tropa de elite 2: o inimigo agora é outro (josé padilha, brasilien 2010)

Veröffentlicht: Oktober 7, 2012 in Film
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Jahre nach den Ereignissen von TROPA DE ELITE: Nachdem Nascimento (Wagner Moura) zum obersten Befehlshaber des BOPE befördert wurde, kostet ihn das mitverantwortete Massaker während einer Gefängnisrevolte den Job. Er wird „weggelobt“ und bekommt eine neue Stelle als hoher Staatssicherheits-Beamter: Anstatt selbst gegen das Verbrechen zu kämpfen, schafft er nun die Bedingungen für diesen Kampf. Unter ihm wächst das BOPE zur Armee an. Doch der Job bringt auch neue Erkenntnisse: Er erkennt wie korrupt das System ist, dass Polizei und Politik unter einer Decke stecken und die Zustände in den Favelas nutzen, sich selbst zu bereichern. Nascimento nimmt den Kampf auf und riskiert damit sein Leben …

TROPA DE ELITE 2 ist in jeder Hinsicht die logische Fortsetzung des ersten Teils: Die Plotstränge des Vorgängers sind mehrere Jahre in die Zukunft verlängert worden, Nascimentos Ehe ist gescheitert, Matias ein vollwertiges Mitglied des BOPE, das Verbrechen floriert unterdessen ungebrochen weiter. Mit dem unfreiwilligen Aufstieg Nascimentos geht der Blick weg vom Kampf auf den Straßen hin zu den Interessen, die damit verbunden sind, dass dieser weitergeht. Mit dieser Fokusverlagerung opfert Padilha aber auch jene emotionale Durchschlagskraft und Unmittelbarkeit, die den ersten Teil bei aller analytischen Schärfe auszeichneten. Der Kampf um Leben und Tod rückt zugunsten des Kampfes um Geld und Wählerstimmen in den Hintergrund, wo vorher klar herausgearbeitete Charaktere ihren Körper hinhielten, da stehen nun grienende Politiker im Zentrum, deren Beweggründe nur auf den ersten Blick klar zu sein scheinen. Natürlich, ihnen geht es um Erfolg und Macht, aber wie konnte ihr Gewissen so weit erodieren? Dafür hat Padilha keine Antworten, anders als in TROPA DE ELITE, in dem es ihm gelang, transparent zu machen, was Nascimento zu dem gemacht hatte, was er war.

Man kann, muss das aber nicht unbedingt als Mangel verstehen. Auch TROPA DE ELITE 2 beeindruckt mit seiner Komplexität, dem enormen Bogen, den er schlägt, ohne dass dabei der Überblick verloren ginge. Auf sehr, sehr hohem Niveau hat Padilha mit der typischen Sequelitis zu kämpfen: Er hat die undankbare Aufgabe, einen Film zu übertreffen, den niemand auf der Rechnung hatte und der deshalb umso stärker eingeschlagen war. Der zudem trotz seiner Ambitionen leicht zugänglich und im positiven Sinne „massentauglich“ war. Der Reiz des Neuen ist bei diesem Teil jetzt natürlich weg, die Erfordernisse des Plots stehen einer stärkeren emotionalen Einbindung des Zuschauers entgegen: Nascimento – immer noch Protagonist des Films – wird über weite Strecken an de Rand des Geschehens gedrängt, greift kaum in die Vorgänge ein, und Matias, im ersten Teil wichtige Identifikationsfigur für den Zuschauer, ist hier kaum mehr als Nebenfigur. Man weiß gar nicht, was schockierender ist: Wie kaltblütig und unvorhergesen er aus dem Film genommen wird oder wie wenig einen das als Betrachter noch tangiert. Aber, wie ich oben schon sagte, letztlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn TROPA DE ELITE 2 ist immer noch ein exzellenter, hoch intelligenter Film. Er nimmt einen nur nicht mehr so stark mit.

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