the mechanic (simon west, usa 2011)

Veröffentlicht: Juli 25, 2012 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Als der Profikiller Arthur Bishop (Jason Statham) den Auftrag erhält, seinen väterlichen Freund und Mentor Harry McKenna (Donald Sutherland) umzubringen, fragt er nicht lang nach: Das Geschäft ist hart. Weil er aber dennoch ein schlechtes Gewissen hat, nimmt er Harrys Sohn unter seine Fittiche, den aufmüpfigen Steve (Ben Foster), und führt ihn in die Kunst des Daseins als Auftragsmörder ein. Doch der Zögling hat seine eigenen Vorstellungen von seinem Beruf, die Arthur in Schwierigkeiten bringen. Und dann findet er heraus, dass man ihn über die Gründe für Harrys Ermordung getäuscht hat …

Simon West interpretiert Michael Winners eisiges, misanthropisches Original aus dem Jahr 1972 als verführerischen Hochglanz-Actioner, dessen Protagonisten zwar annähernd die gleiche Geschichte durchleben wie ihre Vorbilder 40 Jahre zuvor, aber dennoch ein ganz anderes Problem haben: Waren Bronsons Bishop und Jan-Michael Vincents Steve zu „kalt“ für die Welt, sind sie in Wests Version eher zu „heiß“. Sie scheitern an ihrer persönlichen, emotionalen Involvierung in ihr Geschäft, das genau das Gegenteil erfordert: Distanz und Indifferenz. Das führt in der Version von 2011 fast zwangsläufig zu einer anderen tonalen Ausrichtung. West umschmeichelt vor allem Stathams Arthur mit einer Bewunderung für dessen coolen Professionalismus und Style, die mit Winners distanziertem, nüchternem Blick nur wenig gemein hat. Damit Arthur und Steve trotz ihres amoralischen Geschäfts noch als Helden durchgehen können, darf an der Verkommenheit ihrer Opfer bei West kein Zweifel bestehen: Auf der Abschussliste stehen Drogenbarone, Waffenhändler, dekadente, verfettete Religionsstifter mit Faible für junge Mädchen und skrupellose Verräter – ganz anders als im Vorgänger, in dem die Vergehen von Arthurs Zielpersonen im Hintergrund blieben, dafür aber die Gefühllosigkeit der Protagonisten überdeutlich zum Vorschein kam.

So mag man in THE MECHANIC 2011 ein wenig die Ambivalenz vermissen, doch dafür liefert West bei der Inszenierung der zahlreichen Actioneinlagen jene Meisterarbeit ab, die man auch von seinem Protagonisten erwarten darf. Minutiös getimt und immer mit dem Blick für das attraktiv schimmernde Detail schlängelt sich THE MECHANIC dem Betrachter entgegen, hypnotisiert ihn mit der Schönheit der Vision totaler Kontrolle über alle Unwägbarkeiten. Kein Vergleich zur der offensiv zur Schau gestellten Klobigkeit von Winners Film, der sich nicht etwa bewegt wie eine gut geölte und gewartete Maschine, sondern wie ein in todesähnlicher Routine erstarrter Profi. Jetzt stellt sich die Frage, was man lieber mag: Winners THE MECHANIC ist vielleicht der nachhaltigere Film, er schockiert mit der äußersten Konsequenz, mit der er seine alles andere als schöne Geschichte erzählt. Sein Film handelt von einem Sterben, das schon vor dem biologischen Tod einsetzt. Er stößt enorm ab, ist wie ein Schlag vor die Stirn. Wests Film scheint mir etwas naiver: Sein Arthur hat das Potenzial, aus seiner Existenz auszubrechen und das gelingt ihm am Ende auch. Er wird wahrscheinlich nie ein Durchschnittsbürger sein können, aber das Morden hat seinen Reiz für ihn wohl endgültig verloren. Er hat sich sein Leben in letzter Sekunde bewahren können. Das ist eine Jungsfantasie, die mit dem Leben und der Welt nicht so viel gemein hat. Aber sie sieht hier verdammt reizvoll aus.

Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Ich mag den Statham,auch wenn die meisten seiner Filme mich nicht so interessieren.
    War aber begeistert als ich hörte,das er Parker spielen soll.
    Für mich ,als Richard Stark Fan,die absolut richtige Wahl.
    Daher konnte ich auch die negativen Reaktionen im Web nicht verstehen.
    Sicher ist es schwer in die Fusstapfen von Lee Marvin,Robert Duval und ja,Mad Mel,zu treten,
    aber ich kann mir Statham als Parker gut vorstellen.
    Er muss allerdings dann auf Roundhouse Kicks und Fancy Guns verzichten.
    Parker ist ja mehr so der Totschläger und Revolver Typ.

    • Oliver sagt:

      Och, in THE MECHANIC ist er gar nicht so fancy, sondern steht eher in der Tadition der unterkühlten europäischen Actionhelden, etwa aus dem Siebzigerjahre-Agenten- und -Polizeifilm.

      ALs Martial Artist tritt er, wenn ich mich recht erinnere, eigentlich nur in den TRANSPORTER-Filmen auf.

  2. Thomas Hemsley sagt:

    Statham ist wohl der auf den sich jeder einigen kann – und Armond ist sein größter Fan;)
    Ich gebe zu, das Original nicht zu kennen, war aber angenehm überrascht über diesen Film (bin eigentlich kein West-Fan). Obwohl er sicherlich nicht so eisig ist wie ein Bronson-Film – Statham ist ja auch nicht ein solcher Stoiker – war er doch recht hsrt und brutal.
    Mir gefällt das Poster, dass du ausgewählt hast – ohne Stathams Visage, hätte es fast schon etwas von einem Saul-Bass-Poster.
    Über deinen Text sag ich mal nix, Oliver, ätsch;-)

  3. Martin Compart sagt:

    Ich bin ein alter Fan des Bronson-Klassikers, den ich damals im Kino gleich mehrmals geguckt habe. Eine gnadenlosere nihilistische Welt habe ich im Film selten gesehen. Bronson war unserer absoluter „Liebling“ des Action-Kinos der 70er (noch vor Eastwood und Delon). Der Winner-Film läuft nächste Woche in irgendeinem 3.Programm, wenn ich´s richtig mitbekommen habe. Leider hat er ja, wie so häufig bei Winner, einige inszenatorische Schwächen. Carlino hatte wohl das Drehbuch zum Roman umgearbeitet (oder war es umgekehrt?). Jedenfalls las er sich so. Das Buch ist seinerzeit in der Thriller-Reihe des Scherz Verlages erschienen.

    Tolle Rezension mal wieder. Für mich sehr erhellend. Ich mag Statham sehr, war aber über das Remake äußerst erbost. Ein alter Sack lässt sich nicht gerne in die Jugenderinnerungen reinpfuschen.
    Und mal ehrlich: Wer könnte schon Charly vergessen machen?
    P.S.: Empfehle auch STONE KILLER (neben vielen anderen Bronson-Klassikern).
    PPS: In Dortmund hing mal ein unvergessliches Billboard, das ging so:
    – Wenn Charles Bronson sagt:
    Spiel mir das Lied vom Tod.
    – Wenn Charles Bronson sagt:
    Ein Mann sieht rot.
    – Wenn Charles Bronson sagt:
    Ein Mann geht über Leichen.

    DANN MEINT CHARLES BRONSON DAS AUCH!

    • Oliver sagt:

      Sehr treffend, das Billboard. Heute hat Chuck Norris den guten Charles abgelöst, was die Zuschreibung übermenschlicher Killerfähigkeiten und die absolute Humorlosigkeit angeht.

      Dein Problem mit dem Remake kann ich durchaus nachvollziehen. Mir hat es diesmal etwas besser gefallen als das Original (Text folgt): Das mag an den von dir angesprochenen inszenatorischen Schwächen liegen (Winner kann Action, verstanden als Bewegung, einfach nicht so gut) oder einfach daran, dass ich am zeitgenössischen Actionfilm derzeit einfach viel Freude habe.

      Den STONE KILLER kenne ich natürlich und habe ihm letztes Jahr auch einen kleinen Text gewidmet:

      https://funkhundd.wordpress.com/2011/10/25/the-stone-killer-michael-winner-usaitalien-1973/

  4. Ghijath Naddaf sagt:

    Ist jetzt zwar etwas vom Thema ab,aber wo wir gerade von den Helden der 70er schwärmen,hier ein zwar sehr ausführliches,aber unbedingt lesenswertes Gespräch zwischen dem „Czar of Noir“Eddie Muller und
    dem grossen William Friedkin.
    Der hat,wenn man den ersten Kritiken zu „Killer Joe“ glauben soll,mit 77 jahren immer noch dickere Eier als
    die meisten wenn nicht alle Jungregisseure.
    Freue mich tierisch auf diesen Film,den Armond sicher hassen wird.

    http://www.fandor.com/blog/the-art-of-filmmaking-william-friedkin/

  5. Thomas Hemsley sagt:

    „Freue mich tierisch auf diesen Film,den Armond sicher hassen wird.“ Was Friedkin allgemein betrifft, könntest du falsch liegen: http://nypress.com/bug-chaser/
    Siehe vor allem die letzten Sätze: „Bug is about the self-immolating fear and hatred that consume some Americans after 9/11. Friedkin offers a thoughtful, conservative balance to the liberal self-contempt in Eli Roth’s Hostel, the film he might have made when he was a naif.“

  6. Ghijath Naddaf sagt:

    Jetzt offiziell.
    Statham ist Parker.Wenn man allerdings den Text so liest,haben die wohl so eine art Robin Hood aus ihm
    gemacht.Wenn das stimmt,ist das sehr ärgerlich.

  7. Ghijath Naddaf sagt:

    Der Trailer.Ouch ! Soll wahrscheinlich eine Verfilmung von Flashfire sein.Leider wurden meine schlimmsten
    Befürchtungen bestätigt.

    http://blogs.indiewire.com/theplaylist/bad-disguises-bad-accent-michael-chiklis-its-the-trailer-for-jason-stathams-parker-20121003

Schreibe eine Antwort zu Ghijath Naddaf Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.