colombiana (olivier megaton, usa/frankreich 2011)

Veröffentlicht: Juli 16, 2012 in Film
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Die neunjährige Cataleya muss mitansehen, wie ihre Eltern von den Schergen des Gangsterbosses Don Luis (Beto Benites) umgebracht werden. Ihr gelingt die Flucht in die USA zu ihrem Onkel Emilio (Cliff Curtis), dem sie ihren Lebenswunsch offenbart: Sie will Profikillerin werden, um den Tod ihrer Eltern zu rächen. 15 Jahre später ist die schöne Cataleya (Zoe Saldana) nicht mehr weit von ihrem Ziel entfernt, da bringt ein Foto auf dem Smartphone ihres Liebhabers Danny (Michael Vartan) ihre Tarnung in Gefahr …

COLOMBIANA erzählt die schon etwas abgegriffene Geschichte des trauernden Profikillers, der sich in der Rache verliert, anstatt durch sie befreit zu werden. Cataleyas Schicksal ist in dem Moment besiegelt, in dem ihre Eltern tot sind und sie blitzschnell eine Entscheidung treffen muss: nämlich die, am Leben zu bleiben. Schon kurz nachdem sie den Mördern bei einer atemberaubenden Verfolgungsjagd durch die Gassen Bogotás entkommen ist, ist sie ein anderer Mensch, getrieben nur noch von der Idee, die Menschen zu finden, zu stellen und umzubringen, die auch ihr Leben zerstört haben. Doch je weiter Cataleya geht, umso klarer wird natürlich, dass ihr Weg kein Ende haben wird – und eine Rückkehr ist ebenso unmöglich. In der Beziehung zu Danny ist sie kaum mehr als ein verführerischer Schatten ohne Vergangenheit. Sie kann ihre Geheimnisse nicht nur deshalb nicht teilen, weil sie ihre Tarnung riskieren würde, sondern vor allem, weil sie selbst weiß, dass es weder Verständnis noch Vergebung für ihre Taten geben kann.

Was leicht zum kitschigen Langweiler hätte geraten können, ist dank der Kombination von Produzent und Autor Luc Besson und Regisseur Olivier Megaton ein supercrispes, stilvolles und packendes Actiondrama geworden, dessen Bildern man sich nur schwerlich entziehen kann. Allein die katzenhafte Zoe Saldana zieht die Blicke an sich, egal ob sie nun in Catsuit und Stealth-Modus durch schattige Gänge schleicht, im Nahkampf mit eisiger Präzision und Entschlossenheit zu Werke geht oder Bad Guys mit massiver Firepower niedermäht. Der zum Klischee geronnene innere Konflikt des mordenden Antihelden wird dank ihrer dunklen Augen, die gleichermaßen eiskalt wie tieftraurig wirken, und ihrer ebenmäßigen, aber scharfkantigen Gesichtszüge wirklich greifbar und Megaton wirft sein ganzes kompositorisches Geschick in die Wagschale, um ihr mit COLOMBIANA ein Denkmal zu setzen. Alles hier ist reines Bild, deshalb lässt sich über manche Trägheit des Plots leicht hinwegsehen. COLOMBIANA ist vor allem ein Film undurchdringlicher, trauriger Gesichter: Jeder hier hat seine Last zu tragen und ein Lächeln kostet körperliche Anstrengung. Es ist eine Welt, in der der Augenblick die Kraft eines ganzen Lebens bündeln kann, das verlangt unvorstellbare Kraft und übermenschliche Leidesnfähigkeit. In 40 Sekunden muss alles gesagt werden können: die Zeit, die der CIA braucht, um einen Anrufer zu orten. Auf das „Ich liebe dich“ folgt unmittelbar das „Lebewohl“. Dazwischen gibt es nichts.

Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    krankheitsbedingt hab ich dich in den letzten wochen leider nicht so oft lesen können, aber die kritiken seit thor sind auf jeden fall vom feinsten: seltsamerweise hatte ich noch keinen der filme gesehen, und wenn sie nicht eh schon auf meinem radar gewesen wären, sind sie es spätestens jetzt: keiner schreibt über actionfilme (im weitesten sinne) wie du (ich hoffe, du weißt, dass ich dich damit nicht auf action reduzieren will)! gerade diese kritik und die zu captain america haben es mir angetan. bei der kritik von thor komm ich nicht darüber hinweg, dass du deine thor-affinität rechtfertigen musst: ich war nie der große thor-leser, aber, hallo: jack kirby at his best! leuten, die an thor (den comics) das zu bemängeln haben, was du aufzählst (pathos, dialoge etc.) sollte das lesen von comics verboten werden:-) anyway, lange rede gar kein sinn: it´s good to be back. wie geht´s dir so?

    • Oliver sagt:

      Schön dich wieder zu lesen, Thomas! Hatte schon die Befürchtung, ich könnte dich mit der Actionfilmlosigkeit der letzten Wochen vergrault haben. Ich hoffe, du bist wieder auf dem Damm und es war nichts allzu Schlimmes.

      Danke für das Lob, bei dem ich wie immer etwas rot ums Näschen werde. Habe auch wieder Lust bekommen, ein paar der neueren Actionfilme nachzuholen. Mal sehen, was da kommt.

      Zu THOR: Ach, so sehr rechtfertige ich mich ja nicht. Es ist aber nunmal so, dass Thor einer jener klassischen Marvelhelden ist, die wohl einen speziellen Geschmack erfordern, der derzeit nicht so sehr kultiviert wird. Selbst auf Comicnerd-Seiten ist Thor immer Zielscheibe des Spottes. Ich mag die Figur ja gerade deshalb, weil sie so heraussticht. Sowohl aus dem Marvelangebot als auch innerhalb der Comics. Deswegen hatte ich mich auch so lang um den Film herumgedrückt: Im Ultimate-Universum hat man diese „peinlichen“ Spitzen weitestgehend abgeschliffen, um einen „coolen“ Thor möglich zu machen, den ich definitiv nicht sehen will. Thor ist m. E. am schwierigsten auf die Leinwand zu bringen, ohne ihn im Update-Wahn entweder total zu verhunzen oder aber ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Aber Branaghs Thor ist ein Kompromiss zwischen Vorlagentreue und Modernisierung (keine „thous“ und „thys“) gelungen, mit dem ich sehr gut leben kann.

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