the velvet vampire (stephanie rothman, usa 1971)

Veröffentlicht: April 13, 2012 in Film
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Lee Ritter (Michael Blodgett) und seine Frau Susan (Sherry Miles) werden in einer Kunstgalerie von der attraktiven Diane LeFanu (Celeste Yarnall) angesprochen und auf ihr Anwesen in der Wüste eingeladen. Das Pärchen nimmt die Einladung an und wird von der mysteriösen Frau mehr als nur gastfreundlich behandelt: Die Luft knistert geradezu vor sexueller Spannung. Doch dann mehren sich die Merkwürdigkeiten, ein Mechaniker verschwindet und schließlich dämmert es den beiden Ritters, dass ihre Gastgeberin eine Vampirin ist …

Regisseurin Rothman verbindet in THE VELVET VAMPIRE den erotischen Vampirfilm, wie er in den Siebzigerjahren populär war, mit dem psychedelischen Hippiefilm und ist damit ausgesprochen erfolgreich, ohne das Rad jedoch gleich neu zu erfinden. THE VELVET VAMPIRE läuft gut rein und bleibt bis zum Schluss interessant, was durchaus nicht selbstverständlich ist: Wer nicht ganz hinter dem Mond lebt, weiß eigentlich von Anfang an, woher der Wind weht, und Rothman gibt sich keine Mühe, daran etwas zu ändern. So bezieht der Film seine Spannung aus dem Vorwissen des Zuschauers vor den Protagonisten, die glücklicherweise einen Hauch intelligenter sind, als sie es in solchen Filmen zu sein pflegen. In Verbindung mit dem treibend-hypnotischen Psychedelic-Rock-Score und einigen überzeugenden visuellen Einfällen entsteht so ein stimmungsvoller Film, der mit dem Begriff „Horror“ jedoch nur unzureichend beschrieben ist. Ich bin hier mit meinem Latein ein wenig am Ende, denn obwohl mich THE VELVET VAMPIRE gestern ziemlich gekickt hat, fällt es mir heute schwer, diese Begeisterung in Wore zu fassen. Manchmal gibt es das ja: Filme, die man einfach mag, ohne dass man stichhaltig erklären könnte, warum.

Zwei Szenen bzw. Sequenzen des Films möchte ich trotzdem kurz erwähnen: Zum einen gibt es da eine Albtraumsequenz, in der ein visueller Effekt zum Einsatz kommt, der 1971 noch gar nicht so gut aussehen durfte, wie er es tut. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie die das gemacht haben, ohne dabei auf einen Computer zurückzugreifen. (Dafür gibt es später dann die altbewährten Plastikfledermäuse und Gummischlangen.) Dann ist da das maximal strange Finale: Susan gelingt die Flucht aus der Wüste in die Stadt, die Vampirin ist ihr dicht auf den Fersen. Zu Fuß (!) hetzen sich die beiden durch die Straßen, bis Susans Weg sie an einem Kreuz vorbeiführt, das die Vampirin in Bann schlägt. Susan reagiert geistesgegenwärtig, plündert einen nahe gelegenen Stand mit Holzkruzifixen, drückt den anwesenden Passanten jeweils eines in die Hand und fordert sie dazu auf, die Frau damit zu bedrängen. Auf offener Straße macht der spontan zusammengetrommelte Lynchmob ihr den Garaus. Neben dem effektiven Bruch mit der Konvention, die es dem Vampir ja eigentlich verbietet, sein Domizil zu weit hinter sich zu lassen, ihm dafür aber eine Macht zuspricht, die ihn von der Schmach befreit, seinen Opfer noch hinterherrennen zu müssen, und der wunderbaren Banalisierung des zuvor magisch-mystischen Treibens ist auch der Einfall mit dem Lynchmord einfach nur toll, weil er die Sympathieverteilung noch einmal völlig auf den Kopf stellt. Ein wirklich schöner Film, das müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben.

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