the fast and the furious (rob cohen, usa 2001)

Veröffentlicht: September 9, 2012 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

Der Cop Brian O’Conner (Paul Walker) wird in die Street-Racing-Szene von L.A. eingeschleust, um die Verantwortlichen für eine Serie motorisierter Raubüberfälle zu überführen. Dreh- und Angelpunkt der Szene ist Dominic Toretto (Vin Diesel), dessen Vertrauen Brian gewinnt. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die auf eine harte Belastungsprobe gestellt wird, denn die Zeichen dafür, dass Dominic hinter den Verbrechen steht, verdichten sich …

Der Titel ist Programm: THE FAST AND THE FURIOUS ist schnell zu Ende, sprich äußerst kurzweilig, und furios prollig. Beste Voraussetzungen für reuelose Unterhaltung, die vom ambitionsfreien Handwerker Rob Cohen in ansehnlichem Gewand optisch geschliffen und rasant geschnitten dargeboten wird. Das L.A. des Films wird von einer andauernden Abendsonne beschienen, die alles in ein goldenes Licht taucht: Aus den monochromen Bildern stechen die grellbunten Boliden als die eigentlichen Hauptdarsteller des Films hervor. Ihre knalligen Farben, die großflächigen Sponsorensticker, mit denen sie gepflastert sind, ihre chromblitzenden Felgen und Motorenteile, die von der Kamera fetischistisch umschmeichelt werden, signalisieren auch, dass hier alles, aber auch alles an der Oberfläche verhandelt wird, nichts subtil ist, sondern stets bedacht um den größtmöglichen Effekt ins Bild gerückt wird. THE FAST AND THE FURIOUS ist die filmgewordene Proletenfantasie, aber erträumt von kühnen Marketingstrategen und ohne einen Funken von Humor dargeboten. In Verbindung mit dem fürchterlichen Soundtrack, auf dem sich schlechter Mainstream-Hip-Hop (der mittlerweile karrierelose Ja Rule ist mehrfach vertreten und spielt auch eine kleine Nebenrolle), NuMetal und andere Kleinkindermusik die Hand reichen, ergibt das zumindest in der ersten Hälfte des Films ein Festival der Fremdscham und des unfreiwilligen Humors.

Paul Walker gibt den zwischen Pflichtgefühl und Männerfreundschaft hin und hergerissenen Cop mit blondierten Strähnchen und Schmelz im Blick, der von Dominics alten Kumpels sofort mit lodernder Eifersucht gestraft wird, als handelte es sich um eine Bande abgelegter Geliebter. Diese Kumpels sind zwei tätowierte Dumpfbirnen, von denen sich eine sogleich auf einen Bitchfight mit dem süßen Brian einlässt, ihm aber natürlich hoffnungslos unterlegen ist, der andere ein unter ADD leidender Motoren- und Technik-Nerd mit schwarz lackierten Fingernägeln und den unvermeidbaren Heulattacken, wenn es hart auf hart kommt. Michelle Rodriguez trägt wieder ihre obligatorischen Tank Tops und gibt die tough bitch, auf die sie abonniert ist, darf aber immerhin eine Liebesbeziehung mit Dominic unterhalten, Jordana Brewster Dominics Herzensgute Schwester, die das Herz des Cops erobert und seinen späteren Gewissenskonflikt so noch verstärkt. Und der obercoole Zampano Dominic wird von Vin Diesel tatsächlich zum glaubhaften Charakter befördert, der nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass es THE FAST AND THE FURIOUS nicht schon in der ersten Kurve zerlegt.

Denn die „Szene“, die hier „porträtiert“ wird, gleicht einem Affenzirkus, in dem Männer sich in einem nie enden wollenden Schwanzvergleich befinden und Frauen das ganz fantastisch finden. Kein Vergleich also zum rohen Realismus von Monte Hellmans TWO-LANE BLACKTOP. Die Rennen zwischen den aufgemotzten Sportwagen werden mitten in der Stadt vor Hunderten vergnügungssüchtiger Prolos und silikonbehandelter Ischen abgehalten, die ihrerseits allesamt mit ihren protzigen Autos angereist sind: Wie der Polizei dieses Spektakel entgehen kann, bleibt ein großes Rätsel, genauso wie die Frage – zum Glück – unbeantwortet bleiben muss, ob es tatsächlich diese geilen Schlampen gibt, die davon magisch angezogen werden, wenn ein Mann ein Autorennen gewinnt. Das ist alles so absurd, dass man den Blick unmöglich abwenden kann. Die witzigste Szene des Films ist sicherlich das gute amerikanische BBQ, das Dominic gemeinsam mit seiner Schwester für seine Crew im Vorgarten schmeißt und sogar ein Tischgebet sprechen lässt: Diese PS-süchtigen Verkehrsrowdies sind wahrlich ein Vorbild für uns alle.

Eigentlich unglaublich, aber der Film bekommt im letzten Drittel noch die Kurve, lässt den himmelschreienden Stuss hinter sich und schwingt sich im Showdown zu einem sehr soliden, einpeitschenden Actioner empor. THE FAST AND THE FURIOUS gewinnt am Ende quasi trotz seiner Selbst und hat so ziemlich überraschend den Grundstein für ein Franchise gelegt, dem zuletzt ein gemessen an seinen Anfängen doch überraschendes Wohlwollen entgegengebracht wurde. Dieser erster Teil ist vor allem ein Triumph des Marketings: Ein eigentlich höchst stromlinienförmiger Thriller leitete einen wahren Tuning-Craze aus, der sich bis heute in zahlreichen Doku-Formaten im Fernsehen niederschlägt.

Advertisements
Kommentare
  1. HomiSite sagt:

    Musste beim herrlichen vorletzten Absatz gut schmunzeln! Hatte mal nachgeschaut, was ich damals zum Film notierte: Ich fand ihn insgesamt solide, besser als den Konkurrenten „Nur noch 60 Sekunden“ und war vom wohl sehr plötzlichen Ende (angenehm) überrascht.

  2. […] mann streift in seiner rezension auch immer wieder das unausweichliche, in diesem film wirklich aufdringliche thema der  […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s