the a-team (extended cut) (joe carnahan, usa 2010)

Veröffentlicht: September 22, 2012 in Film
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Okay. Ich spare mir ausnahmsweise mal die Inhaltsangabe. Erstens weil ich gerade keine Lust habe, zweitens weil sie übermäßig kompliziert werden würde (THE A-TEAM hat einen ziemlich breit angelegten Plot, der mehrere Jahre abdeckt) und drittens weil diese Handlung letztlich natürlich trotzdem völlig irrelevant ist. Niemand schaut sich THE A-TEAM an, weil er großes Drama, ausgereifte Charaktere und geschickt konstruierte Twists und Turns erwartet.

Ich fange von hinten an: Ich bin mir unsicher, wie ich den Film finden soll. Und das ist eigentlich schon mehr, als ich erwartet habe: nämlich dass ich mich nach dem Film entweder gut, aber anspruchslos unterhalten fühlte oder aber eher indifferent sein würde. Ich hatte eigentlich gedacht, THE A-TEAM wird einer dieser typischen aktuellen Hollywood-Eventfilme, bei denen so lange gebrieft, geresearcht, gebrainstormt, revidiert, und gestreamlined wird, bis am Ende ein völliges Entertainment-Neutrum steht. Ein Film, den man zehn Minuten nach den Credits schon wieder völlig vergessen hat, der einen solange es dauert aber mit bunten Bildchen und regelmäßigen Attraktionen bei Laune hält. Stattdessen muss ich Carnahan zugute halten, dass er offensichtlich mehr im Sinn hatte: Streckenweise ist THE A-TEAM richtig ernst und ambitioniert inszeniert. Während des ersten richtigen Einsatzes des A-Teams gibt es eine schöne Parallelmontage, bei der vom Missionsbriefing immer wieder zur Ausführung geschnitten wird, und auch im Look ist der Film längst nicht so cartoony, wie ich es vermutet hatte, sondern orientiert sich eher an dem Maßstab, den die BourneFilme gesetzt haben. Natürlich hält der Film das nicht durch und da beginnen dann die Probleme. THE A-TEAM kann sich nicht wirklich entscheiden, was er sein will.

Denn die ernsten, realistischen Ansätze werden von abstrusen Over-the-Top-Actionsequenzen konterkariert, die wie aus einem anderen Film wirken. Es sind die zwei Show-Stopper des Films, die ihn zerreißen: der freie Fall des A-Teams in einem Panzer (!), den die Helden mittels des Rückstoßes der Kanone zum Fliegen bringen (!!), und das Finale in einem Hafen, bei dem sich aus einem umstürzenden Schiff eine gewaltige Ladung Container über das Dock und die flüchtenden Protagonisten ergießt. Ist die Action vorher auch spektakulär und sicherlich alles andere als realistisch, so wird sie in diesen beiden Szenen völlig albern. Und die CGI-Überfrachtung beißt sich auch mit dem sonstigen Look des Films. Aber das ist nicht alles, was mich irritiert hat.

Man kann sicherlich nicht behaupten, die Fernsehserie habe sich durch ausgefeilte Charaktere hervorgetan, aber der Film weiß ihnen bei einer stattlichen Länge von zwei Stunden kaum etwas hinzuzufügen. Im Gegenteil: Die Mitglieder des A-Teams wirken trotz jeder Menge Background noch flacher. Liam Neeson ist keine schlechte Wahl für Hannibal, aber die spitzbübische Ferkelsfreude George Peppards vermisst man bei ihm. Seine Catchphrase „I love it when a plan comes together“ ist bei ihm nur ein loses Lippenbekenntnis. Quinton Jackson hat es als B.A. wahrscheinlich am schwersten, weil er es mit einer ikonischen Figur aufnehmen muss. War die Rolle einst ein unverhohlenes Showcase für Mr. T, würde Jackson noch nicht einmal bei einem Mr.-T-Lookalike-Contest auf den vorderen Rängen landen. Und dass die Figur zum Ausgleich tragisch aufgeladen wird, ist kein Ersatz dafür. Einzig Sharlto Copley überzeugt: Äußerte sich der Wahnsinn Murdocks in der Serie eher in harmlosen Marotten, schaltet er für den psychotischen Piloten in den Overdrive. Leider bekommt er zu wenig Screentime, wohl auch, weil er in dieser Form am wenigsten in das Konzept einer versuchten Authentifizierung passt. Der Abtörner des Films war für mich aber eindeutig Bradley Cooper als Face. Dirk Benedict legte ihn damals als weltgewandten Ladies‘ Man nach dem Vorbild eines Roger Moore an, war sowas wie das menschliche Zentrum der Serie und der Charakter, der am ehesten zur Identifikation taugte. Diese Aufgabe hat auch Cooper (ihm wird das Love Interest Jessica Biel angedichtet, die als FBI-Agentin Sosa hinter dem A-Team her ist, bis sie schließlich auf ihre Seite wechselt), aber statt dandyhaftem Charme wirft er nur eine stalkereske Date-Rape-Attitüde in die Waagschale, die von seinem diabolischen Grinsen und der wolfähnlichen Physiognomie noch unterstrichen wird. Er verleiht seinem Face solch manische Züge, dass zeitweise ist nicht ganz klar ist, ob er die Eigenschaften des an den Rand gedrängten Murdock gleich noch mitübernehmen soll. Ich fand ihn eklig und unsympathisch.

Hier und da wurde der campige Charme des Films gelobt. Klar, eine A-Team-Verfilmung ist per se schon Trash, aber da gibt es eben auch noch ein anderes Gesicht, das in Teilen der ersten Stunde zum Vorschein kommt. Demgegenüber steht dann das hirnrissige Deutschland-Bild (ja, der Film spielt zu einem nicht unerheblichen Teil in Deutschland): Nach der Flucht aus Mannheim in einem Flugzeug werden die Helden kurze Zeit später abgeschossen und landen im Wolgastsee, der in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Und Frankfurt (hier gibt es die beste Actionszene) wird mit einem Luftbild eingeführt, auf dem man verdutzt den Kölner Dom zur Kenntnis nimmt. Nicht, dass mich das wirklich stören würde, aber es passt einfach nicht zu den epischen Ambitionen Carnahans. Und zumindest das Benedict-Cameo war in dieser Form überflüssig.

Ich habe jetzt übermäßig viel über den Film geschrieben und bin noch kein Stück klüger. Vielleicht liegen meine Schwierigkeiten auch darin begründet, dass ich den Film in drei Sitzungen gesehen und deshalb keinen wirklich kohärenten Eindruck von ihm habe. Teile haben mir sehr gut gefallen, andere überhaupt nicht. Immerhin wurden durchaus einige Risiken eingegangen, nicht einfach nach Schema F runtergekurbelt. Nur ist die Rechnung eben nicht aufgegangen. Ich wüsste allerdings auch nicht, wie eine Adaption dieser Serie idealerweise auszusehen hätte. Man sollte nicht vergessen, dass die Erinnerung an die Vorlage besser ist, als ihre einzelnen Folgen, die nun auch nicht gerade der Gipfel subversiven Entertainments waren. Vielleicht zeigt Carnahans Film auch einfach nur, dass man manche Dinge ruhen lassen sollte.

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Kommentare
  1. Genzel sagt:

    Guter Text. Ich habe die Serie damals nie gesehen (wahrscheinlich hat mich KNIGHT RIDER in Sachen Konzeptwahnwitz schon voll ausgelastet), weswegen ich beim Ansehen von Carnahans A-TEAM vom Ballast des Vergleichs befreit blieb. Aber eigentlich wünschte ich mir, daß ich diese Gegenüberstellung hätte machen können, damit ich IRGENDETWAS zu tun gehabt hätte während des Films – die von dir angesprochenen völlig überdrehten Actionbits sind ja nicht nur komplett bizarr (realistischer Look, comichafter Inhalt), sondern vermitteln auch in keiner Filmsekunde irgendwelches Drama, weil stets klar ist, daß den Burschen eh nichts passiert und sie selbst in der größten Bredouille keinerlei Bedrängnis verspüren. Ich mag Carnahan wegen seiner sehr eindringlichen Thrills (THE GREY und vor allem sein fantastischer Erstling NARC), aber hier wirft er einfach nur vermeintliche Schauwerte auf die Leinwand, die laut und ohne Kontext einen sinnlosen Brei aus völlig uninvolvierendem Brei ergeben.

  2. HomiSite sagt:

    Wie du schon schriebst, krankt der Film am Widerspruch zwischen locker-trashigen Serienwurzeln und einer grimmigeren Herangehensweise, die dann immer mal wieder larger than life gerät. Ich müsste aber auch erst mal nachdenken, wie man das A-Team sehr gut auf die Kinoleinwand hätte bringen können. Insgesamt fand ich den Extended Cut trotzdem recht unterhaltsam, obwohl/weil ich Fan der Serie bin. Mich störten v.a. die eher geringen Interaktionen im A-Team selbst und die Überbedeutung von Muscle-Face. Und das nicht gebastelt wurde :-).

    PS: Wie haltet ihr’s denn mit dem Schauen von Filmen in Etappen? Ich mache das nie.

    • Oliver sagt:

      Wir eigentlich auch nicht. Da ich derzeit aber von der Arbeit und der Fahrerei abends sehr platt bin, falle ich meistens nach ca. einer Stunde in Sekundenschlaf. Dann breche ich die Sichtung ab. Ob ich dann am nächsten Tag nochmal ganz von vorn anfange oder nur zu Ende schaue, mache ich vom Film abhängig.

  3. martinbomke sagt:

    ich finde es ja eher interessant, das aus einer wirklich nicht so tollen serie ein recht unterhaltsamer, wenn auch nicht vollends stimmiger film wurde – allein die einführungen der einzelnen akteure – die namenscredits bis zum titel dauern ja gute 20 min, bis dahin werden ein paar motherfucker-aussprüche durch tonschnitte reingeschummelt. die ersten actionsequenzen beinhalten auch immer ein erstaunen der beteiligten über diese aktionen – und ja, wer panzer fliegen kann steht in meiner gunst ganz oben. sicher hätten dem film kürzere dauer und weniger seitenstränge gutgetan – doch mitten in diesem mitunter langweiligen irrsinn gibt es dann so schöne momente wie der in der nervenklinik, eine ausbruchszene, die patienten versammeln sich zum filmesehen in 3D und werden immer verrückter in erwartung dieser dritten dimension ( auf der metaebene ein großes niederlachen der absoluten 3d-filmbegeisterung damals ), dann erscheint auf der leinwand ein ebensolcher anfang wie im wirklichen film, nahezu identische musik und schließlich bricht der truck nach der nähesten großaufnahme durch die leinwand um murdoch zu retten. macht spaß, auch in abschnitten….

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