Archiv für Oktober, 2012

Die Handlung dieses fünften Sequels kurz und bündig zusammenzufassen, ist auch nach Studium der ausführlichen Wikipedia-Nacherzählung ein annähernd hoffnungsloses Unterfangen. Sechs Jahre nach HALLOWEEN 5: THE REVENGE OF MICHAEL MYERS knüpft Chappelles Film zwar direkt an den Vorgänger an, nimmt einen Faden auf, den jener geknüpft und dann verwaist liegen gelassen hatte. Dieser führt jedoch nicht als Ariadne-Faden ans Ziel, sondern nur weiter in die Irre. Teil 6 weicht weit vom in den anderen Teilen der Serie (womit HALLOWEEN III: SEASON OF THE WITCH ausgenommen ist) eingeschlagenen Weg ab. Anstatt Myers als personifiziertes, aber weitestgehend unerklärliches Böses zu inszenieren, wird hier erstmals der Versuch unternommen, seine Handlungen über einen vulgärpsycholgischen Ansatz hinaus zu motivieren. Und dazu wird dann ein ganz neues Fass aufgemacht, eines, das nur wenig mit der bisherigen Slasherfilm-Tradition zu tun hat.

Ein Druidenkult kommt ins Spiel, ein alter Fluch, der Unheil verspricht, und ein Weg, dieses Unheil durch Menschenopfer aus der eigenen Familie abzuwenden. Und Michael Myers soll einer jener Auswerwählten sein, die diese Menschenopfer darbringen, um die Gemeinschaft zu retten. Natürlich gibt es auch einen menschlichen Übeltäter hinter Michael, einen Mann, der den Killer instrumentalisiert und finstere Pläne mit ihm verfolgt. Man mag von diesem Einfall halten, was man will. Gegenargumente sind schnell zur Hand: In dem Moment, in dem man Michael Myers verrationalisiert, neutralisiert man ihn auch. Und der herbeifabulierte Fluch fällt so weit aus der bisher etablierten Bilderwelt der Filme, dass es schwerfällt, ihn zu akzeptieren. Zumal er gleich Dutzende neuer Fragen aufwirft, in dem Versuch, eine einzige zu beantworten. Dennoch wirkt er nicht wie ein völliger Fremdkörper. Atmosphärisch fügt sich HALLOWEEN: THE CURSE OF MICHAEL MYERS nahtlos in die Serie ein, bringt zudem auch abseits der Haupthandlung eigene Ideen ein, die man in HALLOWEEN 4: THE RETURN OF MICHAEL MYERS und HALLOWEEN 5: THE REVENGE OF MICHAEL MYERS zuvor schmerzlich vermisst hatte. Myers ist in Teil 6 vollends zum Mythos geworden und der Kampf der Jugendlichen gegen seinen alles überragenden Schatten verleiht der Geschichte einen realistischen Zug, der neu ist und durchaus überzeugt. Chappelle inszeniert auch die Attacken des Killers wieder mit etwas mehr visuellem Gespür, als es in den beiden stilistisch doch eher steifen Vorgängern der Fall war. Das Hauptproblem bleibt aber bestehen: CURSE kommt mit all seinen Ideen relativ wirr daher und konzentriert sich mit dem Druidenfluch ausgerechnet auf die mit Abstand uninteressanteste von allen.

Möglicherweise liegt der Hund aber auch ganz woanders begraben: Die Produktion wurde, wie es sich für einen Film mit dem Wort „Curse“ im Titel gehört, von zahlreichen Problemen heimgesucht. Bis das Drehbuch stand, zogen mehrere Jahre ins Land, dann machte der Tod von Loomis-Darsteller Donald Pleasence noch vor Fertigstellung des Films diverse Rewrites notwendig. Ein früher Wintereinbruch brachte den Zeitplan durcheinander, Produzent Paul Freeman griff schließlich eigenmächtig in die Fertigstellung ein, filmte wichtige Szenen selbst, überwachte die Postproduction und zwang die Produktionsfirma mit seinem Verhalten schließlich dazu, nachträglich nachzubessern. Der veröffentlichte Film war zwar recht erfolgreich, verfehlte aber das Ziel, das Franchise neu zu beleben. Jahre später wurde mit HALLOWEEN H20 ein konservatives Sequel/Reboot ins Rennen geschickt, der den Druidenkult völlig ignorierte. Von HALLOWEEN: THE CURSE OF MICHAEL MYERS kursiert neben einem blutigeren Director’s Cut auch der „Producer’s Cut“. Dieser enthält das ursprünglich vorgesehene Ende sowie einige längere Szenen. Ob CURSE in dieser Version besser ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich finde ihn auch so gar nicht so schlecht. Insgesamt konnte keines der HALLOWEEN-Sequels den Standard des Originals auch nur annähernd erreichen und selbst wenn man das als Gesetz annimmt, sind die Teile 2, 4 und 5 kaum mehr als Durchschnitt. CURSE versucht wenigstens etwas Neues und ist in seinem Scheitern gelungener als die mutlosen Vorgänger. Paul Rudd sollte man bei Gelegenheit mal auf sein Debüt ansprechen. Könnte lustig werden.

Nachdem Detective Lucas McCarthy (Lance Henriksen) den brutalen, vermutlich 100-fachen Serienmörder Max Jenke (Brion James) zur Strecke gebracht hat, ist er schwer traumatisiert und wird von Albträumen geplagt, das Familienleben leidet. Der Besuch bei der Hinrichtung des Killers soll leisten, was McCarthy dem Psychologen nicht zutraut: Ihn von allen Ängsten befreien. Doch es kommt anders: Jenke überlebt mehrere Stromstöße und nutzt seine letzten Atemzüge, um dem schockierten Polizisten persönlich zu drohen, ihm das Leben fortan zur Hölle zu machen. Tatsächlich wird McCarthy fortan vom untoten Killer heimgesucht und verliert gegenüber der ratlosen Familie immer häufiger die Fassung. Als der Freund von McCarthys Tochter schließlich tot aufgefunden wird, steht der hilflose Polizist plötzlich auch noch unter Mordverdacht …

THE HORROR SHOW erschien in Deutschland zu einer Zeit auf Video, in der ich gerade begann, meine nachmittägliche Freizeit zwischen den Regalen „meiner“ Familienvideothek zu verbringen. Auch zur Ausleihe dieses Films konnte ich meine Mutter eines Tages überreden, musste dann aber konsterniert feststellen, dass er in der deutschen Fassung einige Federn gelassen hatte. Diese speziell deutsche Form des erfolgsverhindernden Missmanagements setzte aber nur fort, was schon in den USA begonnen hatte: Der mit Lance Henriksen und Brion James exzellent besetzte Film begab sich thematisch ausgerechnet in Konkurrenz zu Wes Cravens beinahe zeitgleich erschienenem SHOCKER, hatte dem mit hitgespicktem Metalsoundtrack und postmodernem Teenieappeal daherkommenden Film – zudem selbst ein Flop – aber nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Wo Craven die Grenzen zwischen Horror, Komödie und Videoclip lustvoll und zielgruppengerecht verwischte (wahrscheinlich auch der Grund, warum ich den Film so beschissen finde), servierte Isaac einen düstereren, erwachseneren Horrorfilm, in dem die dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Effekte und die zu jener Zeit obligatorischen Franchise-Bemühungen deutliche Irritationsmomente darstellen. So oft, wie hier der Name des Killers beschworen wird, er den Protagonisten aus dem Fernsehen oder als Gummitruthahn vom Essenstisch belästigt, kann man die Freddy-Krueger-Assoziationen nur schwerlich abschütteln. Das kann dem Film zwar keinen echten Schaden zufügen, beißt sich aber dennoch mit seinen Bemühungen um ernsten Thrill. Dann ist da noch dieser hoffnungslos nichtssagende Titel. Wie wenig man dem zu Recht vertraute, mag die Existenz der – allerdings kaum weniger einfallslosen – Alternativen HOUSE 3 und HORROR HOUSE belegen. Wer sollte sich von diesem Titel angelockt fühlen?

Vielleicht ist THE HORROR HOUSE aber auch dazu geschaffen, 20 Jahre after the fact wiederentdeckt zu werden. An ihm lässt sich gut nachvollziehen, welche Kluft zwischen den Achtziger- und Neunzigerjahren erst überwunden werden musste, um dem Serienkillerfilm zur nur zwei Jahre später sich neu entfaltenden kommerziellen Blüte zu verhelfen: Dass der Polizist das Drängen seiner Ehefrau, die Therapie zu verlängern, mit einer abfälligen Bemerkung ablehnt, verdeutlicht das Dilemma des Eighties-Helden, für den Traumata, Ängste und Neurosen Weiberkram sind und der es gewohnt ist, die Dinge durch Taten zu verändern. Er muss auf die harte Tour lernen, dass es Dinge gibt, die sich seinem Zugriff entziehen. THE HORROR SHOW kommt ihm insofern entgegen, als sein Schurke ihn nicht länger bloß als immaterielle Phobie heimsucht, sondern tatsächlich Gestalt angenommen hat: McCarthy wäre wohl verloren, wenn er die Ursache seiner Ängste nicht ein zweites Mal ins Jenseits schicken könnte. THE HORROR SHOW und sein Protagonist erinnern massiv an einen weiteren Serienkiller-Film seiner Zeit: das Chuck-Norris-Vehikel HERO AND THE TERROR. Auch dort hatte der Protagonist die Begegnung mit einem Mörder nicht ohne Schaden überstanden, auch dort begab er sich in Therapie, auch dort musste er seine Nemesis ein zweites Mal besiegen, sein Trauma durch Konfrontation beseitigen. Und auch dieser Film war ein kommerzieller Fehlgriff, der Norris dazu zwang, mit seinem nächsten Film wieder in gewohnte Gewässer zurückzukehren. THE HORROR SHOW ist der deutlich bessere, aber auch der weniger interessante Film von beiden. In HERO AND THE TERROR kann die Zerrissenheit im Sein nicht aufgelöst werden, sie affiziert den ganzen Film, der unentschlossen zwischen den Polen Actionfilm und Psychodrama pendelt. THE HORROR SHOW endet hingegen gänzlich unironisch mit einem Happy End, in dem auch das vermisste Familienkätzchen wieder auftaucht und auch den letzten Zweifel daran beseitigt, dass hier alles wieder im Lot ist. Der Film fällt selbst auf dieses Happy End herein, aber wir, die wir THE SILENCE OF THE LAMBS kennen, wir wissen natürlich, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor.

André Toulon (Guy Rolfe) erinnert sich, wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen war: Als junger Puppenspieler (Greg Sestero) im Paris der Jahrhundertwende begegnet er eines Tages dem Jahrtausende alten ägyptischen Zauberer Afzel (Jack Donner). Der hat der Gottheit Suthek das Geheimnis des Lebens entwendet und ist nun auf der Flucht vor dessen Schergen. Er weiht den Puppenspieler ein …

RETRO PUPPET MASTER knüpft nahtlos an den Vorgänger an: Wie dieser befleißigt er sich eines ruhigeren, beinahe märchenhaften Tons und fährt damit ganz gut. Gleichzeitig kehrt er aber zur ursprünglichen Mythologie um den Puppenspieler Toulon zurück, beleuchtet nun endlich die genauen Umstände, unter denen er zu jenem Mann wurde, dem sich die ersten Filme der Serie widmeten. Unter normalen Umständen würde ich kritisieren, dass dieser Erklärbär-Modus eher dazu geeignet ist, das Mysterium, das einen guten Horrorfilm auszeichnet, zu zerreden: Aber bei einem Full-Moon-Film ist man für jede erzählerische Idee dankbar und realistisch betrachtet war ja schon der Original-PUPPET MASTER nicht gerade der Stoff, der einen um den Schlaf bringt. Von einem Erbe, dem man Schande machen würde, kann also nur schwerlich die Rede sein. Auffällig ist, dass man die ursprüngliche Erklärung – bisher hieß es immer, Toulon habe das Geheimnis des Lebens selbst von einer Reise nach Kairo mitgebracht – hier zugunsten einer neuen verwirft. Wahrscheinlich schreckte man – zu Recht! – davor zurück einen Film dieser Größenordnung in der ägyptischen Metropole anzusiedeln. So spielt RETRO PUPPET MASTER also in Paris, auch gut. Der Titel bezieht sich sowohl auf den Rückblickscharakter des Films als auch auf das Puppendesign: Statt der altbekannten Puppenheimer, an denen man sich doch etwas sattgesehen hat, gibt es hier Toulons erste Schöpfungen zu sehen, die noch weniger geschliffen – eben im Retrolook – daherkommen und sehr hübsch anzuschauen sind. Weniger gut gelungen sind die visuellen Effekte um Sutheks Diener, die einen leichten MATRIX-Einfluss erkennen lassen: besonnenbrillte Anzugtypen mit verzerrten Stimmen. Es handelt sich aber um reaktivierte Mumien mit aufgemalten Fäulnisflecken im Gesicht, das wäre also der originelle Part.

Wie schon die vorangegangenen Beiträge kann  auch dieser Film das Wohlwollen des geneigten Zuschauers (sprich: meins) nicht bis zum Ende aufrechterhalten. Es fehlt einfach eine Idee, die über das bloß routinierte Abspulen des Vorhersehbaren hinausginge. Ich vermisste eine Überraschung, Raffinesse: Mag sein, dass das zu viel verlangt ist von einem Full-Moon-Film, der in erster Linie Geld bringen soll, aber wenn man solche Filme nicht mit einem gewissen Enthusiasmus macht, warum dann überhaupt? Das Finale muss man schon als antiklimaktisch bezeichnen und das liegt nicht nur daran, dass offensichtlich keine Kohle da war, um sich etwas halbwegs Spektakuläres zu leisten. Wie dem auch sei: RETRO PUPPET MASTER ist ganz niedlich und bleibt als besserer Eintrag der Serie im Gedächtnis. Ich bin jetzt erst einmal ganz froh, etwas anderes schauen zu können. Die nach diesem entstandenen PUPPET MASTER-Filme werde ich wohl vorerst meiden, Komplettierung bin ich aber nie abgeneigt. Full Moons Oeuvre bleibe ich zukünftig treu, die TRANCERS- und SUBSPECIES-Reihen sowie die ersten beiden GINGERDEAD MAN-Filme mit Gary Busey sind schon vorgemerkt. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie mag ich diesen trivialen Schrott …

Der etwas tumbe, aber herzensgute und hoch talentierte Robert (Josh Green) wird von Dr. Magrew (George Peck), der ein Puppenkabinett betreibt, als Assistent engagiert. Seine Figuren sind von echtem Leben beseelt und auch Robert soll in diese Kunst eingeführt werden. Zwischen dem Jungen und Magrews Tochter Jane (Emily Harrison) entspinnt sich jedoch eine sanfte Romanze, die dem Puppenmeister nicht so recht in den Plan passt. Denn er hat andere, finstere Pläne für Robert …

Nach dem selbst für Full-Moon-Verhältnisse katastrophal miesen PUPPET MASTER 5: THE FINAL CHAPTER ging man in den Büros der rührigen DTV-Horrorschmiede in Klausur. Knapp fünf Jahre verstrichen, bis dieser sechste Beitrag zur Reihe veröffentlicht wurde. Und das Bedürfnis nach einem Neuanfang erkennt man sofort: Schon der Titel bricht mit der bisherigen Tradition simpler Durchnummerierung, inhaltlich hat CURSE OF THE PUPPET MASTER mit den Vorgängern fast gar nichts zu tun. Der Name „Toulon“ taucht mal auf einem Schild auf, ohne dass weiter darauf eingegangen würde, und natürlich sind die liebgewonnenen Puppen mit von der Partie, doch sonst ist DeCoteaus zweiter Beitrag zur Reihe bemerkenswert eigenständig und „unseriell“. Anstatt weiter im Modus des Achtziger-/Neunziger-Videothekenhorrors zu machen, der seine Inspiration dem Slasherkino verdankte, orientiert sich DeCoteau für diesen Beitrag eher am klassischen Horrorfilm, der immer mit leicht melodramatischer Note ausgestattet war. Im Mittelpunkt stehen also Menschen, nicht irgendwelcher kindischer Unfug. Nur langsam – mancher würde vielleicht auch sagen: langweilig – entfaltet sich die Geschichte um Robert, seine unglückliche Liebe zu Jane und das Geheimnis des Puppenspielers Magrew: Zwar ahnt man recht früh, wohin die Reise gehen wird, und CURSE ist auch nicht frei von den erwartbaren Defiziten des Low-Budget-Films, aber der Versuch, das ganze Treiben emotionell zu erden, ist definitiv ein Schritt in die richtuge Richtung und muss gelobt werden. Okay, die Schauspieler sind bestenfalls durchschnittlich, die Dialoge hölzern und die Puppeneffekte haben sich auch nicht eben weiterentwickelt, aber mir hat der Film trotzdem Spaß gemacht. DeCoteau macht genau das, was schon seinen dritten Teil herausstechen ließ: Er verlässt sich nicht auf seine Effekte und den vergänglichen Reiz der Stop-Motion-Puppen, sondern bietet „Charaktere“ an, deren Schicksal den Kern der Geschichte ausmacht. Dass dabei kein Film rausgekommen ist, der zu Tränen rührt, bis ins Mark erschüttert oder einen in Euphorie versetzt, war wohl zu erwarten. Ich würde ihm das nicht vorwerfen. Für das, was er ist, ist CURSE sehr, sehr ordentlich geworden.

Nach den Ereignissen des Vorgängers findet sich Rick (Gordon Currie) in polizeilichem Gewahrsam wieder: Weil der zuständige Detective (Ron O’Neal) seine wüste Geschichte um Killerpuppen nicht glauben will, gilt Rick als Hauptverdächtiger in einer Mordserie. Sein Arbeitgeber hat allerdings Interesse an seiner Geschichte: Er hinterlegt nicht nur die Kaution für Rick, sondern entsendet auch drei Finstermänner, die das Hotel in der Bodega Bay nach den geheimnisvollen Puppen durchsuchen sollen …

… und damit ist tatsächlich der ganze Plot des Films erzählt. Ein Großteil der mit 75 Minuten nicht eben üppigen Laufzeit wird damit gefüllt, egale Figuren durch die Dunkelheit des Hotels staksen und dann und wann den Zwergdämonen oder Toulons Puppen zum Opfer fallen zu lassen. Am Schluss explodiert der böse Oberdämon in seiner dringend einer Renovierung bedürfenden Dimension und einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe, ist zu Ende. An PUPPET MASTER 5 gibt es tatsächlich nichts zu beschönigen: Aus der Idee, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, wird gar nichts gemacht, vielmehr ausgerechnet das, was in diesem langweilig und vergessenswürdig war, nochmal aufgekocht. Vielleicht hätte man doch beim ursprünglichen Plan bleiben sollen, Teil 4 und 5 zu einem Film zusammenzuschneiden, anstatt aus der Idee für einen halben Film gleich zwei zu machen. Dieser hier ist die Laufzeit nicht wert und verheizt auch noch verdiente Exploitation-Ikonen wie Clu Gulager (gesehen habe ich ihn nicht, aber IMDb behauptet das) und Ron O’Neal für seine kläglichen Versuche in Unterhaltung. Mehr Worte hat dieser Schrott nicht verdient.

puppet master 4 (jeff burr, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 21, 2012 in Film
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Die Dämonen, denen Toulon das Geheimnis des Lebens entrissen hat, wollen es zurück. Sie schicken deshalb kleine Horrorwesen auf die Erde. Fortan muss sich Rick Myers (Gordon Currie), ein jugendliches Genie, der Biester erwehren: Er arbeitet für ein Wissenschaftsprojekt an der Erzeugung künstlichen Lebens und hat sich dazu als Hausmeister im leerstehenden Hotel in der Bodega Bay einquartiert, wo die Puppen vor Jahren ein Massaker anrichteten …

Gegenüber PUPPET MASTER 3: TOULON’S REVENGE ist Burrs vierter Teil leider wieder ein Rückschritt. Hatte der Vorgänger durch den historischen Background erheblich an Scope gewonnen, kehrte man für diesen Teil unerklärlicherweise wieder in die Gegenwart und das beengte Setting der ersten beiden Teile zurück. Burr, dessen unglücklich verlaufene Karriere ich schon mehrfach thematisiert habe, bemüht sich redlich, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen, und es ist ihm hoch anzurechnen, dass PUPPET MASTER 4 immerhin ansehbar und streckenweise auch ganz lustig geworden ist, aber auch er kann Scheiße nicht in Gold verwandeln. Das Elend beginnt und endet mit dieser blöden Dämonen-Idee: Die Unterwelt, in die ein paarmal „rübergeschaltet“ wird, um einen Pappmaché-Dämonen mit Trichterbrust, Stielnippeln und Wasserkopp beim albernen Monologisieren zuzuschauen, ist etwa so effektiv wie die durchschnittliche Dorfgeisterbahn, wenn der Bucklige Kartenabreißer gerade seinen freien Tag hat. Überhaupt muss doch die Kompetenz dieses Gesellen angezweifelt werden, wenn er keine anderen Mittel zur Verfügung hat, die Protagonisten-Nerds aus dem Weg zu räumen, als ein paar Topfpflanzen-große Zwergdämönchen. Dass erwachsene Menschen sich nicht ein paar Spielzeugpuppen erwehren können, war schon in den vorangegangenen Filmen die Plausibilitätshürde, die man zu überspringen hatte, aber hier fällt das erst so richtig ins Gewicht. PUPPET MASTER 4 hat null Schauwerte: Nicht ungewöhnlich für eine solch eilig für den Videomarkt runtergekurbelte Billigware, aber dennoch hätte man aus den vorhandenen Mitteln sicherlich mehr machen können.

Auf der Habenseite des Films steht seine herrliche Naivität und Cheesiness: Der musikalische Soundtrack wird mit 1993 reichlich antiquiert klingendem US-Hardrock bestritten, Held Rick testet seine superintelligenten Roboter (Made in China, Batterien im Lieferumfang nicht enthalten) in nervenzerfetzenden Lasertag-Duellen in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer, wo er in Antizipation späterer Actionstandards vom Bett hinter den Wäschekorb hechtet, dabei mit seinem Virtual-Reality-Laserhandschuh auf die unbeholfen rumeiernden Robbies ballernd. Und dann dürfen auch der schmierige Konkurrent Cameron und seine Freundin Lauren nicht vergessen werden: Er sieht aus wie eine unsympathische Mischung aus Parker Lewis und Vanilla Ice, sie ist die in diesen Filmen obligatorische Metaphysik- und Parapsychologie-Studentin. Auf die Frage, worauf sie sich spezialisiert habe, antwortet sie mit allergrößter Selbstverständlichkeit: „I’m a Channeler.“ Klarheit, von der Germanisten nur träumen können, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Leider hält der Film dieses Blödheitsniveau nicht durchgehend, sondern wird irgendwann ziemlich trist. Stimmung kommt am Schluss nochmal auf, wenn die Puppen via alter Frankenstein-Technik einen weiteren ihrer Puppenkumpels zu Leben erwecken. Der Fight gegen die Dämonenbrut lockt aber wirklich niemanden hinter dem Ofen hervor. Wäre man doch bloß bei den Nazis geblieben! Da ich auch den Back-to-Back produzierten PUPPET MASTER 5 gesehen habe, weiß ich aber: Es geht wirklich noch schlimmer. Und deswegen will ich mit PUPPET MASTER 4 nicht zu hart ins Gericht gehen.

Während des Zweiten Weltkriegs versucht Professor Hess (Ian Abercrombie) für die Nazis ein Serum zu entwickeln, mit dem man Tote wiederbeleben kann – ohne Erfolg. Als die Aufmerksamkeit der Nazis auf den systemkritischen Puppenspieler Toulon (Guy Rolfe) fällt, kommen sie ihrem Wunsch jedoch ein Stück näher. Denn dessen Puppen scheinen tatsächlich zu leben. Major Krauss (Richard Lynch) will ihm sein Geheimnis um jeden Preis abjagen …

Heute würde man PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE als „Prequel“ bezeichnen. 1991 war man da weniger akribisch und freute sich lediglich über eine Fortsetzung, die einem etwas Vorgeschichte zum Puppenspieler Toulon lieferte. Man erfährt zwar nichts wirklich essenziell Neues – was die Nazis von ihm im ersten Teil wollten, war ja klar –, dennoch ist es – ausgerechnet!, möchte ich hinzufügen – DeCoteau tatsächlich gelungen, den bislang besten Film der Reihe vorzulegen. Schon vom ersten Blick auf die optimistisch als „Berlin, 1941“ bezeichnete Pappmaché-Stadt hebt die Stimmung an. Zwar wurde PUPPET MASTER III zu 100 % in muffigen Studiosettings realisiert (IMDb weist als Drehort „Backlot, Universal Studios“ aus), doch das historische Setting, die Anwesenheit schurkischer Nazis, allen voran Richard Lynch, und missglückter Zombieexperimente, lässt dieses Manko leicht vergessen. Richtig spannend ist auch dieser Teil wieder nicht, aber eben auch nicht so beliebig und generisch wie sein direkter Vorgänger.

Am wichtigsten ist wohl, dass einem die Figuren nicht mehr so schrecklich wurst sind wie in den Teilen zuvor: Guy Rolfe – der seine Rolle aus DOLLS wiederholt – füllt den Part des Toulon mit jenem Leben, lässt den Zuschauer in einigen Szenen wirklich mitleiden, macht den Schmerz des Puppenspielers nachvollziehbar. Zum ersten Mal hatte ich in dieser Serie das Gefühl, dass der Puppenspieler nicht nur erfunden wurde, um einen Grund für seine lustigen Kreationen zu haben, sondern dass diese Figur wirklich Potenzial hat. Die tragischen Untertöne stehen PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE sehr gut zu Gesicht. Am Ende, wenn Toulon Deutschland mit seinen Puppen im Gepäck verlässt, kam wirklich etwas Vorfreude auf Teil 4 auf. Die wurde durch die stussige Ankündigung von PUPPET MASTER 4: WHEN BAD PUPPETS TURN GOOD auf typisch Full-Moon’sche Art unterlaufen, aber immerhin. In einer nicht unwichtigen Nebenrolle als General Müller ist übrigens Walter Gotell, der KGB-Russe aus unzähligen Bond-Filmen, zu sehen. Er scheint seinen Spaß gehabt zu haben: Kein Wunder, darf er doch in der obligatorischen Tittenszene mitwirken.