jennifer’s body (karyn kusama, usa 2009)

Veröffentlicht: August 19, 2012 in Film
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Das hässliche Entlein Anita „Needy“ (Amanda Seyfried) und die Sexbombe Jennifer (Megan Fox) bilden ein denkbar ungewöhnliches Paar bester Freundinnen. Die eine ist intelligent und schlagfertig, aber eben eher schüchtern, bereitet sich geduldig auf das erste Mal mit ihrem verständnisvollen Freund Chip (Johnny Simmons) vor, die andere verdreht den Männern gewohnheitsmäßig den Kopf, genießt die sexuelle Macht, die sie hat, und lässt im Bett nichts anbrennen. Nachdem Jennifer aber von einem Schäferstündchen mit den Mitgliedern einer Rockband zurückgekehrt ist, hat ihre letztlich noch harmlose sexuelle Aggression geradezu monströse Züge angenommen. Die Highschool-Jungs sterben wie die Fliegen …

JENNIFER’S BODY ist richtig gut. Und dass ich zu dieser Meinung komme, liegt nicht nur daran, dass ich ihn zuvor als Mainstream-Horrorschrott aus der gehirntoten Kreativabteilung irgendeines Studios abgetan und also gar nichts von ihm erwartet hatte. Nein, mein Urteil darf man ruhig wörtlich nehmen, muss es nicht irgendwie relativieren, so à la „gemessen an den Scheiß, der sonst so in die Kinos schwemmt, ist JENNIFER’S BODY ganz OK“. Drehbuchautorin Diablo Cody, die zuvor schon JUNO gescriptet hatte (den ich mangels Interesse  immer noch nicht gesehen habe), hat eine sehr schöne Vorlage geliefert, die Regisseurin Kusama mit viel Gespür für den lakonischen Humor der Autorin und unter Verzicht auf nervige CGI-Effektorgien inszeniert hat. Ein bisschen erinnert JENNIFER’S BODY an Michael Lehmanns wunderbaren HEATHERS, nur dass die schwarze Komödie hier mit deutlicher Schlagseite Richtung Splatter versehen ist. Wie Lehmann nehmen Cody und Kusama die heuchlerische Political Correctness US-amerikanischer Kleinstadtgemeinden aufs Korn, die ekelhafte Tendenz, Katastrophen und Unglücksfälle zum Anlass für esoterische Selbstfindungsorgien zu nehmen, bei denen sich die Teilnehmer vor allem ihrer eigenen moralischen Integrität versichern. In diesen Szenen zeichnet sich JENNIFER’S BODY nicht nur durch einen Humor aus, der auf unbeschreibliche Art und Weise „off“ ist, er bringt mit seiner Darstellung bürgerlicher Verlogenheit auch ordentlich das Blut zum Kochen.

Eine größere Bedeutung kommt jedoch dem Thema „Sex“ zu: In Gestalt der beiden Protagonistinnen stellen Cody und Kusama auch zwei verschiedene Vorstellungen sexueller Selbstfindung gegenüber – und arbeiten sich so nicht nur an vorherrschenden Schönheitsidealen und der grassierenden Pornografisierung der Gesellschaft ab (womit ich nichts gegen Pornografie gesagt haben möchte), sondern kritisieren letztlich auch das Frauenbild, das das US-amerikanische Mainstreamkino mit seinen makellosen hochgesexten Bimbos installiert hat. Die Besetzung mit Megan Fox als männerfressendem Monster ist natürlich programmatisch und erinnert ein bisschen an die Strategie, die Verhoeven bei seinem Casting von STARSHIP TROOPERS gefahren ist. Die Fox macht das doppelzüngige Spiel bereitwillig mit, wird aber von Amanda Seyfried glatt an die Wand gespielt, die ihr wandelndes Drehbuchklischee Needy in einen Menschen aus Fleisch und Blut verwandelt (der natürlich nicht einmal auch nur annähernd so durchschnittlich aussieht, wie uns der Film glauben machen möchte, aber Schwamm drüber). Was mich davon abhält, JENNIFER’S BODY als richtigen Knaller zu bezeichnen, ist der auch hier zu beobachtende Trend, das für sich sprechende Geschehen irgendwie „erklären“ zu müssen. Die Lösung, die Cody anbietet, wirkt wie aufgepropft und ist genau in dem Maße klischeehaft, die sich ein Film, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Klischees aufzudecken, eigentlich nicht erlauben sollte. Sonst aber gilt wie oben gesagt: guter Film!

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