resident evil: afterlife (paul w. s. anderson, deutschland/frankreich/usa 2010)

Veröffentlicht: Juli 24, 2012 in Film
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Nach den Ereignissen von RESIDENT EVIL: EXTINCTION begibt sich Alice (Milla Jovovich) nach Alaska: Dort sollte eine vom T-Virus verschont gebliebene Siedlung namens Arcadia den Überlebenden um Claire Redfield (Ali Larter) ein Refugium bieten. Doch Alice findet keine Stadt, nur die verwirrte Claire, die offensichtlich unter dem Einfluss eines merkwürdigen, an ihrer Brust befestigten Apparates steht. Gemeinsam begeben sie sich nach Los Angeles, wo sich eine Gruppe von Menschen vor den Zombiehorden in einem riesigen Gefängniskomplex verschanzt hat. Von ihnen erfahren Alice und Claire dann auch, was es wirklich mit Arcadia auf sich hat: Es ist keine Stadt in Alaska, sondern ein riesiges Frachtschiff, das vor der Westküstenmetropole vor Anker liegt. Doch seit Tagen bleiben die Funksprüche der Arcadia aus …

Wow. Schon unter der Regie von Russell Mulcahy wurde ja ein Quantensprung zu den beiden ersten Teilen der Reihe vollzogen, doch was Paul W. S. Anderson mit dem mittlerweile vierten Eintrag auf die Leinwand zaubert, kann man nur noch als Oper bezeichnen. Die Story um die bösartigen Experimente der Umbrella Corporation und den Kampf der vielseitig begabten Alice tritt noch weiter in den Hintergrund, dient Anderson eigentlich nur noch als Anlass und Ideenlieferant für unglaubliche, visuell aufregende Action-Set-Pieces, die zum einen von seiner meisterlichen Inszenierung des Raumes, zum anderen von seinem fast musikalischen Spiel mit der Zeit, aber auch seinem fetischistischen Blick leben. Es wird viel zerstört, gemordet, geblutet und gestorben in RESIDENT EVIL: AFTERLLIFE, trotzdem wirkt der Film magnetisch, sinnlich, verführerisch, erotisch. Das liegt längst nicht nur an den beiden Amazonen in den Hauptrollen, sondern an dem Erfindungs- und Detailreichtum, den Anderson bei der Ausstattung an den Tag legt – und natürlich der mal hypnotischen, mal treibenden Musik von Tomandandy.

Gleich die Eröffnungsszene illustriert dies: Von oben schwebt die Kamera auf eine belebte Straßenkreuzung mitten in Tokio herab. Es regnet in Strömen, doch zwischen den zahlreichen bunten Regenschirmen, die da über einen Zebrastreifen huschen, steht ein junges Mädchen, vollkommen regungslos. Die Regentropfen perlen von ihrem Gesicht, während die Menschen sich unbemerkt an ihr vorbeidrängeln. Die Musik pulsiert, dehnt die Szene gemeinsam mit Andersons messerscharfer Zeitlupe ins Unendliche. Man wünscht sich fast, dass sie ewig so weitergehe, 90 Minuten lang nur der Regen, die Schirme, das Gesicht unter den schwarzen Haaren, da scheint der Blick des Mädchens von etwas erfasst zu werden. Ein Mann gerät in den Fokus, erwidert ihren Blick. Dann löst sich die Zeitlupe auf, das Mädchen stürzt sich auf den Mann, beißt ihm die Kehle durch. Der T-Virus ist auch in Japan angekommen.

Szenen wie diese gibt es zuhauf in RESIDENT EVIL: AFTERLIFE: den Angriff einer Armee von Alice-Klonen auf den Stützpunkt der Umbrella Corporation, den Absturz eines Flugzeuges, dessen Aufprall in einem märchenhaften dreidimensionalen Freeze Frame festgehalten wird, der Blick auf die qualmende Ruine, die einmal Los Angeles war, schließlich der erbarmungslose Fight gegen einen riesigen Unhold mit Henkersaxt in einem unter Wasser stehenden Duschraum und Alice‘ energische, schießwütige Flucht durch die Zombiehorden. Das Bild hat sich in Paul W. S. Andersons Inszenierung total vom Plot emanzipiert: Zwar gibt es immer noch Dialoge und Exposition, eine „Handlung“, doch ganz zu sich findet RESIDENT EVIL: AFTERLIFE in diesen bildgewaltigen Set Pieces, die mehr über die Welt am Abgrund der Zombieapokalypse, den Kampf der Überlebenden und den nicht verglimmenden Funken Hoffnung erzählen als alles andere. Der Film entwickelt eine Kraft, die ihn von bloß derivativen, letztlich beliebigen Popkulturartefakten unterscheidet: Man hat den Eindruck, etwas Archaischem beizuwohnen, etwas, das so klar und luzide ist, dass es sich vollkommen intuitiv erschließt. Der ganze Film ist wie Sex: flüchtig, leicht und nur wenig greifbar, vor allem, weil am Ende nichts bleibt, was man mitnehmen könnte, gleichzeitig aber größer, bedeutungsvoller, stärker und wichtiger als jede philosophische Abhandlung, weil er uns das Leben in seiner Gänze fühlen lässt. RESIDENT EVIL: AFTERLIFE ist reine, in Bilder gegossene Emotion. Und Anderson hat den direkten Weg vom Auge zum Herzen gefunden.

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