born of fire (jamil dehlavi, großbritannien 1983)

Veröffentlicht: Mai 1, 2012 in Film
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Eine Astronomin (Suzan Crowley) beobachtet im Zuge einer Sonnenfinsternis ungewöhnliche starke Aktivität an der Oberfläche der Sonne und vernimmt währenddessen zudem eine eigenartige Musik. Sie sucht den Flötisten Paul Bergson (Peter Firth) auf, der die Musik ebenfalls hört: Sein Vater kam unter myteriösen Umständen ums Leben, nachdem er sich in der Türkei von einem „Master Musician“ unterrichten ließ. Als ein vermeintlich inaktiver Vulkan in der Türkei ausbricht, ist die Astronomin davon überzeugt, dass dies mit der Sonnenaktivität und der Musik zusammenhängt und überredet Paul, in die Türkei zu reisen. Der wird dort nicht nur mit bislang unbekannten Erkenntnissen über seinen Vater konfrontiert, sondern auch mit dem Teufel (Oh-Tee), der eine Möglichkeit gefunden hat, die Welt mithilfe von Musik zu unterjochen. Doch dafür benötigt er einen Musiker …

BORN OF FIRE entzieht sich einer Einordnung in eine Schublade wie nur wenige Filme, die ich kenne. Er wurde von dem in Indien geborenen Pakistani und nach Großbritannien ausgewanderten Jalil Dehlavi für das britische Fernsehen inszeniert, zeigt deutliche Einflüsse der orientalischen Erzähltradition, die aufs Härteste mit denen der westlichen, vermeintlich „rationaleren“, aufeinanderprallen. BORN OF FIRE beginnt zunächst wie ein „typischer“ Okkult- oder Mysterythriller. Doch die bis dahin noch relativ klar herausgearbeitete Story tritt mit dem Schauplatzwechsel in die Türkei zugunsten einer symbolträchtigen, assoziativen und nonlinearen Erzählhaltung in den Hintergrund. Träume und Visionen beginnen die Filmwirklichkeit zu überlagern, die Dialoge, die in der ersten halben Stunde Exposition geleistet haben, verschwinden mehr und mehr, der Film wird von Sprachlosigkeit ergriffen. Dehlavi wollte nach eigenem Bekunden eigentlich Maler werden und das sieht man BORN OF FIRE an, der sich immer mehr in einen Bilderbogen verwandelt. Der an bizarr anmutenden Originalschauplätzen im anatolischen Hinterland gedrehte Film profitiert sehr von seinen außerweltlichen Settings, die seine Fremdartigkeit noch unterstreichen. Und man spürt, wie sehr diese Umgebung vom Regisseur und seinem Film Besitz ergriffen hat. BORN OF FIRE ist auch ein Film über den Verlust von (künstlerischer) Kontrolle und ihre Wiedererlangung und es scheint, als habe der Regisseur selbst sich mit seinem Team dieser Entwicklung unterworfen.

Ein Urteil möchte ich mir nach einer Sichtung noch nicht anmaßen. So faszinierend BORN OF FIRE auch anzusehen ist: Leichte Ermüdungserscheinungen kann ich nicht verhehlen. Dehlavi wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Genrekino und Kunst, doch sein Film ist in der Verquickung der beiden Pole nicht hundertprozentig ausgewogen. Der Kampfbegriff der artsy-fartsiness schwebt immer in Reichweite und es ist lediglich diese mit den Settings und der Geschichte verbundene Urwüchsigkeit und Ursprünglichkeit, die den Film am Boden halten, Kopf und Geist sozusagen mit dem dringend benötigten Bauch ausstatten und erden. Trotzdem überwiegen Sympathie und Wohlwollen: Wenn Dehlavi in einem auf der DVD enthaltenen Interview beinahe gekränkt davon berichtet, dass er längst nicht mehr die Filme machen kann, die er machen möchte, er am liebsten ganz auf die Dialoge verzichtete, die seine Filme mittlerweile gezwungenermaßen bestimmen, dann erkennt man, mit welchen Schmerzen das Künstlerleben verbunden ist und welchen Triumph BORN OF FIRE für ihn darstellen muss. Ein Film, in dem sich seine künstlerischen Instinkte gegen alle kommerzielle Erwägungen und Kompromisse durchgesetzt haben. Der Teufel wurde in BORN OF FIRE gleich auf zwei Ebenen in die Flucht geschlagen.

Nächste Station: Frankreich.

Kommentare
  1. […] die sich in orientalischer trance auflöst. dabei übrigens bilder wie gemalt (und das ist kein zufall), die zwar sicherlich von den unglaublichen “locations” profitieren, aber auch die muss […]

  2. Wiedzmin sagt:

    Scheiß Christen! Ich will kein „Satanist“ werden, nur um etwas mehr okkultes zu erlernen!

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