fantastic four (tim story, usa/deutschland 2005)

Veröffentlicht: Juli 18, 2012 in Film
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Der Wissenschaftler Dr. Reed Richards (Ioan Gruffudd), sein Assistent Ben Grimm (Michael Chiklis), Reeds Ex-Freundin Sue Storm (Jessica Alba) und ihr Bruder Johnny (Chris Evans) begeben sich gemeinsam mit Auftraggeber Victor von Doom (Julian McMahon) – Sues neuem Partner und Chef – ins Weltall, um dort Forschungen vorzunehmen. Nachdem sie dort einem kosmischen Sturm und starker Strahlung ausgesetzt worden sind, ist ihre DNA irreparabel verändert: Reeds Körper ist elastisch wie Gummi, Sue kann sich unsichtbar machen, Johnny verwandelt sich in einen menschlichen Feuerball und Ben hat einen Körper aus Stein. Während sie versuchen, ihren Fähigkeiten auf den Grund zu gehen, sieht von Doom, dessen Haut langsam eine metallene Konsistenz annimmt, eine Chance, seine neuen Talente zur Machtvergrößerung zu nutzen. Dabei sind ihm die „Fantastischen Vier“ natürlich im Weg …

Die Geschichte hat das Urteil über diese Inkarnation der Fantastischen Vier bereits gesprochen: Nachdem weder dieser Film noch die Fortsetzung bei Publikum und Kritik besonderen Eindruck machen konnten, ist bereits ein Reboot in Planung. Der Fairness halber muss man sagen, dass FANTASTIC FOUR nicht die Katastrophe ist, die viele vergrätzte Nerds in ihr sehen wollen, sondern lediglich eine ziemlich seelenlose, wenig einfallsreiche oder gar kreative Verfilmung eines Comics, das ein sensibleres Händchen als das von Regisseur Tim Story gebraucht hätte – und ein deutlich besseres Drehbuch. Dass FANTASTIC FOUR fast ein Kinderfilm geworden ist, istdabei gar nicht das Problem: Die Fantastischen Vier eignen sich ganz sicherlich nicht für ein düsteres Update im Stile von Batman oder eine humorvolle Postmodernisierung. Die Comics stammen aus einer sehr unschuldigen Zeit und die Wissenschaftlerfamilie um Reed Richards hatte daher immer etwas Betuliches; sie waren immer quasi die soapopereske Variante ihrer actionlastigeren Marvel-Kollegen. Doch weil sie eben so fest in den Sechzigerjahren und dem so genannten Silver Age verwurzelt sind, wäre ein nostalgischer Ansatz – wie etwa bei Johnstons CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER – sicherlich die Ideallösung gewesen. Ein in ihrer Zeit angesiedelter Film, ein Superhelden-Period-Piece (wie es Vaughn mit X-MEN: FIRST CLASS versucht hat), das wäre es gewesen.

Dafür hätte es natürlich eines längeren Atems bedurft, einer gewissen Risikofreudigkeit, wahrscheinlich eines höheren Budgets und ein paar Gedanken darüber, was die Fantastischen Vier als Comicserie überhaupt auszeichnet. Zu viel Arbeit für jemanden, der bloß an Rendite interessiert ist. FANTASTIC FOUR ist flüchtig, mit knapp 95 Minuten Laufzeit geradezu kurz und stets bedacht darauf, seinen Zuschauern bloß nicht zu viel abzuverlangen. Die inneren Konflikte der Protagonisten werden in durchsichtigen Onelinern adressiert, die Bezug auf ihre neuen Fähigkeiten nehmen, vom Soundtrack blubbern eindimensionale Popsongs, die 2005 wahrscheinlich der heißeste Scheiß waren, schon sieben Jahre später aber furchtbar dated wirken, jede Szene ist mit Werbung und Product Placements zugepflastert und nichts, aber auch gar nichts bleibt über den Film hinaus hängen. Das kann man schon an der Besetzung festmachen, die sicherlich nicht schlecht ist, aber die Figuren auf optische Reize reduziert – Gruffudd ist etwas blass, Alba ist hübsch, Evans der jugendliche Heißsporn, Chiklis dick und kernig, McMahon eben der Schmierlappen aus NIP/TUCK. Es gibt keine einzige Szene, in der diese Darsteller wirklich etwas zu leisten hätten, keine Differenzierungen, nichts. Es ist zum einen den Effekten zu verdanken, dass das Interesse nicht völlig versiegt, zum anderen dieser stromlinienförmigen Kurzweiligkeit. Man hat einfach nicht viel Zeit, sich zu langweilen. Wenn das der Anspruch ist, dann ist FANTASTIC FOUR schon ganz ok: das filmische Äquivalent zur Fahrstuhlmusik halt. Wem das Comic etwas bedeutet oder wer von Film mehr als bloße Berieselung erwartet, dem dürfte das aber deutlich zu wenig sein.

Kommentare
  1. Schlombie sagt:

    Den Film in den 60er Jahren spielen lassen klingt wirklich nach einer verdammt guten Idee, zumal es der einzige Weg wäre den Stoff überhaupt für ein Publikum reizvoll zu machen, welches das 16. Lebensjahr bereits überschritten hat. So wie abgeliefert schaute sich „Fantastic Four“ eher wie eine dieser typischen, kaum zu ertragenden Disney-Produktionen, die dann am Wochenende im TV im Nachmittagsprogramm landen.

  2. Hat Constantin denn weiter die Rechte? Würd ja gern mal die 95er Fassung sehen. Die wurde ja wirklich nur zur Aufrechterhaltung der Lizenz gedreht und dann in den Giftschrank gepackt. Ich hab neulich auch einen kurzen Text zur 05er Verfilmung geschrieben und bin tatsächlich zu der Erkenntnis gelangt, daß ich mich in dieser aufgeräumten Welt, so banal sie vielleicht ist, doch wesentlich wohler fühle als bei den hochgelobten X-Men.

    • Oliver sagt:

      Mit den X-Men-FIlmen habe ich auch meine Probleme. Mir sind die zu gezwungen auf Relevanz getrimmt, zu monochrom in ihrer Farbpalette. Das ist nicht das, was ich von Comics und Comicverfilmungen will. Die FANTASTIC FOUR-Filme haben für sich, dass sie so angenehm leicht, flüchtig und harmlos sind. Allerdings geht mir das schon wieder zu weit ins andere Extrem: zu flach, zu blöd, zu witzig. Es riecht einfach sehr streng nach Zielgruppenanalyse. Deshalb ist mein Wohlwollen, das ich für Teil 1 noch hatte, beim Sequel schnell verflogen. Die Protagonisten sind einfach nicht zum Aushalten. Den Corman-Film aus den Neunzigern habe ich auf der Festplatte liegen, vielleicht schiebe ich ihn noch nach, da ich auch sehr gespannt auf ihn bin. Wenn du ein bisschen suchst, findest du ihn vielleicht. 😉

      Ob Constantin noch involviert ist, weiß ich nicht. AUf jeden Fall ist die Fox noch am Start. Und Regie soll Josh Trank (CHRONICLE) führen.

      • Bei den X-Man habe ich einfach Schwierigkeiten mit der Herangehensweise. Diese ganze Welt scheint sich dem Nicht-Kenner zu verschließen, dadurch, daß man von Außen dazustößt und aber nicht die Verhältnisse im Einzelnen kennenlernt. Da hat es Fantastic Four mit der Entwicklung von Innen heraus deutlich einfacher. Ich hab mich dennoch durch die ersten drei X-Teile gerobbt und war dann irgendwann enttäuscht, wie man alles mögliche verarbeitet hat, am Ende aber die wirklich interessanten politischen Fragen dieser Welt viel zu sehr außen vor gelassen hat. Ähnlich gings mir auch bei True Blood übrigens. Da werden schwerwiegende Konflikte angerissen, aber so richtig durchdacht werden sie nicht.

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