fantastic four: rise of the silver surfer (tim story, usa/deutschland 2007)

Veröffentlicht: Juli 19, 2012 in Film
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Reed Richards (Ioan Gruffudd) und Sue Storm (Jessica Alba) stecken mitten in ihrer Hochzeit, da droht der Weltuntergang: Als Vorhut des Weltenvernichters Galactus hat dessen unfreiwilliger Helfer, der Silver Surfer, sich die Erde als nächstes Ziel ausgeguckt. Es bleibt den Fantastischen Vier nicht viel Zeit, die Welt zu retten und damit das gelingt, müssen sie sogar mit ihrem Erzfeind Victor von Doom (Julian McMahon) kooperieren. Doch der interessiert sich eigentlich nur für das Surfbrett des Außerirdischen, das die Quelle seiner Macht zu sein scheint …

Ein Bekannter hat mir vorgeworfen, in meiner Kritik zu FANTASTIC FOUR zu freundlich gewesen zu sein: Er hat sicherlich Recht, denn Tim Storys Superheldenfilm repräsentiert all das in Reinkultur, was am großen Hollywood-Eventfilm so hassenswert ist. Film selbst, so scheint es, verkommt hier zum Mittel zu dem einzigen Zweck, möglichst viel Geld zu verdienen. Ein Film, der viel Geld einspielt, ist automatisch ein guter Film. Weil die Filmproduktion aber immer teurer wird, muss das Risiko minimiert werden, Geld zu verlieren. Das spricht gegen originelle Ideen, gegen Anspruch und Intelligenz und für Franchisebildung, Cross Promotion und runtergedummte Plots, die eben möglichst viele Menschen ansprechen sollen. FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER ist nach dem Vorgänger auch nur der nächste logische Schritt. Alles ist ein bisschen größer, der Film ist noch schneller und flacher (u. a. weil man die Charaktere nicht mehr erst einführen muss), der Humor noch platter, die Product Placements noch dreister und mit dem Silver Surfer wird ein möglicher Spin-off-Kandidat vorgestellt und auf Markttauglichkeit getestet. Meine Geduld war dann auch irgendwann erschöpft, nachdem der erste Teil noch von meiner Altersmilde profitiert hatte. Die vier Protagonisten sind unerträglich eindimensionale Dummbeutel, Johnny Storm, die menschliche Fackel, gar ein hedonistischer, eitler Geck, dem man einen aggressiven Herpes ans selbstverliebt grinsende Maul wünscht, aber ganz bestimmt keine Superheldenfähigkeiten. Die Liebesgeschichte zwischen Reed und Sue dient allerhöchstens dazu, Vorurteile gegen traditionelle Beziehungsmodelle zu bestätigen und das Ding – dessen Umsetzung mittels eines altmodischen Rubber Suits ich eigentlich ganz niedlich finde – ist kaum mehr als Quelle unzähliger Zoten. Am ärgerlichsten ist ganz sicher, wie offensiv der Film den Zuschauern seinen Produktcharakter vor die Füße rotzt: Er macht gar keinen Hehl mehr daraus, dass er kaum mehr als eine Werbefläche ist. Als Johnny die neuen, über und über mit Sponsorenlogos versehen Heldenkostüme vorstellt und Reed entsetzt abwinkt, fragt Johnny nur schnippisch: „What have you got against capitalism?“ Dieser „Gag“ ist auf so viele verschiedene Arten und Weisen verkommen, dass mir eigentlich nix mehr dazu einfällt. Wenn Produzenten über ihre mangelnde Integrität, die sie dazu bringt, dem Publikum Geld für längere Werbespots aus der Tasche zu ziehen, nun auch noch offen Witzchen machen können, ihren Zuschauern also auch noch ihre Frechheit unter die Nase reiben, nachdem sie sie betrogen haben, dann ist zweifellos eine Geschmacksgrenze überschritten.

Das ist aber nicht alles, was FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER zum Ärgernis macht: Denn in der Darstellung des Silver Surfers sieht man, wie leichtfertig hier Talent verschleudert wurde. Den melancholischen Surfer, wahrscheinlich eine der poetischsten Comicschöpfungen der langen Superheldengeschichte, vom Comic auf die Leinwand zu bringen, ohne sich dabei völlig zu verheben, dürfte nämlich eine der schwierigeren Aufgaben sein, die man sich in Sachen Comicverfilmung vornehmen kann. Angesichts der Lieb- und Gedankenlosigkeit, mit der man sich der Fantastischen Vier angenommen hat, war das Fiasko eigentlich vorprogrammiert. Doch immer wenn der Silver Surfer seine Bahnen durch den Film zieht, spürt man förmlich, wie sich das Herz in der Brust hebt, wie die bleischwere Seelenlosigkeit auf einmal von Bedeutung, Poesie und Emotion durchbrochen wird. Diese Figur ist so stark, nicht einmal das dümmliche Püppchengesicht von Jessica Alba kann ihren Eindruck schmälern. Anstatt mich – wie so viele Comicnerds – also über die Eierlosigkeit aufzuregen, die bei der Umsetzung des Weltenzerstörers Galactus ohne Frage an den Tag gelegt wurde (aus dem – filmisch sicherlich schwierig originalgetreu umzusetzenden – Alien mit dem Riesenkopf wurde kurzerhand und wenig einfallsreich eine riesige kosmische Gewitterwolke), freue ich mich lieber über den wunderbaren Silver Surfer, der allerdings damit gestraft ist, in einem Film rumzufliegen, der eine Rettung gar nicht verdient hat. Den Eichingerbernd hat Galactus ja schon aufgefressen, von mir aus kann er sich als nächstes diesen Film einverleiben. Wahrscheinlich hat er aber Angst vor den Blähungen und dem Sodbrennen.

PS: Meine erste Begegnung mit dem Silver Surfer hatte ich in meiner Kindheit, als ich im Nachtprogramm Jim McBrides BREATHLESS, ein loses Remake von Godards À BOUT DE SOUFFLE erwischte: Dessen Protagonist, ein kleiner Ganove namens Jesse (Richard Gere), ist ein großer Verehrer des Surfers und liest an mehreren Stellen des Films aus den Comics vor. Keine große Sache, aber man erhält einen guten Eindruck von der Figur und davon, was für einen fantastischen Film man mit ihr drehen könnte. FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER kratzt noch nicht einmal an diesen Möglichkeiten, hat weniger kosmische Atmosphäre als jene Szene mit Jesse im Comicladen. Hier ist ein Youtube-Clip, in dem die Silver-Surfer-Szenen aus BREATHLESS zusammengefasst werden:

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