international gorillay (jan mohammed, pakistan 1990)

Veröffentlicht: Juni 17, 2012 in Film
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Der Bestsellerautor Salman Rushdie (Afzaal Ahmad)  ist die Speerspitze eines internationalen Krieges der Ungläubigen gegen den Islam, außerdem mit dem Teufel im Bunde und noch dazu unsterblich, weil er bereits so viele tapfere Moslems ermordet hat. Die „Festung des Islam“, Pakistan, sendet vier Superkrieger, die Rushdie auf seiner von zahlreichen Soldaten bewachten Insel ausfindig machen und umbringen sollen: die beiden Brüder Ghulam (Ghulam Mohiuddin) und Javed (Javed Sheikh), ihren Onkel Mustafa (Mustafa Kureishi) und die Schöne Shagutta (Neeli) …

Diese Geschichte habe ich mir mitnichten bloß ausgedacht, weil mir keine Untertitel zur Verfügung standen: Jedes Wort, das da oben steht, ist wahr und INTERNATIONAL GORILLAY gibt es wirklich. Er dauert 166 Minuten und sein Regisseur Mohammed verrührt zahlreiche chaotisch-wüste Actionszenen, hysterische Gesangs- und Tanzeinlagen sowie plump-infantilen Slapstick zu einem Eintopf, der in Verbindung mit dem zentnerschweren Pathos und der mit grober Kelle verabreichten Ideologie für heftigen Schluckauf und einige Verdauungsbeschwerden sorgt. Wahrscheinlich sollte man das alles nicht allzu ernst nehmen: Die Hetze des Films spielt sich auf einem intellektuellen Niveau ab, das mit „unter der Gürtellinie“ nur sehr unzureichend beschrieben ist. Trotzdem ist der unverbrämte Hass, der hier über eine real existierende Person ausgeschüttet wird, eigentlich nicht zum Lachen. Auch dann nicht, wenn man einräumt, dass der Salman Rushide des Films mit der realen Person nicht allzu viel gemein hat. Henryk M. Broder sollte INTERNATIONAL GORILLAY jedenfalls besser nicht zu Gesicht bekommen, er fühlte sich in seiner Meinung über den Islam wahrscheinlich (mal wieder) in jeder Silbe bestätigt. Aber es ist fraglich, ob ein Normalsterblicher diese Wundertüte der Cinematographie überhaupt über die ersten zehn Minuten hinaus aushalten würde: Auf den Betrachter prasselt ein Hagel an unmotivierten Strobo-Zooms, wüsten Stakkato-Schnitten und krawalligen Tuschs, die das alles musikalisch untermalen und mit der Extraportion Drama aufladen. Dabei ist das hier keine Mülleimer-Produktion wie der zuletzt erlittene Pashto-Film DA KHWAR LASME SPOGMAY, sondern durchaus mit einigen Production Values ausgestattet. Lässt sich INTERNATIONAL GORILLAY inhaltlich als pakistanische Mischung aus DELTA FORCE und diversen Bond-Filmen bezeichnen, muss man ihn stilistisch irgendwo in der Schnittmenge von Turkploitation, Philippino-Action und Bollywood einordnen.

Und wenn man sich diesem Wahnsinn, der da über den Bildschirm tobt, öffnet – und ab und zu mal eine Pause macht und eine Kippe raucht, um nicht durchzudrehen –, dann kann man ja kaum anders, als seinen Hut vor so viel Enthusiasmus zu ziehen. Die Schnurrbärte sind meterbreit, teilweise aufgemalt oder angeklebt, und die Frauen tanzen, als hätten sie einen epiletischen Frosch verschluckt. Anonyme Statisten werden im dreistelligen Bereich umgenietet und die pakistanische Pampa mithilfe ebenso vieler Sprengladungen planiert. Die Titeleinblendung erfolgt nach satten 50 Minuten, die man wohl als knackigen Prolog verstehen muss. Zwei Scheichs aus Dubai fungieren als rassistisches Comic Relief, das den Humor diverser Hongkong-Komödie dagegen als feingeistig erscheinen lässt. Der unsterbliche Rushdie hat auch noch diverse Klone am Start, die sich dann aber als maskierte Stand-ins entpuppen, einen grölenden Sicherheitschef, der mich an einen Ghaddafi mit Schnurrbart erinnert hat, und eine Assistentin, deren Blick zielgenau Feinde (= Moslems) von Freunden unterscheidet. Und als Rushdie irgendwann nicht weiter weiß, kidnappt er kurzerhand die Mama der beiden Helden, die er dann dazu zwingen will, sich ein Hörbuch seines ketzerischen Bestsellers anzuhören: Was im Islam als Sünde gilt und demnach die denkbar schwerste Strafe für eine gläubige Mama ist. ist Am Schluss packen unsere Helden tief in die Klamottenkiste und verkleiden sich unter anderem als Batmans, später dann auch als herumziehende Straßenmusiker, komplett mit diesen geilen Gitarren-Keyboards, die auch Modern Talking früher verwendet haben. Der Showdown unterscheidet sich von den vorangegangenen Actionszenen nur darin, dass der Film danach tatsächlich zu Ende ist, wie man die Dramaturgie des Films überhaupt nur mit dem Wort „redundant“ beschreiben kann. Aber  das tatsächliche Finale setzt einem Film, der in sich eine einzige Unglaublichkeit ist, noch einen drauf: Die Helden werden an Kreuze gekettet und fangen daraufhin wie einst Monty Python in THE LIFE OF BRIAN an zu singen. Über ihr Loblied auf Mohammed und Allah geraten sie nicht nur in religiöse Ekstase, sie beschwören auch den Zorn des Allmächtigen höchstpersönlich herauf, der sie mit Blitzeinschlägen erst aus ihrer misslichen Lage befreit und dann in Form schlechter visueller Effekte auf den teuflischen Rushdie niedergeht und ihn in Brand setzt. So, und weil es jetzt von meiner Seite nichts mehr zu sagen gibt, jetzt lasse ich euch mit diesen Informationen genau so allein, wie ich es nach dem Film auch war.

Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    „er fühlte sich in seiner Zorn Meinung“ – Fehler, oder toller Neologismus: Zornmeinung?
    „Allmöchtigen“:-DDDDDDDDDDDDDDDD
    Der Film hat dich offenbar so fertig gemacht (verständlich, nach deiner Beschreibung;-), dass du so ein paar Tipp-/Flüchtigkeitsfehler gemacht hast – oder eben Neologismen;-)
    Grüße aus Kölle und vielen vielen Dank für die Einladung: so viel Geld und Zeit hätte ich gerne um alle Filme anzugucken, aber Death Race 2000 muss sein, mal gucken wie ich das schaffe. Ich war zwar schon im Filmmuseum, aber noch nicht in deren Kino: wie ist das? Nicht das es unbedingt wichtig wäre bei den Filmen.

    • Oliver sagt:

      Das Kino ist sehr hübsch, hat eine „Veranda“, von der aus man auf das alte Hafenbecken nebenan schauen kann (natürlich nur, wenn die Tür geöffnet ist). Kann man der Seite eigentlich entnehmen, ob sie die Filme als echte Kopien zeigen oder bloß als Beam? Habe noch nicht so genau nachgeschaut.

      Und: Danke für die Korrekturen. Die Fehler sind mir trotz erneutem Lesen nicht aufgefallen.

      • Thomas Hemsley sagt:

        Laut Programm sind die meisten 35mm, nur 2,3 Bluray (Two Lane Blacktop, z.B. – einer der wenigen im Programm, die ich tatsächlich noch nicht gesehen habe. Wäre übrigens toll wenn du eine Sonderausgabe deiner Verfolgungsjagd-„Reihe“ speziell über die gezeigten Filme, außer natürlich Bullitt, den du ja schon „abgehandelt“ hast;-) Ich weiß, ich weiß: ich will immer nur, dass du machst und tust.

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