hobby mou … o viasmos! (dimitris voyatzis, griechenland 1986)

Veröffentlicht: Juni 1, 2012 in Film
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Haris Stavropoulos (Dimitris Voyatzis) ist ein obsessiver Serienvergewaltiger und Ladendieb. Kein Tag vergeht, an dem er nicht irgendwelchen Frauen oder auch Schulmädchen nachstellt, sich mit fadenscheinigen Geschichten ihr Vertrauen erschleicht, wie ein Irrer über sie herfällt und sich danach zu Hause verzückt in Allmachtsfantasien suhlt. Eines seiner Opfer, Teresa, die Freundin eines erfolgreichen Popsängers, ist von seiner Vergewaltigung nachhaltig beeindruckt: Sie kann ihren Schänder einfach nicht vergessen, hat sich Hals über Kopf in ihn verliebt …

Zunächst muss ich mich bei allen Griechen entschuldigen: Als sei ihr Heimatland, das als Wiege unserer Zivilisation gilt, mit Homer einen der bedeutendsten Künstler überhaupt und außerdem zahllose weitere große Denker hervorgebracht hat, mit der Springer-Propaganda, der finanziellen Misere und „Vorzeigegriechen“ wie Costa Cordalis, Nana Mouskouri und Vasili Sarikakis nicht schon genug gedemütigt, muss jetzt also auch noch Voyatzis‘ unterirdischer Schmier- und Schmuddelfilm als Beispiel griechischer Filmkunst herhalten. Selbst wenn man ein ausgesprochenes Faible für Schund hat, man als hartgesottener Exploitation- und Trash-Freund auch das Gesamtwerk Bruno Matteis ohne mit der Wimper zu zucken goutiert: Was Voyatzis hier auffährt, schlägt dem Fass den Boden aus. Er selbst spielt den Vergewaltiger als stets verschwitzten, manisch grimassierenden Schmierlappen, der nur von seiner krankhaften Lust am Leben gehalten zu werden scheint, und die irren Fratzen, zu denen sich sein Gesicht nach erfolgreich vollendeter Tat verzerrt, lassen selbst einen bis zur Hutkrempe zugekoksten Kinski noch als lethargischen Stoiker erscheinen. Der Film reiht Stavropoulos‘ Streifzüge ohne nennenswerten Spannungsaufbau aneinander, folgt ihm in geschmacklose Boutiquen, in denen er stets kettenrauchend Hemden und Schlüpfer mitgehen lässt, in von farbenblinden eingerichtete Absteigen und hoffnungslos zugemüllte und ausschließlich mit den hässlichsten Einrichtungsgegenständen bestückte Apartments. Dort trifft er dann auf seine „wunderschönen “ Opfer: käsige Trümmerfrauen mit Vokuhila-Frisuren, Krampfadern und Fettfalten, denen er die grotesken Polyesterblusen vom schwammigen Leib reißt, um sich wie ein epiletischer Bäckermeister an ihren teigigen Brüsten zu vergreifen.

HOBBY MOU … O VIASMOS! – was so viel bedeutet wie „Vergewaltigung ist mein Hobby!“ – zeigt mit sprachlos machender Konsequenz die ganze Hässlichkeit des Durchschnittlichen: Er folgt keiner Ästhetik des Hässlichen, wie es meinetwegen Giovinazzo in COMBAT SHOCK tut, Jim van Bebber in DEADBEAT AT DAWN oder auch Gaspar Noe in SEUL CONTRE TOUS, vielmehr frönt er einer totalen Antiästhetik. Der Film ruft mit seinen deprimierend stilfreien Bildern ein handfestes Ekelgefühl hervor und wenn er auch noch riechen würde, so würde er die Nasen seiner hilflosen Zuschauer wahrscheinlich mit einer Mischung aus kaltem Zigarettenrauch und überfülltem Aschenbecher, altem Schweiß, Käsefüßen, billigem Parfüm, tagelang im Kunstfaserslip gegorenem Altherrensack, Mundgeruch und vollgepissten Unterführungen erfreuen. Man stelle sich einen Film vor, dessen Cast sich ausschließlich aus den abstoßendsten Teilnehmern der (zum Glück der Vergangenheit angehörenden) Mittagstalkshows zusammensetzt und an den scheußlichsten Orten künstlich hochgezogener mediterraner Touri-Nester der Achtziger spielt (Athen sieht hier aus wie ausgeschissen), mit der leidenschaftslosen Mucke talentfreier Coverbands untermalt und einer billigen Videokamera abgelichtet ist, die jede Farbe zu einer schimmlig-grünen Pastellkotze verblassen lässt und jede Veränderung der Lichtverhältnisse mit lustigen Schattenwürfen quittiert, dann hat man eine ungefähre Vorstellung von der „Ästhetik“ von Voyatzis‘ Film. Genau: Würg.

Offensichtlich war das aber die Masche des Filmemachers: Wie einst die großen Exploitationmogule und die findigen Vielfilmer der Sechziger- und Siebzigerjahre übernahm der mittlerweile verstorbene Voyatzis gleich mehrere Funktionen, um seine Ideen zu Film zu machen. Als Produzent/Regisseur/Autor/Schauspieler verfügte er zwar weder über das technische Know-how noch über das schöpferische Talent oder das nötige Geld, aber das hielt ihn nicht davon ab, seine Visionen auf Video zu bannen und diese dann seinen Freunden in Nordgriechenland bei öffentlichen Vorführungen zu präsentieren. HOBBY MOU … O VIASMOS! ist eine von zwei oder drei Produktionen (je nachdem, ob man Wikipedia oder die IMDb um Rat fragt), die auf sein Konto gehen und die sich (angeblich) allesamt um heruntergekommene, am Rand der Gesellschaft stehende, kriminelle und vertierte Protagonisten drehen, die ohne Empathie ihren eigenen Trieben folgen und darüber zugrunde gehen. Das Erstaunliche an diesem Film ist, dass er trotz seines anstößigen Themas und der ohne Zweifel auf den kasseträchtigen Tabubruch hin konstruierten Geschichte fast zahm ist. Splattereffekte sucht man vergebens und die zahlreichen Vergewaltigungen, bei denen alle involvierten Geschlechtsteile schamvoll verhüllt bleiben (zum Glück, möchte ich hinzufügen!), erinnern eher an unentschieden ausgehende Ringkämpfe oder aber die verzweifelten Versuche heftig pubertierender Jungs, ihrer unwilligen Angebeteten einen Kuss abzuringen. Vielleicht ist das sogar das eigentlich Geschmacklose, denn die Taten Stavropoulos‘ zeitigen keinerlei Wirkung bei ihren Opfern, zumindest erfährt man nichts darüber. Die Ausnahme bildet ausgerechnet die flachbrüstige Teresa, bei der die Vergewaltigung sogar Gefühle der Liebe weckt und die deshalb schon kurz nach dem Übergriff einen Bauchtanz in ihrer Diskothek hinlegt (mit übermotivierten Wackelzooms abgelichtet). Auch ihr Freund nimmt es erstaunlich gelassen hin, dass er in ihrem Apartment von einem Vergewaltiger bewusstlos geschlagen wurde und auf ihr Geständnis, sich in den Schänder verliebt zu haben, antwortet er eierlos mit dem Hundert-Drachmen-Satz: „Lass uns Freunde bleiben.“

Ja, auf seine ganz eigene, niederträchtig-unbeholfene Art und Weise ist HOBBY MOU … O VIASMOS! durchaus als Partyfilm zu bezeichnen – auch wenn der Kater am nächsten Morgen ganz hartes Brot sein dürfte. Die mit versteckter Kamera gefilmte Szene, in der der eklige Stavropoulos ganz Stalker-like am Strand herumtänzelt, sich potenziellen Opfern nähert und seinen in eine viel zu enge Badehose gequetschten Prachtleib in Pose wirft, ist schon ziemlich weit draußen. Und auch die englischen Fan-Untertitel, die die Unzulänglichkeiten des Films treffend kommentieren, haben dazu beigetragen, dass ich HOBBY MOU … O VIASMOS! ohne Folgeschäden überstanden habe. Fast wie Stavropuoulos‘ Vergewaltigungsopfer bin ich also weitesgehend schmerzfrei durchgefickt worden. Nur diesen ekligen Geruch habe ich noch in der Nase …

Kommentare
  1. […] auch – ich hatte die wahl zwischen telefonat mit meiner besten freundin und einem film, der rape is my hobby heißt… einen ersten türkischen film habe ich nicht wach überstanden. israel und iran sind […]

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