killer elite (gary mckendry, usa/australien 2011)

Veröffentlicht: Juli 27, 2012 in Film
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1980: Nachdem ein Einsatz in Mexiko schiefgelaufen ist, verkündet der SAS-Agent Danny Pryce (Jason Statham) seinen Abschied vom schmutzigen Mordgeschäft. Ein Jahr später wird er reaktiviert, weil sein ehemaliger Partner und bester Freund Hunter (Robert DeNiro) im Oman als Geisel genommen wird. Ein Scheich fordert Vergeltung für den Mord an dreien seiner Söhne durch britische SAS-Agenten während des Krieges vor zehn Jahren. Danny nimmt sich mit seinen Partnern Davies (Dominic Purcell) und Meier (Aden Young) der Sache an, zieht jedoch unweigerlich die Aufmerksamkeit des EX-SAS-Mannes Spike (Clive Owen) auf sich. Der steht mit den „Feathermen“ im Bunde, ehemaligen Geheimdienstleuten, die ihre Spuren verwischt haben und nun wirtschaftliche Interessen verfolgen. Und natürlich haben die ein Interesse an den Vergeltungsmorden, das über Patriotismus und Loyalität zu ihren Landsmännern hinausgeht …

Auch wenn der Titel es nahelegt, handelt es sich bei KILLER ELITE ausnahmsweise nicht um ein des „The“s entledigten Remakes des Peckinpah-Films, sondern um die Verfilmung des Enthüllungsbuches „The Feather Men“ von Ranulph Fiennes, eines SAS-Mannes, der an der verdeckten Operation der Geheimdienstorganisation im Oman beteiligt war. McKendry orientiert sich stark am unterkühlten Agenten- und Geheimdienstfilms der Siebzigerjahre, verwendet viel Energie darauf, das Mordhandwerk seines Figureninventars möglichst unglamourös, die dahinter liegenden Motivationen undurchsichtig zu halten: durchaus mit Erfolg. Wenn man mal davon absieht, dass KILLER ELITE dem Genre inhaltlich absolut nichts hinzuzufügen hat, was man nicht schon vorher wusste – der selbstlose, das körperliche wie das Seelenleben gefährdende Einsatz der Agenten für das „Wohl“ der eigenen Nation wird angesichts der Entbehrungen, die die Männer auf sich nehmen, nicht nur nicht ausreichend entlohnt, oft sind sie Vollstrecker ganz anderer, weitaus weniger altruistischer Interessen –, muss man McKendry bescheinigen, dass er hier sehr überzeugend ein Genre reanimiert, das mittlerweile weitgehend vom mainstreamigen Actionfilm assimiliert und den Ansprüchen eines nur oberflächlichen Thrill suchenden Publikums angepasst worden ist. Ein paar helle, überraschende Momente im wohltuend ernsten No-Nonsense-Thriller gibt es trotzdem – und der etwas durchsichtige Gag, mit den eröffnenden, den historischen Kontext skizzierenden Texteinblendungen zu suggerieren, der Film spiele in unserer Zeit, bevor einen das später eingeblendete Jahr eines Besseren belehrt, gehört definitiv nicht dazu.

Es sind vor allem kleine, pointierte Dialogzeilen, die einen immer wieder aus dem durchaus angenehmen Flow des Bekannten reißen und kurz aufmerken lassen, weil sie die Dinge sehr klar umreißen. Wenn einer der Feathermen sagt „I’ve got no problem with blood. What worries me is ink.“, dann tritt die dahinterliegende Denke, die vor keinem noch so grausamen Verbrechen zurückschreckt, um die eigenen Schweinereien zu vertuschen, glasklar zum Vorschein. Und KILLER ELITE hält anders als seine Genrekollegen noch die Hoffnung wach: Die Gleichsetzung von Tat und Mann, die der Actionfilm gern vornimmt („To survive a war, you gotta become war“, sagt John Rambo etwa), wird hier ausgehebelt, wenn Danny einem Agent, auf die Aussage, er sei nun einmal ein Killer und er könne dem nicht entfliehen, antwortet: „That’s not who I am, that’s what I’ve done. And I can do something else.“ Was wäre, wenn alle Soldaten, alle Söldner, alle Killer sich ihren Auftraggebern verweigerten und Famrer würden, wie es Danny vorhat? KILLER ELITE sagt ziemlich klar, dass es dann keine Kriege mehr gäbe. Auf jedes Attentat folgt ein Vergeltungsschlag, in jedem Krieg gibt es Opfer, die in den Angehörigen den Wunsch nach Vergeltung wecken. McKendry zeigt einen unendlichen Kreislauf des Mordens, der erst endet, wenn einer sich dem Befehl verweigert. Oder sich einfach umdreht und weggeht wie Danny am Ende.

Der Agentenfilm ist eigentlich eine sehr elitäre Angelegenheit: Er handelt von den auch hier adressierten „2 %“, jenen Menschen, die das sehr spezielle Anforderungsprofil der Geheimdienste erfüllen, die mit dem Mordhandwerk umgehen können. Und mit ihrer Arbeit geben sie sowohl ihre bisherige Identität auf als auch die Möglichkeit, ein normales Leben führen zu können. KILLER ELITE erzählt davon, wie die Agenten die Entscheidung fällen, diesem Zugriff der Mächtigen zu entfliehen. Insofern ist er ganz klar von den Demokratisierungsprozessen und den zivilen Prortestbewegungen der letzten Jahre beeinflusst. Das macht ihn noch nicht zu einem bahnbrechenden Film, in der Verbindung dieser beiden Elemente fügt er dem Agentenfilm aber durchaus eine neue Nuance zu. Und gutes, hartes Männerkino, in dem vor allem Clive Owen mit Schnurrbart begeistert, ist er obendrauf.

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