Archiv für Juni, 2012

krakenmonster, die zweite

Veröffentlicht: Juni 29, 2012 in Film, Zum Lesen

Der versprochene zweite Teil meines Krakenmonstertextes steht jetzt auf Hard Sensations und macht euch hoffentlich ebenso viel Spaß beim Lesen wie er mir beim Schreiben gemacht hat. Hier geht’s lang.

Um mich von pakistanischen Actionfilmen zu erholen und Kraft für die mir auf der Weltreise bevorstehenden Inder zu tanken, habe ich ein paar Krakenmonsterfilme geschaut und für Hard Sensations einen Artikel dazu geschrieben, der so lang geraten ist, dass ich ihn in zwei Teile spalten musste. Teil 1 ist heute online gegangen und wartet darauf, von euch gelesen zu werden. Ich wünsche viel Vergnügen! Klick hier.

Für Hard Sensations habe ich den großartigen ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN besprochen: eine Wolf-C.-Hartwig-Produktion, mit viel Drive inszeniert von Jürgen Roland und seit einiger Zeit erhältlich in einer feinen 2-Disc-Special-Edition im schmucken Pappschuber. Wer German Sleaze mag, ein Faible für bundesdeutsche Nachkriegstristesse hat und seine Vorurteile gegen den deutschen Actionfilm ablegen möchte, dem sei der Kauf dringen empfohlen. Es reicht aber auch, wenn man seine Filme schnell, hart, feist und asig mag. Hier findet ihr den Text.

Der Bestsellerautor Salman Rushdie (Afzaal Ahmad)  ist die Speerspitze eines internationalen Krieges der Ungläubigen gegen den Islam, außerdem mit dem Teufel im Bunde und noch dazu unsterblich, weil er bereits so viele tapfere Moslems ermordet hat. Die „Festung des Islam“, Pakistan, sendet vier Superkrieger, die Rushdie auf seiner von zahlreichen Soldaten bewachten Insel ausfindig machen und umbringen sollen: die beiden Brüder Ghulam (Ghulam Mohiuddin) und Javed (Javed Sheikh), ihren Onkel Mustafa (Mustafa Kureishi) und die Schöne Shagutta (Neeli) …

Diese Geschichte habe ich mir mitnichten bloß ausgedacht, weil mir keine Untertitel zur Verfügung standen: Jedes Wort, das da oben steht, ist wahr und INTERNATIONAL GORILLAY gibt es wirklich. Er dauert 166 Minuten und sein Regisseur Mohammed verrührt zahlreiche chaotisch-wüste Actionszenen, hysterische Gesangs- und Tanzeinlagen sowie plump-infantilen Slapstick zu einem Eintopf, der in Verbindung mit dem zentnerschweren Pathos und der mit grober Kelle verabreichten Ideologie für heftigen Schluckauf und einige Verdauungsbeschwerden sorgt. Wahrscheinlich sollte man das alles nicht allzu ernst nehmen: Die Hetze des Films spielt sich auf einem intellektuellen Niveau ab, das mit „unter der Gürtellinie“ nur sehr unzureichend beschrieben ist. Trotzdem ist der unverbrämte Hass, der hier über eine real existierende Person ausgeschüttet wird, eigentlich nicht zum Lachen. Auch dann nicht, wenn man einräumt, dass der Salman Rushide des Films mit der realen Person nicht allzu viel gemein hat. Henryk M. Broder sollte INTERNATIONAL GORILLAY jedenfalls besser nicht zu Gesicht bekommen, er fühlte sich in seiner Meinung über den Islam wahrscheinlich (mal wieder) in jeder Silbe bestätigt. Aber es ist fraglich, ob ein Normalsterblicher diese Wundertüte der Cinematographie überhaupt über die ersten zehn Minuten hinaus aushalten würde: Auf den Betrachter prasselt ein Hagel an unmotivierten Strobo-Zooms, wüsten Stakkato-Schnitten und krawalligen Tuschs, die das alles musikalisch untermalen und mit der Extraportion Drama aufladen. Dabei ist das hier keine Mülleimer-Produktion wie der zuletzt erlittene Pashto-Film DA KHWAR LASME SPOGMAY, sondern durchaus mit einigen Production Values ausgestattet. Lässt sich INTERNATIONAL GORILLAY inhaltlich als pakistanische Mischung aus DELTA FORCE und diversen Bond-Filmen bezeichnen, muss man ihn stilistisch irgendwo in der Schnittmenge von Turkploitation, Philippino-Action und Bollywood einordnen.

Und wenn man sich diesem Wahnsinn, der da über den Bildschirm tobt, öffnet – und ab und zu mal eine Pause macht und eine Kippe raucht, um nicht durchzudrehen –, dann kann man ja kaum anders, als seinen Hut vor so viel Enthusiasmus zu ziehen. Die Schnurrbärte sind meterbreit, teilweise aufgemalt oder angeklebt, und die Frauen tanzen, als hätten sie einen epiletischen Frosch verschluckt. Anonyme Statisten werden im dreistelligen Bereich umgenietet und die pakistanische Pampa mithilfe ebenso vieler Sprengladungen planiert. Die Titeleinblendung erfolgt nach satten 50 Minuten, die man wohl als knackigen Prolog verstehen muss. Zwei Scheichs aus Dubai fungieren als rassistisches Comic Relief, das den Humor diverser Hongkong-Komödie dagegen als feingeistig erscheinen lässt. Der unsterbliche Rushdie hat auch noch diverse Klone am Start, die sich dann aber als maskierte Stand-ins entpuppen, einen grölenden Sicherheitschef, der mich an einen Ghaddafi mit Schnurrbart erinnert hat, und eine Assistentin, deren Blick zielgenau Feinde (= Moslems) von Freunden unterscheidet. Und als Rushdie irgendwann nicht weiter weiß, kidnappt er kurzerhand die Mama der beiden Helden, die er dann dazu zwingen will, sich ein Hörbuch seines ketzerischen Bestsellers anzuhören: Was im Islam als Sünde gilt und demnach die denkbar schwerste Strafe für eine gläubige Mama ist. ist Am Schluss packen unsere Helden tief in die Klamottenkiste und verkleiden sich unter anderem als Batmans, später dann auch als herumziehende Straßenmusiker, komplett mit diesen geilen Gitarren-Keyboards, die auch Modern Talking früher verwendet haben. Der Showdown unterscheidet sich von den vorangegangenen Actionszenen nur darin, dass der Film danach tatsächlich zu Ende ist, wie man die Dramaturgie des Films überhaupt nur mit dem Wort „redundant“ beschreiben kann. Aber  das tatsächliche Finale setzt einem Film, der in sich eine einzige Unglaublichkeit ist, noch einen drauf: Die Helden werden an Kreuze gekettet und fangen daraufhin wie einst Monty Python in THE LIFE OF BRIAN an zu singen. Über ihr Loblied auf Mohammed und Allah geraten sie nicht nur in religiöse Ekstase, sie beschwören auch den Zorn des Allmächtigen höchstpersönlich herauf, der sie mit Blitzeinschlägen erst aus ihrer misslichen Lage befreit und dann in Form schlechter visueller Effekte auf den teuflischen Rushdie niedergeht und ihn in Brand setzt. So, und weil es jetzt von meiner Seite nichts mehr zu sagen gibt, jetzt lasse ich euch mit diesen Informationen genau so allein, wie ich es nach dem Film auch war.

Ich will gar nicht viel sagen: MOONRISE KINGDOM hat mich bei meinem Kinobesuch letzte Woche einfach nur glücklich gemacht. Ein Film, über dessen wunderbaren Gelbstich allein man stundenlang schwadronieren könnte. Der Text, den ich für Hard Sensations geschrieben habe, ist deshalb auch nur einer von vielen, die ich über ihn hätte schreiben können. Ihr findet ihn hier.

splatting image #90

Veröffentlicht: Juni 8, 2012 in Zum Lesen

Nummer 90 der Splatting Image ist ab sofort erhältlich und von mir ist auch mal wieder was drin, nämlich Filmrezensionen zu den Fantasy-Filmfest-Nights-Beiträgen MIENTRAS DUERMES aka SLEEP TIGHT und THE THEATRE BIZARRE. Außerdem mit dabei: Söldner von Simon Frauendorfer, Darren Aronofsky von Marcus Stiglegger, Wakefield Poole von meinen Hard-Sensations-Kollegen Marco Siedelmann und Silvia Szymanski, Ami-Hinterland-Horror von Christian Kessler, Atsushi Yamatoya von Gerd Reda und Einiges mehr. 5 Euro, die gut investiert sind.

Während meine Actionkolumne auf Hard Sensations weiterhin im künstlichen Koma schlummert (sie ist noch nicht tot, versprochen!), arbeite ich hart daran, zum deutschen Direct-to-Video-Monstertrash-Experten zu werden (denn die Konkurrenz schläft nicht). Immer am Puls der Zeit, habe ich mir Fred Olen Rays neuestes Wunderk namens SUPERSHARK angeschaut, das dieser Tage via Sunfilm bei uns auf DVD erscheint. Ob es sich lohnt, den örtlichen MediaMarkt zu stürmen, um dort mit Ehrfurcht gebietendem Bariton nach der Herausgabe Scheibe zu verlangen und die Filiale bei Nichtverfügbarkeit mit den Abertausenden anderen darbenden Monstertrash-Kunden zu verwüsten, könnt ihr hier nachlesen. (Wem das zu aufwendig ist, hier die Kurzantwort: Ja.)