elektra (director’s cut) (rob bowman, kanada/usa 2005)

Veröffentlicht: August 4, 2012 in Film
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Nachdem sie dem Tod – siehe DAREDEVIL – knapp von der Schippe gesprungen ist, hat Elektra (Jennifer Garner) die Laufbahn eines Profikillers eingeschlagen und dabei erstaunliche Erfolge gefeiert. Traumatisiert vom Verlust ihrer Eltern tötet sie gnadenlos und ohne jede Gefühlsregung. Das ändert sich, als sie den Auftrag bekommt, Mark Miller (Goran Visnjic) und seine 13-jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) umzubringen. Als sie sich weigert, den Auftrag auszuführen, tritt „die Hand“ auf den Plan: eine japanische Geheimorganisation, deren Killer über magische Kräfte verfügen. Elektra beschließt, Mark und seine Tochter zu beschützen …

Das Spin-off zum Überrraschungshit DAREDEVIL widmet sich einer Figur, die eher am Rande des Marvel-Universums existiert: Die melancholische Killerin passt nicht wirklich in eine Welt, die sonst von Männern in Strumpfhosen, Außerirdischen, Mutanten und Halbgöttern bevölkert wird. Kein Wunder also, dass auch Rob Bowmans Film nicht allzu viel mit dem „klassischen“ Superheldenfilm gemeinsam hat. ELEKTRA ist ein reinrassiger Action- respektive Martial-Arts-Film mit einigen fantastischen Beigaben und ohne die Anflüge von Epik, die dem Superheldenfilm sonst seinen Ereignischarakrer verleihen und andeuten, dass er immer nur einen Ausschnitt aus einem unendlich großen Ganzen darstellt. ELEKTRA ist 90 knackige Minuten lang, beschränkt seine Origin-Story auf einige kurze Flashbacks, die so umso größere Wirkung entfalten, und erzählt eine Geschichte, die in erster Linie Gelegenheit bietet, das moralische Dilemma seiner Hauptfigur in Bilder zu gießen. Das bringt mich auch zum eigentlichen Punkt, denn ELEKTRA sieht wirklich fantastisch aus (und Elektra natürlich auch, aber dazu später mehr).

Bowmans Film ist überwiegend in edel wirkenden Braun- und Goldtönen gehalten – dann und wann kommt ein stählernes Blaugrau dazu –, das von tiefschwarzen Schatten durchzogen ist, aus denen sich die lautlosen Killer unerwartet herausschälen und in denen sie wieder verschwinden können. Wärme und Kälte stehen noch unversöhnt nebeneinander. ELEKTRA erzählt dann auch davon, wie seine Hauptfigur, eine Person, deren schweres persönliches Schicksal ihr den Glauben an das Gute genommen hat, den Weg ins Licht zurückfindet. Das ist nicht wirklich neu, sondern sogar ein Standard des Killerfilms, aber in der hier dagebotenen Form und im Rahmen der Comicverfilmung durchaus ansehnlich. ELEKTRA beginnt mit einer enorm starken Sequenz: Während Elektra in das Haus einer ihrer Zielpersonen eindringt, sich wie ein Schatten lautlos ihren Weg durch die Leibwächter bahnt und sie ausschaltet, ohne sichtbar zu werden, berichtet das Opfer einer anderen Person von der Unaufhaltsamkeit der Killerin, die ihn mehrfach hat entkommen lassen. Er weiß, was auf ihn zukommt, dass sein Leben ausschließlich von ihrer Gnade abhängt. Schließlich stehen sich die beiden gegenüber. Bowman etabliert Elektra gerade in ihrer schattenhaften Abwesenheit als tragische Figur: Elektra flüchtet vor ihren Ängsten, findet in ihrer Profession die Möglichkeit, förmlich körperlos zu werden. Ihr Zorn wird nicht von ihr verarbeitet, sondern mit eisiger Präzision auf anonyme Zielpersonen umgelenkt, deren Schicksal ihr egal ist und die sie stellvertretend für die Mörder ihrer Eltern richtet. Natürlich findet ein Umdenken erst statt, als sie mit Abby jemandem begegnet, der als Spiegel fungiert.

ELEKTRA ist kein großer Film, krankt ein bisschen an seiner Blutarmut (der farbliche Mangel an Scharlach wird durch Elektras Outfit wettgemacht), erinnert mich aber psoitiv an solche visuell herausragenden B-Movies der Neunzigerjahre wie etwa Christophe Gans‘ CRYING FREEMAN oder J. F. Lawtons THE HUNTED. Filme, die nicht lang irgendeinen nicht vorhandenen inhaltlichen Anspruch vortäuschen mussten und sich ganz darauf beschränkten, ihre düster-moralischen Märchen in ansprechende, griffige Bilder zu gießen. Mit Jennifer Garner verfügt Bowman über eine Darstellerin, die in Zeitlupe (und auch sonst) knackig aussieht und der man die Martial-Arts-Verrenkungen jederzeit abnimmt. Bei der Inszenierung der Actionszenen hat sich Bowman sichtlich vom asiatischen Kino inspirieren lassen (beim Schlussfight mit den wehenden weißen Tüchern etwa): Sie sind nicht bloß Nummern, sondern bilden das Zentrum seines Films, der sonst nicht viele Worte verschwenden muss. So, wie es sein muss.

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