hidden assassin (ted kotcheff, spanien/tschechien/usa 1995)

Veröffentlicht: September 4, 2012 in Film
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Der Botschafter Kubas wird in New York erschossen. Die CIA setzt den US-Marshal Michael Dane (Dolph Lundgren) auf die vermeintliche Mörderin Simone Rosset (Maruschka Detmers) in Prag an, wo in Bälde ein Gipfeltreffen zwischen den USA und Kuba stattfinden soll und somit weitere Morde befürchtet werden. Dane und seinem Mentor und Ziehvater Alex Reed (John Ashton) gelingt es, die verführerische Frau dingfest zu machen, doch die streitet jede Verantwortung für den Mord vehement ab …

Ted Kotcheff, der mit FIRST BLOOD ein Stück Filmgeschichte schrieb und den für Actionfreunde auch nicht ganz unerheblichen UNCOMMON VALOR inszenierte, meldete sich 1995 nach etlichen Fernseharbeiten mit diesem Werk zurück, das vor allem die äußeren Umstände daran hinderten, mehr zu sein. Tschechisch koproduziert und überwiegend in Prag gedreht, scheint HIDDEN ASSASSIN (in Deutschland als THE SHOOTER erschienen) ein früher Vorläufer all jener aus Kostengründen im ehemaligen Ostblock entstandenen Actionfilme, die seit ca. zehn Jahren der Standard des Direct-to-DVD-Geschäfts sind. Und so vermisst man dann auch allzu große Exzesse und Gewaltexplosionen, Kotcheffs Film mutete eher klein an, lediglich die architektonischen Schönheiten seines Schauplatzes verschaffen einen Hauch von Prunk. Eigentlich ist das nicht weiter schlimm: HIDDEN ASSASSIN lehnt sich nicht am Blockbuster- und Eventkino US-amerikanischer Prägung an, sondern eher an den europäischen (bzw. französischen) Polit- und Agententhrillern der Sechziger- und Siebzigerjahre. Für Kintopp bleibt da nicht allzu viel Platz, Realismus und Authentizität sind gefragt. Das funktioniert über weite Strecken zwar ganz gut – besonders gut gefallen hat mir, wie Dane den ganzen Film über mit einer fiesen Schnittwunde am Arm zu kämpfen hat, die er sich im ersten Drittel zuzieht –, doch kommt dem Erfolg auf ganzer Linie die nicht gerade unerhebliche Grundkonstellation des Films in die Quere. Mit der Figur der verführerischen Killerin haben sich die Drehbuchautoren mehr als nur ein wenig verhoben: Wahrscheinlich wollten sie ein Stück vom Erfolg von Bessons NIKITA oder auch Verhoevens BASIC INSTINCT – es wird angedeutet, dass Simone Rosset bisexuell ist – profitieren, den trockenen Thrillerstoff mit etwas schlüpfriger Erotik anreichern. Ohne Frage ist Maruschka Detmers eine attraktive, auch erotische Frau, aber dieser Aspekt der Handlung wirkt dennoch forciert, führt letztlich zu nichts: Kotcheff scheint sich kaum für die erotische Verbandelung zwischen Dane und Rosset interessiert zu haben. Und so hat man das Gefühl, einen Film zu sehen, der seiner eigenen „Unique Selling Proposition“ nicht vertraut. Ungefähr so, als hätten sich die Dinos in JURASSIC PARK am Ende als immaterielle Hologramme entpuppt.

Was bleibt ist ein solide gemachter Thriller, mit Gavan DEATH WISH 3 O’Herlihy und John „Taggart“ Ashton auch in den Nebenrollen gut besetzt und am Schluss dann auch mit dem Körpereinsatz, den man vorher ein wenig vermisst hat. Dolph Lundgren ist verlässlich wie eh und je – erschreckend eigentlich, dass niemand sein Potenzial auch für größere Rollen erkannt hat –, HIDDEN ASSASSIN somit durchaus ansehnlich und auch sympathisch. Aber umgehauen hat er mich nun nicht.

EDIT 01.03.2015: Habe eben erst festgestellt, dass ich da eine 15 Minuten gekürzte Fassung des Films gesehen habe.

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