halloween: the curse of michael myers (joe chappelle, usa 1995)

Veröffentlicht: Oktober 24, 2012 in Film
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Die Handlung dieses fünften Sequels kurz und bündig zusammenzufassen, ist auch nach Studium der ausführlichen Wikipedia-Nacherzählung ein annähernd hoffnungsloses Unterfangen. Sechs Jahre nach HALLOWEEN 5: THE REVENGE OF MICHAEL MYERS knüpft Chappelles Film zwar direkt an den Vorgänger an, nimmt einen Faden auf, den jener geknüpft und dann verwaist liegen gelassen hatte. Dieser führt jedoch nicht als Ariadne-Faden ans Ziel, sondern nur weiter in die Irre. Teil 6 weicht weit vom in den anderen Teilen der Serie (womit HALLOWEEN III: SEASON OF THE WITCH ausgenommen ist) eingeschlagenen Weg ab. Anstatt Myers als personifiziertes, aber weitestgehend unerklärliches Böses zu inszenieren, wird hier erstmals der Versuch unternommen, seine Handlungen über einen vulgärpsycholgischen Ansatz hinaus zu motivieren. Und dazu wird dann ein ganz neues Fass aufgemacht, eines, das nur wenig mit der bisherigen Slasherfilm-Tradition zu tun hat.

Ein Druidenkult kommt ins Spiel, ein alter Fluch, der Unheil verspricht, und ein Weg, dieses Unheil durch Menschenopfer aus der eigenen Familie abzuwenden. Und Michael Myers soll einer jener Auswerwählten sein, die diese Menschenopfer darbringen, um die Gemeinschaft zu retten. Natürlich gibt es auch einen menschlichen Übeltäter hinter Michael, einen Mann, der den Killer instrumentalisiert und finstere Pläne mit ihm verfolgt. Man mag von diesem Einfall halten, was man will. Gegenargumente sind schnell zur Hand: In dem Moment, in dem man Michael Myers verrationalisiert, neutralisiert man ihn auch. Und der herbeifabulierte Fluch fällt so weit aus der bisher etablierten Bilderwelt der Filme, dass es schwerfällt, ihn zu akzeptieren. Zumal er gleich Dutzende neuer Fragen aufwirft, in dem Versuch, eine einzige zu beantworten. Dennoch wirkt er nicht wie ein völliger Fremdkörper. Atmosphärisch fügt sich HALLOWEEN: THE CURSE OF MICHAEL MYERS nahtlos in die Serie ein, bringt zudem auch abseits der Haupthandlung eigene Ideen ein, die man in HALLOWEEN 4: THE RETURN OF MICHAEL MYERS und HALLOWEEN 5: THE REVENGE OF MICHAEL MYERS zuvor schmerzlich vermisst hatte. Myers ist in Teil 6 vollends zum Mythos geworden und der Kampf der Jugendlichen gegen seinen alles überragenden Schatten verleiht der Geschichte einen realistischen Zug, der neu ist und durchaus überzeugt. Chappelle inszeniert auch die Attacken des Killers wieder mit etwas mehr visuellem Gespür, als es in den beiden stilistisch doch eher steifen Vorgängern der Fall war. Das Hauptproblem bleibt aber bestehen: CURSE kommt mit all seinen Ideen relativ wirr daher und konzentriert sich mit dem Druidenfluch ausgerechnet auf die mit Abstand uninteressanteste von allen.

Möglicherweise liegt der Hund aber auch ganz woanders begraben: Die Produktion wurde, wie es sich für einen Film mit dem Wort „Curse“ im Titel gehört, von zahlreichen Problemen heimgesucht. Bis das Drehbuch stand, zogen mehrere Jahre ins Land, dann machte der Tod von Loomis-Darsteller Donald Pleasence noch vor Fertigstellung des Films diverse Rewrites notwendig. Ein früher Wintereinbruch brachte den Zeitplan durcheinander, Produzent Paul Freeman griff schließlich eigenmächtig in die Fertigstellung ein, filmte wichtige Szenen selbst, überwachte die Postproduction und zwang die Produktionsfirma mit seinem Verhalten schließlich dazu, nachträglich nachzubessern. Der veröffentlichte Film war zwar recht erfolgreich, verfehlte aber das Ziel, das Franchise neu zu beleben. Jahre später wurde mit HALLOWEEN H20 ein konservatives Sequel/Reboot ins Rennen geschickt, der den Druidenkult völlig ignorierte. Von HALLOWEEN: THE CURSE OF MICHAEL MYERS kursiert neben einem blutigeren Director’s Cut auch der „Producer’s Cut“. Dieser enthält das ursprünglich vorgesehene Ende sowie einige längere Szenen. Ob CURSE in dieser Version besser ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich finde ihn auch so gar nicht so schlecht. Insgesamt konnte keines der HALLOWEEN-Sequels den Standard des Originals auch nur annähernd erreichen und selbst wenn man das als Gesetz annimmt, sind die Teile 2, 4 und 5 kaum mehr als Durchschnitt. CURSE versucht wenigstens etwas Neues und ist in seinem Scheitern gelungener als die mutlosen Vorgänger. Paul Rudd sollte man bei Gelegenheit mal auf sein Debüt ansprechen. Könnte lustig werden.

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