Archiv für August, 2012

Nach zehn Jahren Haft wird der Fluchtwagenfahrer (Dwayne Johnson) aus der Haft entlassen. Er hat nur ein Ziel: Die Männer zu finden, die ihm und seinen Partnern einst die Beute abgenommen und dabei seinen Bruder erschossen hatten. Während er seine Liste abarbeitet, sind ihm die zwei Cops (Carla Gugino & Billy Bob Thornton) und ein Auftragskiller (Oliver Jackson-Cohen), der aus dem Geschäft aussteigen will, dicht auf den Fersen …

Ein muskulöser, über und über tätowierter Mann tigert nervös in seiner Zelle auf und ab. Endlich wird er von zwei Wärtern abgeholt, bekommt noch einmal Handschellen angelegt. Die klugen Ratschläge des Gefängnisdirektors hört er gar nicht, sie werden übertönt vom Ticken der Uhr. „Haben Sie nich eine Frage?“ „Ja. Wo ist der Ausgang?“ Dieser Mann hat zehn Jahre gesessen und keine Zeit mehr zu verlieren. Kaum schließen sich die Pforten hinter ihm, rennt er los. Sein Ziel: ein Schrottplatz. Schnell findet er den Wagen, den ihm dort jemand bereitgestellt haben muss, im Handschuhfach liegen ein Revolver und mehrere Papiere, darauf eingekreist eine Kontaktperson und seine Adresse. Ohne zu zögern sucht der Mann, den der Film nur als „Driver“ vorgestellt hat, die Adresse auf – ein Bürogebäude, dringt in die Räumlichkeiten ein, findet den Mann, den er gesucht hat, erschießt ihn sauber durch die Stirn und verschwindet, ohne ein Wort gesprochen zu haben.

So beginnt FASTER und ließ mir damit kaum eine Chance, ihm nicht sofort mit Haut und Haaren zu verfallen – dass ein Teil jener atemberaubenden, unfassbar präzise getimten Sequenz von Goblins Oliver Onions‘ „Goodbye my friend“, dem Titelsong von Castellaris IL CITTADINO SI RIBELLA, untermalt wird, hat jeden Funken von Widerstand, der vielleicht noch glimmte, im Keim erstickt. So kann man sich irren: Der nur mäßig verheißungsvolle, etwas arg gewollt programmatisch klingende Titel, der zwar rundum sympathische, aber nun eben auch nicht für absolute Spitzenklasse bürgende Johnson, und Regisseur Tillman, gegen dessen MEN OF HONOR ich am liebsten eine Unterlassungsklage erheben würde, versprachen doch im besten Fall einen netten Timewaster. Doch FASTER weiß über weite Strecken richtiggehend zu begeistern, orientiert sich nicht an neumodischem Eventkäse, sondern am düsteren Copfilm, dem Noir, pulpiger Hardboiled-Literatur und eiskalten Rachethrillern wie Boormans POINT BLANK oder Siegels THE KILLERS. Nicht die schlechtesten Vorbilder. Dwayne Johnson, der den schweigsamen Racheengel mit steinerner Miene und eisernem Willen versieht, ist nicht nur eine beeindruckende physische Präsenz, man sieht ihm auch den Schmerz an, der ihn treibt. Und Billy Bob Thornton gibt einen heruntergekommenen, drogenabhängigen Cop kurz vor der Pensionierung, der nicht etwa Verachtung und Abscheu auf sich zieht, sondern Empathie und Mitleid. Es ist zwar ein Klischee, dass in dieser Spielart des harten Großstadtthrillers die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, aber hier wird das noch einmal fühlbar gemacht. Und das, obwohl der Film mit seinen namenlosen Figuren (dem „Driver“ stehen der „Cop“ und der „Killer“ gegenüber) zunächst einer strukturellen Abstraktion verpflichtet scheint. Gewalt ist schmutzig und schmerzhaft und bringt am Ende niemandem etwas. Es mag schwer sein, zu vergeben, doch nur so lässt sich der ewige Kreislauf des Tötens durchbrechen.

Leider verhindert die Einbindung des Killers den makellosen Erfolg. Nicht nur, dass die Geschichte diese Figur nicht unbedingt gebraucht hätte: Immer dann, wenn der Killer die Szenerie betritt, fühlt man sich etwas ungut an jene Zeit in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre erinnert, als jeder Filmemacher meinte, Tarantino nacheifern zu müssen. Zwar werden keine kunstvollen Dialoge über Fast Food und Fußmassagen absolviert, aber der bittere Realismus des Films wird durch die Anwesenheit eines sexy Killerpärchens mit Sportwagen und Luxusvilla heftigst ausgehebelt. Und dass die Auflösung – die ohne Frage absolut richtig und notwendig ist – einem mit bedeutunsgvollem Tamtam präsentiert wird, passt auch nicht ganz zum unterkühlten, fokussierten Rest. Das ist ein bisschen schade, weil hier wie gesagt recht leichtfertig die Chance, ein kleines Meisterwerk zu schaffen, vertan wurde, aber die positiven Eindrücke überwiegen dann doch bei Weitem. FASTER ist schon ein ziemlich geiles Teil.

Johnny Blaze (Nicolas Cage), der durch einen als Rachedämon Ghost Rider unterwegs ist, wann immer ihm Unrecht begegnet, wird im Exil vom Franzosen Moreau (Idris Ekba) aufgesucht und um Hilfe gebeten: Der Teufel (Ciarán Hinds) will seinen Sohn und Nachfolger, den Jungen Danny aus der Obhut von dessen Mutter Nadya (Violante Placido) rauben, um seinen Körper zu besetzen. Wenn es Johnny gelingt, den Jungen sicher in ein Kloster zu bringen, soll er im Gegenzug von seinem Fluch befreit werden. Doch die hilfsbereiten Mönche denken nicht daran, den Jungen zu beschützen …

Nachdem Mark Steven Johnson mit dem ersten Teil versucht hatte, Marvels Horrorkreatur in ein gebügeltes narratives Korsett zu zwängen, nur um dann dabei zusehen zu müssen, wie Nicolas Cage es mit seinem Megaacting in Fetzen spielte, schneidern die Radikalvisualisten Neveldine/Taylor dem zornigen Rachedämon einen filmischen Maßanzug auf den skelettierten Leib. GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist ein filmgewordener Veitstanz, zu dessen minutiöser Choreografie Cage lediglich seinen Beitrag liefert, anstatt noch wie im Vorgänger lustvoll aus der Reihe zu tanzen. Eine Originstory können sich Neveldine/Taylor im Sequel Gott sei Dank sparen (das Wichtigste bekommt man aber noch einmal in Form einer reduzierten Animationssequenz nachgereicht), der Plot passt auf einen durchgeweichten Bierfilz, nichts hält sie also davon ab, den Zuschauer auf dem Schleudersitz festzuschnallen und hämisch lachend den Auslöser zu drücken. Will sagen: GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist schnell, sehr schnell und er hält sich nicht mit prüfenden Blicken nach links oder rechts auf. Die Handlung setzt sich weitestgehend aus Verfolgungsjagden und Kämpfen zusammen, bevor es am Schluss kurzzeitig mal etwas besinnlicher zugeht – natürlich nur, damit das Gaspedal danach umso heftiger durchs Blech getreten werden kann. Wenn Johnsons erster Teil ein dunkelromantischer Western war, dann ist Neveldine/Taylors Sequel quasi der bösartige KOYAANISQATSI des Superheldenfilms. Wollt ihr das totale Bild?

Diese Ausrichtung führt zum einen dazu, dass GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE weniger glatt, behäbig und lustig daherkommt als der Vorgänger, sondern teilweise reichlich verstörend ist, als sei er selbst vom Bösen besessen. Der Ghost Rider selbst sieht hier dann auch nicht mehr aus wie ein glattgebürstetes Plastikskelett oder eine zu groß geratene Actionfigur fürs Kinderspielzimmer, sondern tatsächlich dreckig und bedrohlich und das knöcherne Antlitz wird dann auch mehrfach bildfüllend in Szene gesetzt. Klar, Nic Cage ist mit seiner Art, die Dialogzeilen in den Backen zu mischen, um sie dann nuschelnd über die Lippen rollen zu lassen, oder in den wilderen Szenen die Augen weit aufzureißen und hysterisch zu lachen, immer noch ein verkappter Komiker, aber weil ihm Neveldine/Taylor einen gänzlich anderen Kontext liefern, weicht das Lachen schnell der Ungewissheit, ob der Darsteller nicht doch verrückt gewprden ist. Und wie Cage scheint der ganze Film bei allem sichtbaren Gestaltungswillen völlig außer Rand und Band. Eine Dialogzeile aus Camerons ALIENS springt ins Gedächtnis: „We’re in an express elevator to hell … going down!“ Der Haken an der Sache ist, dass da trotzdem noch eine Geschichte absolviert werden muss, auch wenn die noch so einfach gehalten ist. Während Form und Inhalt bei CRANK und CRANK 2: HIGH VOLTAGE gar nicht wirklich voneinander zu trennen waren und beide Filme dadurch überaus kompakt wirkten, machen sich am Ende von GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE leichte Ermüdungserscheinungen breit. Anstatt dem Ghost Rider mit filmischen Mitteln in den Wahnsinn zu folgen, siegt die weniger ansehnliche Vernunft. Aber genau davon handelt der Film schließlich. Und wer weiß, was da noch kommen mag: Bei Cage muss man mit allem rechnen.

Auf Hard Sensations setze ich meine Tierhorror-Exkursionen mit einem Text über vier aktuellere Haifischfilme – unter Profis auch „Sharxploitation“ genannt – fort. Bei den von mir auserkorenen Werken handelt es sich um die Corman-Produktion DINOSHARK, SWAMP SHARK mit Kristy Swanson und Robert Davi, die Major-Produktion SHARK NIGHT sowie das neueste Epos aus der Asylum-Schmiede mit dem vielsagenden Titel 2-HEADED SHARK ATTACK. Ich wünsche viel Vergnügen! Klick hier.

Als ihm der Teufel (Peter Fonda) anbietet, seinen krebskranken Vater im Austausch gegen die eigene Seele zu retten, zögert der Stunt-Motorradfahrer Johnny Blaze keine Sekunde. Sein Vater stirbt jedoch nur einen Tag später bei einem verunglückten Kunstsprung und Johnny muss nun täglich darauf warten, dass der Leibhaftige seine Schulden eintreiben wird. Als des Teufels Sohn, der Dämon Blackheart (Wes Bentley) Jahre später droht, dem Papa Konkurrenz zu machen, ist es dann soweit: Johnny (Nicolas Cage) verwandelt sich auf Geheiß seines Gläubigers in den Ghost Rider, einen skeletalen Dämon, der des nachts auf seinem Motorrad loszieht, um den Willen des Teufels zu erfüllen. Neben allen Belastungen für Leib und Seele kommt Johnny dieses Schicksal auch privat sehr in die Quere, weil er nämlich gerade dabei ist, seine verflossene Jugendliebe Roxanne (Eva Mendes) zurückzugewinnen ….

Zweitsichtung. Wie schon bei EVENT HORIZON kann ich vermelden, dass sich an meiner Einschätzung von Johnsons zweiter Superhelden-Comicverfilmung nach DAREDEVIL nicht viel geändert hat. Und ebenfalls wie bei EVENT HORIZON läuft meine Meinung dem Konsens krass zuwider: Ich finde GHOST RIDER richtig klasse, auch wenn man kaum verleugnen kann, dass der Film nicht so funktioniert, wie sich das potenzielle Publikum das gewünscht haben mag. GHOST RIDER ist in erster Linie eine One-Man-Show für Nicolas Cage, der den Film an sich reißt, ihn mit seinem Megaacting veredelt und mit seinen bescheuerten Einfällen verhindert, dass man seinen Johnny Blaze auch nur annähernd ernst nehmen kann. Er frisst Jelly Beans aus einem Martini-Glas, hat ein Faible für Affendokumentationen, trinkt Kaffee direkt aus der Kanne, um sich für seine Stunts heiß zu machen, post vor dem Spiegel und sondert eine lakonische Dialogzeile nach der anderen ab. Das ist absolut herrlich – und irgendwie auch die richtige Herangehensweise an die Filmadaption einer Comicreihe, die selbst schon kaum mehr als ein pulpiger Witz ist – wenn der auch mit grimmigem Blick erzählt wird.

Allerdings ist nicht ganz klar, ob auch die anderen Beteiligten in on the joke waren. GHOST RIDER versackt im letzten Akt merklich, wenn es darum geht, die Geschichte um die Rebellion Blackhearts zu einem Ende zu bringen: Der Plot kommt über einen besseren Stichwortgeber für Cage kaum hinaus, das blässliche Jüngelchen Wes Bentley kann dem hyperventilierenden Cage nichts, aber auch gar nichts entgegensetzen und Eva Mendes sieht man förmlich an, wie sie in den gemeinsamen Szenen mit dem Cagester verzweifelt auf die Eingebung wartet, wie sie auf sein Spiel passend reagieren kann. Insofern ist der Hauptdarsteller Fluch und Segen zugleich: Ohne ihn wäre GHOST RIDER wohl nur ein guter, aber wenig inspirierter oder gar inspirierender Superheldenfilm geworden, mit ihm dringt er zwar in ungeahnte Camp- und Humor-Dimensionen vor, büßt dabei aber jede erzählerische Funktionalität ein. Wie man zu GHOST RIDER steht, hängt wohl vor allem davon ab, was einem wichtiger ist und ob man verkraften kann, dass die Vorlage hier schon ein Stück der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Ich finde, dass er ein ziemlich großer Spaß und eine willkommene Ausnahmeerscheinung im Comicverfilmungs-Einerlei ist.

In Washington fallen mehrere Menschen einem Mörder zum Opfer, der nach dem Modus Operandi des „Gemini-Killers“ vorgeht, der vor 15 Jahren hingerichtet worden war. Was den ermittelnden Polizisten Kinderman (George C. Scott) mehr als beunruhigt: Denn der M.O. des Killers war nie öffentlich bekannt gegeben worden. Als er in einer Nervenheilanstalt einem Patienten begegnet, der behauptet der Gemini-Killer zu sein (Brad Dourif), kommt er dem Geheimnis auf die Spur: Es scheint sich um einen Fall dämonischer Besessenheit zu handeln, in den auch Kindermans alter Freund, Father Damian Karras (Jason Miller), verwickelt war …

THE EXORCIST III ist ein Film, der in dieser Form eigentlich nicht existieren dürfte: nur eines von etlichen Beispielen auf der mittlerweile sehr stattlichen Liste von durch haarsträubende Studiopolitik zum Scheitern verurteilten Werken. Was man mit THE EXORCIST III angestellt hat, kann man kaum anders als als Sabotageakt werten – nur dass der hier nicht von der Konkurrenz, sondern von den eigenen Leuten ausgeführt wurde. Dass der Film dennoch sehr ansehnlich geworden ist, spricht für Blatty, der eigentlich seinen Bestseller „Legion“ verfilmen wollte und mit diesem Vorhaben auch den Regiestuhl bestiegen hatte. Die Studioheinis von Morgan Creek überlegten es sich kurz vor Fertigstellung aber noch einmal anders, forderten von Blatty, dass er einen Exorzismus im Film unterbringen solle, um den Film so als THE EXORCIST III, als zweite Fortsetzung jenes Kassenschlagers ins Kino bringen zu können, für den Blatty einst seinen eigenen Roman adaptiert hatte. Der Film, den Blatty unter dem Arbeitstitel LEGION inszeniert hatte, ist verloren, übrig geblieben ist ein ratloser Film, der so natürlich nicht der kommerzielle Erfolg wurde, den das Studio um jeden Preis sicherstellen wollte. Ätsch.

Natürlich merkt man THE EXORCIST III diese Form der Einmischung an: In den letzten 20 Minuten passieren Dinge, die nur wenig Anbindung an den Rest des Films haben, die ruhige, behutsame Inszenierung Blattys weicht am Schluss einem Tohuwabohu, das zwar Schockeffekte, dämonisches Geraune, einen Exorzismus und sogar einen Splatterffekt bringt, aber den Ton des Filmes sehr stört und den Zuschauer außerdem um die „richtige“ Auflösung einer Geschichte prellt, die bis zu diesem Zeitpunkt gar keinen Firlefanz nötig hatte, um zu fesseln. THE EXORCIST III ist sehr dialoglastig und baut dabei ganz auf den gegerbten Charme der Altherrenriege, die seine Darsteller bilden. Wenn Kinderman mit seinem besten Freund, Father Dyer (Ed FLanders), über das Leben und den Tod sinniert, dann hört man beiden einfach gern zu – nicht zuletzt, weil Blatty ihnen fantastische Dialogzeilen in den Mund gelegt hat. Und die Szene, in der Kinderman während einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Klinikchef in Tränen ausbricht, gezeichnet vom Stress, von Verzweiflung und dem Schmerz, den die tagtägliche Konfrontation mit Tod und Gräueltaten auslöst, ist schockierender als aller Besessenheitsunfug, weil er mit dem Klischee des harten, abgestumpften Cops aufräumt, den Scott gewissermaßen idealtypisch verkörpert. Es gibt aber auch einige wirklich sauspannende und beunruhigende Szenen in diesem Film (etwa eine überraschende Attacke des Killers, die in einer langen statischen Totalen aufgelöst ist), dessen schlechter Leumund zwar verständlich, aber auch sehr ungerechtfertigt ist. THE EXORCIST III ist ein absolut ungewöhnlicher, origineller Horrorfilm: Und das kann ihm auch das komische Ende nicht nehmen. Im Gegenteil. Ich gehe davon aus, ihn in Bälde noch einmal zu sehen, wahrschenlich im Rahmen einer EXORCIST-Gesamtschau.

Als ein Signal des vor Jahren bei einer Expedition an den Rand des Sonnensystems verschwundenen Raumschiffs „Event Horizon“ empfangen wird, wird ein Rettungsteam unter der Leitung von Captain Miller (Laurence Fishburne) losgeschickt, um es zu bergen. Zum Team stößt auch Dr. William Weir (Sam Neill), der die „Event Horizon“ entwickelt und demzufolge großes Interesse daran hat, das Raumschiff, das in der Lage ist, das Raum-Zeit-Kontinuum zu durchstoßen, zur Erde zurückzubringen. Doch bald wird klar, dass an Bord der „Event Horizon“ etwas Furchtbares geschehen sein muss: Die Crew ist verschollen und nach Betreten wird einer nach dem anderen aus Millers Rettungsteam von seltsamen Visionen heimgesucht, die sich bald als tödlich entpuppen …

EVENT HORIZON habe ich nun zum ersten Mal seit seinem Erscheinen wiedergesehen – und leider hat sich meine Meinung zu ihm nicht wesentlich verändert. Zwar hat er mir diesmal nicht wie damals den letzten Nerv geraubt – 15 Jahre, in denen man sich an die Auswüchse der intensified continuity gewöhnen konnte, lassen seine Schnittgewitter und seine grollende Tonspur heute schon fast als ruhig erscheinen –, aber dafür habe ich mich ganz schön gelangweilt, was nun auch nicht gerade besser ist. Die Geschichte, in der Andrei Tarkowskis Philosophy-Fiction SOLARIS mit Ridley Scotts Sci-Fi-Horror ALIEN verbunden wird, ist aufgrund der Bekanntheit der Vorlagen vorhersehbar, wird von Anderson aber mit einem solch heiligen Ernst erzählt, dass jede Leichtigkeit einer bleiernen und absolut lähmenden Schwere weichen muss. EVENT HORIZON kommt nie wirklich in die Gänge, schleppt sich zäh und leblos dahin. Um für die leider ausgebliebene Suspense aufzukommen, hagelt es dann am Ende einige splatterige Tode und weitere Genrefilmklischees (warum hat eigentlich jedes Raumschiff praktische Selbstzerstörungsmechanismen?), Sam Neill darf gar als nagelloser Pinhead-Doppelgänger durch die Gänge der „Event Horizon“ schleichen und das ultimativ Böse verkörpern: Enttäuschend für einen Film, dessen Frage danach, was hinter den Rändern unseres Sonnensystems wartet, deutlich unheimlichere und originellere Antworten ermöglicht hätte.

Lustigerweise ist EVENT HORIZON wohl der Film Andersons, der allgemein am besten beleumundet ist, während sein restliches Werk gern als Beweis dafür herangezogen wird, dass er lediglich ein dem Style over Substance verpflichteter Hack ist. Das ist logisch: Wenn man sich vor allem für das klassische Erzählkino erwärmen kann, dann müssen einem Popkunstwerke wie RESIDENT EVIL: AFTERLIFE, DEATH RACE oder THE THREE MUSKETEERS als oberflächlicher Quatsch erscheinen. Ich finde alle diese genannten Filme um ein Vielfaches interessanter, eleganter und vor allem schöner und gehaltvoller als den dramaturgisch eher traditionell erzählten EVENT HORIZON, der für mich nur ein aufgeblähter Langweiler ist, plump und behäbig inszeniert und ohne die fast schwerelose Grazie von Andersons späteren Filmen. Was man ihm zugutehalten muss, sind seine ausgezeichneten Set Designs, die nach richtig viel Geld aussehen – und definitiv einen besseren Film verdient gehabt hätten.

Wir schreiben das 17. Jahrhundert: Für die britische Krone hat der Adlige Solomon Kane (James Purefoy) auf zahlreichen Feldzügen unbeschreibliche Gräueltaten verübt, für die ihn der Leibhaftige schon sehnsüchtig erwartet. Dem Teufel eben noch von der Klinge gesprungen begibt sich Kane für den Karmaausgleich ins Exil in ein Kloster, aus dem er nach Jahren der Einkehr jedoch verstoßen wird. Auf seinen Irrwegen durch ein von Pest, marodierenden Banden und den Armeen des teuflischen Zauberers Malachai (Jason Flemyng) geplagtes Land begegnet er dem Ehepaar Crowthorn (Pete Postlethwaite und Alice Krige) die nach Amerika auswandern wollen. Von ihnen freundschaftlich aufgenommen, fühlt er sich in seinem Plan bestätigt, nie wieder Gewalt anzuwenden und ein neues tugendhaftes Leben zu führen. Doch als er bei einem Überfall hilflos zusehen muss, wie die Familie ermordet und die jüngste Tochter Meredith (Rachel Hurd-Wood) entführt wird, erkennt er, dass es für ihn keinen anderen Weg als den der Gewalt gibt …

SOLOMON KANE basiert auf den Pulp-Romanen von „Conan“-Schöpfer Robert E. Howard und wurde vom nie um einen fantasievollen Film verlegenen Samuel Hadida produziert. Für das ganz große Eventkino, nach dem die Vorlage eigentlich schreit, hat das Geld wohl nicht ganz gereicht: ein großer Star fehlt – Max von Sydow absolvierte seine zwei Szenen nach bester Exploitationtradition an geschätzt ebenso vielen Drehtagen und verabschiedete sich danach wahrscheinlich feixend und herausfordernd mit seinem üppigen Gehaltsscheck wedelnd vom Set – und die CGI-Effekte, die vor allem im Prolog epische Breite schaffen sollen, erreichen eher das Gegenteil. Dennoch ist SOLOMON KANE durchaus beachtlich, vielleicht gerade weil sich Regisseur Bassett mangels Budget auf klassische handwerkliche Tugenden besinnen musste, anstatt alles mit Pomp und Tamtam zuzukleistern.

Das 17. Jahrhundert des Films sieht wunderbar schlammig, trist und regnerisch aus, die Settings sind sehr realistisch und klein gehalten: SOLOMON KANE erhält so eine ungemeine Physis und ist herrlich texturiert, ganz im Gegensatz zu jenen Filmen, die ihre pompösen Fantasiewelten ganz im Rechner entstehen lassen und am Ende seltsam leer und leblos erscheinen. Auch Hauptdarsteller Purefoy passt da gut ins Bild: Optisch eine weniger gut aussehender Doppelgänger von Hugh Jackman, wirft er sich mit sichtlichem Spaß in seine Rolle und verhilft auch potenziell peinlichen Szenen noch zum Erfolg. SOLOMON KANE schafft manchmal sogar den Quantensprung und liefert richtig großes Kino, wo er seiner Anlage nach doch eigentlich nur ein kleiner Fantasy-Exploiter für Zwischendurch ist. Zum rundum begeisternden, ganz großen Wurf fehlt logischerweise noch ein Quäntchen, aber das ist sehr verzeihlich. SOLOMON KANE hat nämlich vielen vergleichbaren Großproduktionen etwas voraus, das sich eben nicht kaufen lässt: Er hat Herz und Seele. Und weil man genau diese Eigenschaften im Eventkino von Heute allzu oft vermisst, darf man über die (Geringfügigen) Schwächen von Bassetts Film großzügig hinwegsehen. Schön!