihm dabei zu helfen, Chesare zur Strecke zu bringen …

Nach dem geilen PAYBACK war die Erwartungshaltung für diesen Film vielleicht etwas zu hoch: EAST L.A. WARRIORS kommt nie richtig in Fahrt und seine ihm ins Gesicht geschriebene Billigkeit steht ihm eher im Weg, als dass er in der Lage wäre, sie zu einer Stärke umzudeuten. Hauptproblem des Films ist seine viel zu umständliche Geschichte, in der gleich mehrere Standardplots verwurstet werden: Kampf der Polizei gegen den Drogen-Kingpin, Banden- und Bruderkriege, Ausbildung zum „echten Krieger“, die Reaktivierung eines alten Veteranen, schließlich noch ein bisschen Turnierfilm. Randall – der übrigens aus einer langen Linie Filmschaffender stammt – hätte gut daran getan, sich auf ein oder zwei dieser Aspekte zu kontrollieren, statt alles auf einmal zu versuchen und so zwangsläufig überall nur Halbfertiges zustande zu bringen.

Im Gedächtnis bleiben wird EAST L.A. WARRIORS für Hauptdarsteller Tony Bravo, der mit seinem Schnäuz ein bisschen wie ein lateinamerikanischer Rudi Völler aussieht, die „mächtigen“ Gangs, die kaum mehr als zehn Mitglieder aufweisen, die völlig sinnlose Nebenrolle von William Smith und die von den deutschen Synchronsprechern sehr steif vorgetragenen spanischen Dialoge, die aus der Tonspur so eine Art „Spanisch für Dummies“ machen. Ich hatte mehr erwartet. My bad.

payback (addison randall, usa 1988)

Veröffentlicht: März 13, 2012 in Film
Schlagwörter:, ,

Mitarbeiter des Waffenherstellers MWI werden umgebracht. Dahinter steckt offenbar eine Organisation militanter Rechtsrevolutionärer namens „Strike Force“. Die Firmenchefin Donna holt den Vietnamveteranen Jason Shepard (Roger Rodd) zur Hilfe, der einst ihr Geliebter und außerdem enger Vertrauter von Evelyn Reed war: Die steht ebenfalls auf der Abschussliste der Strike Force und ist verschwunden, seit der Anschlag auf ihr Leben schiefging …

Vielleicht ist es auf krankheitsbedingte Verblödung zurückzuführen: Wenn man wie ich seit fünf Tagen im Bett liegt, dann leidet darunter nicht zuletzt die Urteilsfähigkeit, darüber zu entscheiden, was gut, schlecht, unterhaltsam oder schlicht langweilig ist. Von PAYBACK, der von Joseph Merhi und Richard Pepin mitproduziert wurde, aber nicht für deren Firma PM Entertainment, habe ich ungefähr das erwartet, was das deutsche DVD-Cover verspricht: ultabilligen, hilflos zusammengeschusterten und vor allem potthässlichen Actionschrott. Und eigentlich ist PAYBACK genau das. Aber mein Gott, was für ein Fest! Von Anfang an wird hier ein solches Feuerwerk der Absurditäten und Blödheiten abgebrannt, dass ich bald ebenso gebannt vor dem Bildschirm hing wie bei einem tatsächlich spannenden Film. Was auch dadurch begünstigt wird, dass PAYBACK tatsächlich recht schwungvoll erzählt ist: Anders als bei anderen Schoten dieser Art ist immer irgendwas los.

Das beginnt schon mit der ersten Szene: Ein verliebtes Pärchen – sie ein typischer L.A.-Bikinibimbo, er ein Ersatzchippendale – spaziert in erotischer Bademode am Strand entlang. Plötzlich nähert sich ein Helikopter, der schließlich knapp hinter ihnen landet. Das Mädel gibt ihm einen Abschiedskuss und rennt dann zum Hubschrauber. Während der abhebt, hat man noch ein paar Sekunden Gelegenheit, darüber zu sinnieren, ob Männer Badehosen tragen sollten, die die Arschbacken dermaßen entblößen. Und sie entpuppt sich im Folgenden als besagte Waffenkonzernchefin, die flugs mal in die Pampa fliegt, um dort fürchterlich offiziell aussehenden Militärs die Vorzüge der neuen Waffenkollektion nahezubringen: Sie hört sich dabei an, als hätte sie eine erfolgreiche Karriere als QVC-TV-Verkäuferin aufgegeben. Später dann, wenn die Führungsriege vom MWI berät, wen sie zur Lösung ihres Problems engagieren soll und einen Skeptiker davon überzeugen will, dass es durchaus echte Loyalität gibt, wird der persönliche Leibwächter von Senator Nathan hinzugerufen: Der richtet auf Befehl sofort die Waffe auf den Skeptiker, nur um sie Sekunden später auf den entsprechenden Befehl hin an den eigenen Kopf zu halten. Der Beweis: Wenn man einen Vietnamveteranen von einer Laderampe aufliest und ihm einen Job gibt (no shit, das erzählt der Senator wirklich!), dann dankt der es einem mit bedingungsloser Loyalität. Die Entscheidung fällt also auf diesen Jason. Der bekommt eine der tollsten Abgerissener-Held-Einführungen, die ich je gesehen habe: Er steht mit tranigem Blick am Flipper einer viertklassigen Pinte und würdigt den Mann, der ihn sprechen will, keines Blickes. Auf Nachfrage erfährt der dann von einem anderen, dass Jason bereits seit drei Tagen ununterbrochen säuft und flippert, ohne ein Wort zu sagen. Way to go, man! (Dass er trotzdem einen prolligen Sportwagen und eine durchaus gut gepflegte Maisonette-Wohnung sein eigen nennt, wirft später ein paar Fragen über die Schwere seiner Existenzkrise auf.)

Was hat PAYBACK darüber hinaus noch zu bieten? Die Strike Force, hinter der angeblich „mächtige Geldgeber“ stehen, die aber trotzdem nur aus drei Proleten mit „Kill ‚em all“-T-Shirts besteht. Den Hackerfreund Jasons, der offensichtlich alle Angestellten der Rüstungsindustrie mit Namen kennt und sich unverdrossen ins System vom MWI hackt, obwohl man dort dann seine volle Adresse vom Bildschirm ablesen kann. Eine Sexszene zwischen dem werwölfigen Jason und der mit dem Sexappeal einer (ehemaligen) Schlecker-Kassiererin ausgestatteten Evelyn, die mit einer Vergewaltigungsszene parallelmontiert ist, wahrscheinlich um die Ekelgefühle zu relativieren. Supergeheime Daten zu neuen Sturmgewehren, die tatsächlich mit dem Passwort „Shotgun“ gesichert sind. Und dann noch diese unfassbar geile Szene, als Jason die Kneipe seiner besten Freundin aufsucht, die dort kurz zuvor vergewaltigt und ermordet worden ist, um ihren Gehilfen über die Identität der Killer auszufragen: Mitten im Gespräch fliegt hinter den beiden die Tür auf, ein Strike-Force-Killer guckt kurz rein, ballert den Kollegen ab, als hätter er ihn vorher einfach nur vergessen umzulegen, und geht wieder. Wie diese Szene ist PAYBACK ein echtes Timing-Wunder: Immer, wenn man denkt, das könne jetzt unmöglich noch getoppt werden, kommt mit Sicherheit die nächste Schote. Zum Finale wird dann noch die schwarze Gesichtsfarbe ausgepackt, Jason und der „Loyale“ begeben sich vereint und in voller Ninjamontur in die Schlacht. Hier sei dann noch erwähnt, dass PAYBACK mit seinem authentisch wirkenden Schmuddellook und den Bildern der eher hässlichen Seiten des nächtlichen L.A.s auch jenseits seiner Baddie-Reize bei mir punkten konnte. Aber wie gesagt: Ich bin ja auch krank.

Der Versuch einer kurzen Inhaltsangabe muss hier scheitern, denn OPERATION WARZONE ist ein Vietnamkriegsfilm der ganz brisanten Themen. Es geht um korrupte Militärs, um die Interessen der Waffenlobby, die den Bemühungen der Armee, den Krieg zu einem Ende zu bringen, diametral entgegenstehen, um Waffendeals, Geheimdienstler, Codenamen und streng geheime Koordinaten. Und um den einfachen Soldaten, der zufällig in diese ganze Sache hereingezogen wird und plötzlich feststellt, dass er Feinde in den eigenen Reihen hat.

Aus dieser ambitionierten Handlung hätte ein Regisseur wie Sidney Pollack sicher einen brisanten Politthriller gestrickt, Tony Scott einen paranoiden Hochglanz-Actionthriller und Steven Soderbergh einen seiner komplex verschachtelten Ensemblefilme mit George Clooney als Präsident und Autor Stephen Gaghan als Verschwörungslieferant. Dummerweise fand sich auf dem Regiestuhl aber nur David A. Prior ein, der eigentlich nur drei Arten von Szenen kennt: 1. Männer gehen durch den Wald (eventuell mit Dialog). 2. Ein Mann sitzt an einem Tisch, ein anderer kommt rein/ruft an, beide reden. 3. Schießerei. Der nicht nur für die Protagonisten verwirrenden Geschichte zu folgen, gestaltet sich daher mehr und mehr als schwierig, zumal man wie immer bei Prior von zahlreichen Nebensächlichkeiten abgelenkt wird (daran erkennt man den wahren Kinomagier!). Das herbstliche Mischwäldchen, das als Stand-in für den vietnamesischen Regenwald herhalten muss, weckt lebhafte Erinnerungen an das Pilzesammeln am Niederrhein vergangenes Ostern oder auch an die Klassenfahrt anno ’86, als es zur schönen Biggesee-Talsperre bei Olpe ging. Ein toller Zeitvertreib (jedenfalls mehr als der Film selbst) ist es auch, den zahlreichen Soldatendarstellern lustige Spitznamen zu geben oder sich darüber zu wundern, was Fritz Matthews – in Priors DEADLY PREY und HELL ON THE BATTLEGROUND noch ein vom Olymp herabgestiegener Hilfstitan mit amtlichen Prolo-Allüren – dazu bewogen hat, sich hier einen Anglerhut aufsetzen zu lassen, mit dem auch Clint Eastwood aussähe wie ein geistesschwacher Wurmverkäufer. Oder sich zu fragen, ob es wirklich keine bessere Archivmusik gab, als den fünftklassigen Abklatsch von Wham!s „Wake me up before you go-go“, der da über rammdösiges Durch-den-Wald-Latschen, aber auch über wüste Schießereien gelegt wurde und die sich nicht einstellende Stimmung ähnlich gnadenlos killt. So ähnlich wie das Bekenntnis der wunderschönen Frau, die man nach langem Graben endlich zum Date überreden konnte, sie wähle NPD und stehe auf die Musik von Pur und Mark Medlock.

Einsames Trumpf-As des Films ist da natürlich Joe Spinell (laut Vorspann „Spinnell“), der Prior schätzungsweise zwei Stunden zur Verfügung stand, während derer der immerhin ca. vier Minuten Material für seinen Film drehte. Der Ex-Maniac absolviert einen jener für diese Art von Videothekentrash typischen Auftritte, sitzt in allen Szenen in seinem Büro vor dem Star Spangled Banner, unterzeichnet Dokumente, empfängt Anrufe und Diplomaten zum Gespräch oder überwacht die Sekretärin bei der ordnungsgemäßen Bedienung des Reißwolfs, bevor sie für ihn die Bluse lüpft. Highlight seiner Minirolle, die ihm trotzdem den obersten Casting-Slot bescherte, ist jene Szene, in der er ohne jede Erklärung mit einer fetten Sonnenbrille an seinem Schreibtisch sitzt. Das mag sich jetzt nicht nach allzu viel anhören, aber wenn man sich der ja auch irgendwo ziemlich traurigen Aufgabe verschrieben hat, die ausgestoßenen Missgeburten des Filmbisseness zu würdigen, ist man dankbar für jeden Brotkrumen, der einem vor die Füße geworfen wird. Abenteuerlich auch das Finale, bei dem mittels mies einkopierten Allerwelts-Archivmaterials und eines um Seriösität arg bemühten Voice-over-Kommentars klar gemacht wird, dass die gezeigten Ereignisse als filmische Approximation eines wichtigen Wendepunkts im Vietnamkrieg verstanden werden sollten. Ob es sich bis zu Prior rumgesprochen hat, dass seine Landsleute den Krieg verloren haben? Ich habe meine Zweifel.