puppet master (david schmoeller, usa 1989)

Veröffentlicht: Oktober 18, 2012 in Film
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1939: Der Puppenmacher Dr. Toulon (William Hickey) ist hinter das Geheimnis bekommen, wie man unbelebte Objekte zum Leben erwecken kann. Bevor die Nazis ihm das Geheimnis entreißen können, bringt er sich um. 50 Jahre später folgen vier übersinnlich Begabte (eine davon Irene Miracle, die in INFERNO baden ging) dem Ruf ihres Freundes in jenes alte Hotel, in dem Toulon sich einst das Leben nahm: Offensichtlich konnte er ihm das Geheimnis entreißen. Doch der Freund entpuppt sich als verstorben: Stattdessen spuken Toulons Puppen im Haus herum. Und sie sind böse …

Mit PUPPET MASTER beginnt die bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte von Charles Bands Filmschmiede Full Moon, über deren besonderen Charme ich mich schon einmal ausgelassen habe. Angelehnt an Stuart Gordons DOLLS, den Charles Band für seine Vorgängerfirma Empire produziert hatte, hob er mit PUPPET MASTER ein Franchise aus der Taufe, das es bis heute auf neun Sequels gebracht hat. Hinter diesem unerklärlichen Erfolg steht eine frenetische Fanschar, die alles, was das Full-Moon-Logo ziert, begierig aufzusaugen scheint, wie man es etwa auf Facebook bestaunen kann.

PUPPET MASTER vereint schon alles, was auch spätere Full-Moon-Filme auszeichnen sollte, fiel damit zu seiner Zeit aber noch nicht so aus dem Rahmen wie heutige Werke der Firma: bunte Gimmick-Monsterchen, kreative, aber letztlich harmlose Splattereffekte, dusselige Ideen statt echter Horror waren damals schließlich der Standard. Schmoeller, der mit TOURIST TRAP schon einmal einen Puppen-Horrorfilm gedreht hatte (ebenfalls für Charles Band), orientiert sich  weniger am märchenhaft-naiven DOLLS, sondern eher an Robert Wise‘ THE HAUNTING, nutzt aber jede sich bietende Gelegenheit für sexuelle Zoten, die natürlich nicht fehlen dürfen. So  befindet sich unter den Charakteren ein sexsüchtiges Pärchen: Beide machen Experimente, bei denen sie die Sexfantasien anderer erforschen, sie ist darüber hinaus in der Lage, an jedem beliebigen Ort zu spüren, wer sich dort bereits geliebt hat. Gleich zu Beginn fordern sie eine Freiwillige auf, sich ihre wildesten Fantasien auszumalen, während sie mit Kopfhörern vor einem piependen Apparillo sitzen. Später dann aalt sie sich im Bett und geilt sich an der Vorstellung auf, dass es dort einst Clark Gable und Carole Lombard getrieben haben. Natürlich finden beide auch beim wilden Sex ihr Ende: Ihr wird der Kopf von der Bohrerpuppe zermatscht, er – ans Bett gefesselt und mit verbundenen Augen – mit Blutegeln gekillt.

Sonst ist PUPPET MASTER aber beinahe schon gediegen: Es gibt einige wirklich tolle Kamerafahrten aus der Subjektiven der Puppen, die noch nicht – wie in späteren Beiträgen zur Serie – die Hautfiguren des Films sind, sondern lange Zeit im Hintergrund bleiben. Der wohl angepeilte Spannungseffekt verpufft aber, weil man die kleinen Holzköpfe bereits im Prolog zu sehen bekommen hat. Nein, PUPPET MASTER ist weder gruselig, noch besonders spannend, aber ich mag ihn trotzdem irgendwie. Er ist angenehm cheesy, ohne so richtig schlecht dabei zu sein, vereint quasi einen ordentlichen technischen Standard mit grellem Unfug und ist somit durchaus respektabel. DOLLS hatte mehr Herz, ein Film für Kindsköpfe ist aber auch PUPPET MASTER.

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