firecracker (cirio h. santiago, usa/philippinen 1981)

Veröffentlicht: April 24, 2012 in Film
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Die Karateexpertin Susanne Carter (Jillian Kesner) schleicht sich auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester in die Organisation von Rey (Ray Malonzo) ein, der mit seiner rechten Hand, dem Martial Artist Donner (Darby Hinton), illegale Arenafights bis zum Tod veranstaltet und außerdem in den Drogenhandel mit dem Schmierlappen Grip (Vic Diaz) verwickelt ist …

Positiv könnte man über Cirio H. Santiago sagen, dass man von ihm immer ziemlich genau das bekommt, was man erwartet hat. Negativ betrachtet ließe sich an diese Behauptung der Zusatz anfügen, dass das nicht besonders viel ist. Was ich schon bei VAMPIRE HOOKERS und DEMON OF PARADISE konstatierte, gilt also auch für  FIRECRACKER: Potenziell schlummert in der 08/15-Story ein durchaus unterhaltsamer kleiner Exploiter, die Production Values sind völlig OK und die Darsteller allesamt brauchbar, doch unter Santiagos handwerklich zwar kompetenter, aber eben auch furchtbar uninspirierter Regie werden alle guten Ansätze gnadenlos planiert. Was seinen Filmen total abgeht, ist Rythmus. Es gibt keinen Flow, dem man sich hingeben, der einen mitreißen würde, keinen Spannungsaufbau, nur eine Abfolge von für sich genommen meist uninteressanten Szenen. So folgt auf drei langweilige Dialogszenen, in denen bergeweise Exposition bewältigt wird, die einen eh nicht interessiert, eine kleine Actioneinlage, bevor dann das Geschehene wieder haarklein von allen beteiligten Parteien zerredet wird. Dramaturgie: Fehlanzeige. Immerhin gibt es bei FIRECRACKER drei Szenen, für die es sich dann einigermaßen lohnt, sich durch die Unmengen preiswerter Sättigungsbeilage zu fressen. Es ist bezeichnend, dass die erste dieser Szenen mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun hat: Susanne wird von zwei Vergewaltigern in eine Lagerhalle verfolgt. Dort bringen die Schurken zuerst den der Dame zur Hilfe eilenden Wachmann um, indem sie ihn auf eine Spitzhacke schubsen, reißen der Holden dann bei der anschließenden Hatz nach und nach die Kleidung vom Leib (der BH wird mittels eines Sichelhiebs entzweit), bis sie sich nur noch mit einem Slip bewehrt zum Kampf stellen muss und einer ihrer Gegner sein blutiges Ende in einer Kreissäge findet. Die zweite Szene ist eine lang ausgedehnte Sexszene, die aber eigentlich zu 99 % aus Vorspiel besteht. Der schicke Donner, ein blonder Schnurrbartträger mit Fönwelle, benutzt zwei Taschenmesser, um Susanne sämtliche Klamotten vom Leib zu schneiden, bevor sie ihm eine scheuert und dann ihrerseits mit dem Messer zu Werke geht. Die Szene schließt dann sehr antiklimaktisch mit Nahaufnahmen der regungslos aufeinander liegenden Liebenden. Wem das noch zu wenig ist, der kann sich immerhin noach auf den Finalfight freuen, bei dem Susanne ihrem Gegner die Augen mit zwei Stöcken aussticht. Das ist in der Tat wenig, aber wenn man die Exploitationfilm-Exegese auch als entbehrungsreiche Arbeit betrachtet, wie ich das tue, dann freut man sich angesichts solcher Momente doch darüber, drangeblieben zu sein. Wie für den Goldsucher, der für ein winziges Nugget stundenlang kiloweise Sand schürfen muss, werden diese Szenen durch den erbrachten Einsatz nur noch wertvoller.

Das ist dann aber auch das Problem, das ich bei der Bewertung solcher Filme habe: Ich kann wahrlich nicht behaupten, gebannt vor dem Fernseher gesessen zu haben, die Gedanken sind mehr als einmal weit abgeschweift, die Aufmerksamkeit ist oft erst zur nächsten Keilerei wieder zurückgekehrt. Und ich würde niemandem ernsthaft einen Santiago-Film empfehlen, von dem ich nicht wüsste, dass er einen ähnlich gelagerten Geschmack hat wie ich. Trotzdem mag ich diese Art von langweiligen Exploitern gerade wegen ihrer Eigenschaft, schamlos Langweile zu verbreiten, irgendwie. Sie sind wie Hintergrundmusik: Sie stört nicht weiter, wenn man dabei etwas anderes machen möchte, man kann sie einfach nebenher plätschern lassen, und wenn man sich ihr dann doch wieder zuwendet, dann findet man erstens schnell wieder den Zugang und zweitens dauert es meist nicht lange, bis irgendwas Kurzweiliges passiert. Am Stück genossen ist FIRECRACKER trotz seiner Belanglosigkeit aber ziemlich hartes und geschmacksarmes Brot und nebenbei weder Fisch noch Fleisch. Zum großen Exploitationspaß fehlt ihm der Wahnsinn, zum echten Film die Klasse. Man merkt hier sehr deutlich, dass der Film tatsächlich nur ein Vorwand zum hemmungslosen Abkassieren ist. Deshalb sieht das Poster auch tausendmal geiler aus als das, was dann über die Leinwand flimmert.

EDIT: Noch erwähnt sei die geile Jacke, die Donner einmal trägt und die zu tragen nicht einmal Steven Seagal die Eier hätte: eine Art tailliertes, lang geschnittenes Jeanshemd, auf dessen Rücken ein kindgerechtes Steppen-Panorama mit putzigem Löwen prangt, das mich fatal an ein Puzzle erinnert, das meine zweijährige Tochter derzeit schwer beschäftigt. Mit Löwen hat Donner es eh: Seine weiße Ballonseiden-Joggingjacke ist aber nicht ganz so geil.

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