children of the corn (fritz kiersch, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 8, 2012 in Film
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Weil Burt (Peter Horton) in Nebraska seinen erste Stelle als Arzt antreten soll, fährt er mit seiner Freundin Vicky (Linda Hamilton) in den ländlichen Staat mitten im konservativen Bible Belt. Als sie einen Jungen überfahren und entdecken, dass dem Toten kurz vorher die Kehle aufgeschnitten wurde, machen sie sich auf die Suche nach Hilfe. Das ist schwieriger als gesagt: Der nächste Ort, Gatlin, ist völlig ausgestorben. Was Burt und Vicky nicht ahnen: Gatlin befindet sich in der Hand religiös fanatischer Kinder, deren Gottheit ihnen vor drei Jahren befohlen hat, alle Erwachsenen umzubringen …

Das war meine Erstbegegnung mit dieser King-Verfilmung, die ich bisher aufgrund der durchweg schlechten Rezensionen, die ich von ihr kenne, stets gemieden habe (möglicherweise habe ich eines der Sequels, ich glaube Teil 3 oder 4, gesehen). Und siehe da: CHILDREN OF THE CORN ist keinesfalls so schlecht, wie man so oft lesen muss. Die Verrisse kann ich mir eigentlich sogar nur so erklären, dass Kierschs Film zwischen all den gr0ßbudgetierten Studioproduktionen, die sich des Bestsellerautors in den Achtzigerjahren annahmen, einfach zu sehr den B-Movie-Traditionen verpflichtet war, um wirklich ernst genommen zu werden. Sein Film fühlt sich – nicht untypisch für die Verfilmung einer Kurzgeschichte – eher klein an, erzählt seine Geschichte nur wenig ambitioniert als Abfolge mal mehr, mal weniger spannender Set Pieces, zitiert in seinem Score die Musik berühmterer Werke (etwa THE OMEN und diverser Carpenter-Kompositionen) und mündet schließlich in einen actiongeladenen Showdown, dessen visuellen Effekte wahrscheinlich schon damals als enttäuschend empfunden wurden. Kiersch offenbart kein allzu großes Gespür für das eigentlich Beunruhigende der Geschichte, läuft so aber auch niemals Gefahr, aufgebaute Erwartungen zu enttäuschen, wie das so viele andere getan haben, die sich an King versuchten. Er liefert aber einen durchweg spannenden, unterhaltsamen kleinen Schocker ab, bei dem in kleinen Momenten angedeutet wird, was in CHILDREN OF THE CORN auf dem Spiel steht : jene Szenen, in denen Burt und Vicky, gelangweilt von der Einöde Nebraskas, das Autoradio anstellen und sofort auf die Hasspredigten fundamentaler Christen stoßen, die dann Widerhall in den Worten Isaacs (John Franklin), des Anführers der Kinder, finden. Die metaphysische Präsenz von „He who walks behind the rows“ – dem Gott aus dem Maisfeld, den die Kinder anbeten – schwächt den religionskritischen Tenor der Geschichte leider etwas ab: Es spricht viel dafür, dass die allesamt nach biblischen Figuren benannten Kinder vor allem durch das intolerante, verblendete religiöse Geschwätz der Eltern zu den kleinen Teufeln geworden sind, als die sie sich dann entpuppen (keine Ahnung wie King die beiden Elemente miteinander verbindet). Kein Wunder, dass sie die liberalen Protagonisten als Gefahr und Todfeinde betrachten müssen – und Burt ihnen mit der Pose des modernen Aufklärers gegenübertritt:“Any religion without compassion and love is false. It’s a lie!“ (Ein typisches Element des King’schen Schaffens: Man denke nur an den vor ein paar Jahren gelaufenen THE MIST.)

Mir hat CHILDREN OF THE CORN also sehr gut gefallen und die Abstriche, die man machen muss, fielen für mich nicht sonderlich ins Gewicht. Fakt ist aber, dass man aus der Geschichte sicherlich noch mehr hätte machen können. Dass Kiersch sie nicht in den Sand gesetzt hat, ist aber eine Leistung die man honorieren muss, vor allem wenn man bedenkt, was andere, bessere Filmemacher mit deutlich mehr Möglichkeiten aus Kings Vorlagen gemacht haben. Kiersch fängt die schier endlose Ödnis Nebraskas in tollen Bildern ein, die nachvollziehbar machen, warum das fundamentale Christentum hier Fuß fassen konnte, und gruppiert seine fanatischen Kinder um die brillant besetzten Isaac – Darsteller John Franklin war schon über 20, sieht aber viel jünger aus und es ist diese alterslose Weisheit, die seine Figur so eindrucksvoll macht – und seinen henchman Malachai (Courtney Gains): Was potenziell lächerlich hätte werden können, ist so einer jener Aspekte, die dem Film zu seinem Erfolg verhelfen. Fein.

Kommentare
  1. Thies sagt:

    „Children of the corn“ gehört auch noch zu den Leerstellen in meiner King-Filmographie. Als er rauskam war ich zu jung um ihn sehen zu können und später hatten mich ebenfalls die schlechten Kritiken davon abgehalten dies nachzuholen – wenn ich mich recht erinnere hatte sich sogar King selbst in „Danse Macabre“ über den Film ein wenig ustig gemacht.

    Wenn ich mich nicht irre, war die Gemeinschaft in Kings Geschichte eher heidnisch als christlich. „Der hinter den Reihen wandelt“ wurde auf jeden Fall als obere Gottheit genannt. Das Motiv des bibeltreuen Fanatikers taucht dafür noch öfter in Kings Werk auf. In „The Dead Zone“ ist die Mutter des Protagonisten so verblendet, dass sie beinahe ihre gesammten Ersparnisse einem Prediger übergibt, der ihr dafür den sofortigen Einzug ins Himmelreich verspricht. Und in „The Mist“ wirkt die Fanatikerin sogar noch bedrohlicher als die im Nebel lauernden Monster.

    Woher diese offensichtlich tief sitzende Abneigung gegen Auswüchse des Glaubens stammt, kann man als Leser nur spekulieren, denn selbst in seiner Beinahe-Biographie „On Writing“ gibt er nur gestreute Hinweise auf seine Kindheit. Wenn man aber seine detailiertden Schilderungen der fiktiven Handlungsorte Castle Rock oder Derry zugrunde legt, dann müssten derartige Prediger zu seinem täglichen Umfeld gehört haben. Das Grauen hat bei King fast immer zuerst einen menschlichen Ursprung, bevor er sich auf übernatürliche Art manifestiert.

    • Oliver sagt:

      „Carrie“ fällt natürlich noch ein als Beispiel für die Auswirkungen repressiver christlicher Ideologie.

      Auch in der Verfilmung von COTC lässt sich die Religion der Kinder als „heidnisch“ bezeichnen, wenngleich sie auf deutlich christliche Versatzstücke zurückgreift: Das Kreuz spielt eine wichtige Rolle, Isaac ist der menschliche Prophet, der das Wort dessen „der hinter den Reihen wandelt“ an die Gläubigen weitergibt …

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