porky’s (bob clark, kanada/usa 1982)

Veröffentlicht: November 2, 2012 in Film
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Die Jungs von der floridianischen High School von Angel Beach haben nichts anderes im Kopf als Sex. Vor allem Pee Wee (Dan Monahan) muss dringend seine Jungfräulichkeit verlieren. Die Suche nach Pussy führt sie schließlich ins „Porky’s“, ein Redneck-Striplokal weit draußen in den Everglades. Doch anstatt dort für ihr hart verdientes Geld in den Genuss kubanischer Prostituierter zu kommen, werden sie vom Besitzer Porky (Chuck Mitchell) bestohlen und gedemütigt. Die Freunde sinnen auf Rache …

PORKY’S war bei mir immer als US-Version von EIS AM STIEL abgeheftet. Der Vergleich ist nicht ganz umpassend: Wie die israelische Serie spielt auch PORKY’S in den Fünfzigerjahren, er handelt vom sexuellen Erwachen seiner männlichen Protagonisten, präsentiert sich als muntere Abfolge frivoler und humoriger Episödchen, greift für den Soundtrack ausgiebig auf Rock’n’Roll-Klassiker zurück und würzt das alles mit wohldosierten Nuditäten. Insgesamt ist PORKY’S aber wesentlich zahmer als sein „Vorbild“. Die Blicke auf weibliche Brüste sind kurz, Sex wird nur wenig explizit dargestellt: Wie im echten Leben sind die Fantasien der Jungs in PORKY’S stets etwas größer als die Realität. Nirgends wird das deutlicher als im titelgebenden Etablissement: Der Ort, an dem die kühnsten sexuellen Träume erfüllt werden sollen, ist eine miese Absteige, wo alle bitter enttäuscht werden. Welche Vorbereitung auf das Leben! Bob Clark fängt den Alltag seiner Protagonisten, das, was sie umtreibt, meiner Meinung nach sehr authentisch ein: ihre blöden Streiche, das unablässige Brodeln der Gerüchteküche, das gegenseitige Anstacheln, Hereinlegen und Herausfordern, kurz: die ganze Sorglosigkeit der Jugend, die ihre winzigen Problemchen als absolut zentral betrachtet. Und mitten in diese Trivialität mischen sich dann wieder echte Sorgen, die einen Vorgeschmack auf das geben, was da draußen nach der High School wartet.

Diese Authentizität wirkt manchmal durchaus etwas befremdlich: Den Humor der Kids habe ich bisweilen mit Befremden betrachtet. Er ist eben eindimensional und pubertär: Da wird etwa der Telefongag mit dem Namen „Mike Hunt“ breit ausgewalzt und Milchbubi Pee Wee mit einem Riesenkondom für seinen Minipimmel geärgert. Genau das, worüber man sich mit 16 selbst noch beömmelt hätte, 20 Jahre später aber nur noch leicht beschämt zur Kenntnis nehmen kann. Aber wie gesagt: Dem Film schadet das nicht, wohl auch, weil jeder einzelne seiner zahlreichen Protagonisten im Verlauf der 90 Minuten zu einem wiedererkennbaren Charakter heranreift, die Episoden – jene um Sportlehrerin Mrs. Honeywell (Kim Cattrall) und ihren rätselhaften Spitznamen „Lassie“ oder die Kämpfe mit der puritanischen Mrs. Balbricker (Nancy Parsons) – alle eine eigene kleine Dramaturgie haben. Und nicht zuletzt deshalb, weil Clark seinen Film mit unübersehbar subversiver, antiautoritärer Schlagseite versieht, während viele vergleichbare Filme vor allem unangenehm spießig sind. Dieser Aspekt wird im Sequel noch stärker hervortreten.

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