los monstruos del terror (tulio demicheli, spanien/italien/deutschland 1969)

Veröffentlicht: April 11, 2012 in Film
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Weil ihr eigener Planet kurz vor der Eiszeit steht, muss sich eine Rasse Außerirdischer eine neue Heimat suchen. Ihre Wahl fällt auf die Erde, die sie jetzt noch von den lästigen Menschen befreien müssen, bevor es zu spät ist. Weil sie herausgefunden haben, dass der Mensch zu Aberglauben neigt, versichern sie sich der Dienste berühmt-berüchtigter Monster: Vampirgraf, Golem, Werwolf und Mumie. Doch weil es eine schwierige Aufgabe ist, diese Kreaturen unter Kontrolle zu halten, gerät der eigentliche Plan ins Hintertreffen …

Wie kann man einen europäischen Genrefilm aus den späten Sechzigerjahren, der mit dieser Prämisse daherkommt, nicht lieben? Alles an LOS MONSTRUOS DEL TERROR ist kindliche Monsterbegeisterung, von Groschenromanen geprägte und nicht von der Realität beeinträchtigte Imagination, Lust am wüsten Fabulieren und am barock überladenen Bild. Diesem Enthusiasmus wird tatsächlich alles unterworfen, was Demichelis Film zu einer Effizienz verhilft, die der des Außeriridischenplans nicht ganz unähnlich ist: Zum Wesentlichen kommt Demicheli genauso wenig wie die Wohnungssuchenden. Aber selten habe ich einem Film lieber beim Verfehlen der selbst gesteckten Ziele zugeschaut als hier. Der haarsträubend umständliche Welteroberungsplan gerät schon nach kürzester Zeit in Vergessenheit, weil sich die Monster nicht so einfach dem Zweck unterwerfen lassen. Wie ein paar im Süßigkeitenladen losgelassene Kinder beginnen sie sofort auf eigenen Wegen zu wandeln. Am Ende haben die Außeriridischen nicht nur nicht die Erde erobert und die Menschheit ausgelöscht, es ist ihnen noch nicht einmal gelungen, das malerische Fachwerkkaff, in dem der Film über weite Strecken spielt, unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Grad des Versagens ist gar nicht messbar.

Beim Film selbst möchte man das nicht so deutlich sagen: Zwar bleibt Demicheli (oder vielmehr das Drehbuch) in seiner Narration irgendwo im zweiten Akt stecken und ist dann damit beschäftigt, die lustige Rasselbande im Zaum zu halten, dass es hier ja nicht zuletzt um Vorgänge von geradezu kosmischer Bedeutung geht, gerät bei diesem lustigen Ringelpiez auch in Vergessenheit. Aber das ist ja das Tolle an dem Film: Aus einer Prämisse, die heute einen von vorn bis hinten durchgetunten und marketingtechnisch bis zur Mc-Donald’s-Spielzeugkampagne perfekt organisierten Film nach sich zöge (siehe zum Vergleich etwa den furchtbaren VAN HELSING), macht Demicheli einen verhinderten Kinderfilm, dessen Unschuld zu Herzen geht und der seinen Monstern die Ehre erweist, anstatt sie nur durch den postmodernen Verwertungswolf zu drehen. Wahrscheinlich sollte ich hier mehr ins Detail gehen oder lustige Dialoge zitieren (die deutsche Synchro ist nämlich ein Kracher!), aber das muss ich mir für die Zweitsichtung aufheben. Nur ein kleines Bonbon, das helfen soll, sich eine Vorstellung von dem entwaffnenden Irrsinn, der hier geboten wird, zu machen: Die Entscheidung, sich einen anderen Planeten zur Besiedelung zu suchen, begründet das Oberalien (Michael Rennie) lapidar in einem Nebensatz damit, dass es ihnen leider nicht gelungen sei, eine künstliche Sonne zu konstruieren. Na, dann muss es eben Plan B mit den Monstern sein, ist ja klar.

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