3 dev adam (t. fikret uçak, türkei 1973)

Veröffentlicht: Juni 2, 2012 in Film
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Der böse Gangster Spider macht mit seiner Spider (Murphy?) Gang die Türkei unsicher. Weil man sich dort nicht zu helfen weiß, holt man sich die Besten der Besten aus den USA: Captain America (Aytekin Akkaya), der zum Glück ausgezeichnet Türkisch spricht, seinen Kumpel Santo (Deniz Erkanat) und ihre schöne Assistentin. Messerscharf haben sie die kriminelle Methode des in ein grünrotes Spiderman-Ganzkörperkondom gehüllten Superverbrechers analysiert: Er klaut wertvolle kulturelle Artefakte (= hässliche Nippesfiguren), die angeblich „hunderttausend“ wert sein sollen, verramscht sie für wenig Geld an amerikanische Artefakthändler und kauft sie dann für große Falschgeldbeträge zurück. Was sich selbst für Menschen mit nur geringem kaufmännischen Talent nach einem doppelten Verlustgeschäft anhört – wertvolle Gegenstände unter Wert verkaufen und dann aufwendig produziertes Falschgeld verschleudern, um sie sich wieder zurückzuholen? –, muss in einer Welt, in der solche Dialoge gesprochen werden, als Supercoup gelten: Kommissar Orhan zu Captain America: „Why are you wearing masks and costumes during work?“ Captain America: „Spider is a child minded lunatic. When he sees someone wearing a mask, he wants to destroy them. My costume is bulletproof.“ Kommissar: „I see.“ Ach so, na dann.

Die Hatz auf den Schurken läuft dann ab wie ein Bond-Film ohne Schauwerte: Die Helden sind anscheinend fest davon überzeugt, dass das Verfolgen rätselhafter Hinweise und die damit verbundenen Schauplatzwechsel, das fleißige Ausspionieren von angeblich Verdächtigen und manische Durchwühlen irgendwelcher Schubladen einer streng kriminalistischen Logik folgt, aber der Zuschauer hat spätestens nach 20 Minuten komplett die Orientierung verloren: Da ist immer die Rede von einer Yacht, die der Spider Gang als Basis dient, aber im ganzen Film ist kein einziges Schiff zu sehen. Da präsentiert Santo immer wieder stolz gefundene Papierfetzen, die irgendwas beweisen sollen, ohne das man erfährt, was. Da stellt sich plötzlich heraus, dass die Bösen auch irgendwie in einem Stripclub drinhängen, und schon wird flugs die schöne Assistentin dort eingeschleust, um etwas herauszufinden, was doch eigentlich eh keinen interessiert. Denn wenn man ehrlich ist, sind Captain America und Santo als knallhart ermittelnde und kombinierende Kriminalisten vollkommen unterbelichtet. Es ist ihr Glück, dass auch der supergerissene Spider, dem die buschigen Augenbrauen aus den Gucklöchern wachsen, nicht gerade eine Low-Profile-Strategie verfolgt: So wird das lästige Verfolgen von Spuren immer wieder von kräftigen Balgereien unterbrochen, bei denen der Captain und Santo dann ganz in ihrem Element sind. 3 DEV ADAM verliert sich zum Schluss endgültig in einer Folge wilder Prügeleien, während derer sich herausstellt, dass Spider offensichtlich mehrere Doppelgänger hat oder aber magisch begabt ist. Nachdem die Helden ihn ca. fünf Mal gekillt haben ist er dann aber tatsächlich hinüber.

Ein bisschen enttäuscht war ich schon von diesem Film. Ein charismatischer Szenenfresser wie Cüneyt Arkin fehlt an allen Ecken und Enden und das einzige, was wirklich komplett durchgeknallt ist an 3 DEV ADAM ist sein Mangel an Wahnsinn. Das muss man auch erst einmal hinbekommen: Einen Film zu drehen, in dem Captain America und Santo auf Geheiß der türkischen Polizei in die Türkei kommen, um das Criminal Mastermind Spiderman dingfest zu machen, und das als beinahe bodenständigen Krimi anzulegen. Während andere Türkploitation-Vertreter regelmäßig das Raum-Zeit-Kontinuum ins Wanken bringen, eine Gefahr für den fragilen menschlichen Verstand bedeuten und ihre Zuschauer an existenzielle Grenzen und darüber hinaus führen, da bleibt dieser hier trotz seiner Anlage merkwürdigerweise krampfhaft auf dem Teppich. Klar, wenn ein Verräter vom Spiderman einer Rattenfolter unterzogen wird, statt der fiesen Nager aber possierliche Meerschweinchen zum Einsatz kommen, ist das schon ziemlich einmalig. Aber es ist eben nur ein Moment in einem Film, der einige mehr davon vertragen hätte.

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