the sender (roger christian, großbritannien 1982)

Veröffentlicht: November 13, 2012 in Film
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Nach einem missglückten Selbstmordversuch landet ein namenloser, junger Mann (Zeljko Ivanek) als „John Doe 83“ in einer Heilanstalt und dort in der Obhut der Psychologin Dr. Gail Farmer (Kathryn Harrold). Sie entwickelt schnell Sympathien für den stillen, tief verletzt wirkenden Patienten. Und dieser wohl auch an ihr, denn eines Abends beobachtet sie ihn, wie er eine Halskette aus ihrer Wohnung entwendet. Doch alles entpuppt sich als Einbildung der Ärztin: John Doe sendet der Frau telepathische Botschaften und Bilder, die sie fieberhaft zu entschlüsseln versucht. Unterdessen kommen ihrem Vorgesetzten Dr. Denman (Paul Freeman) langsam Zweifel an ihrer geistigen Gesundheit …

Die frühen Achtziger waren wohl eine gute Zeit für Horrorfilme mit Telepathie-Bezug: CARRIE lag noch nicht allzu weit zurück, moderne Klassiker wie De Palmas THE FURY und Cronenbergs SCANNERS entstanden, THE DEAD ZONE sollte bald folgen, ein paar weitere habe ich jetzt wahrscheinlich unterschlagen und mit Roger Christian lieferte ein Newcomer ein doch recht ansehnliches Derivat zum Minitrend ab. Formal ist THE SENDER sehr überzeugend, braucht den Vergleich mit genannten Meisterwerken nicht zu scheuen, auch wenn er an diese logischerweise nicht heranreicht: ruhig und geduldig inszeniert, schön fotografiert, mit einem traurigen, getragenen Score von Trevor Jones und einer guten Leistung des Hauptdarstellers, der den brütenden, schweigenden Sonderling gibt, ohne damit Aggressionen beim Zuschauer auszulösen. Auch die Effektszenen verfehlen ihre Wirkung nicht: Christian setzt nicht allein auf grelle Vordergründigkeit, vielmehr unterstreichen diese Szenen den unheimlichen Charakter des Films, seine deprimierende, hoffnungslose Stimmung. Sie bewahren das Geheimnis ihres Protagonisten, anstatt es bis auf Herz und Nieren zu durchleuchten. Wo ich schon bei der Atmosphäre bin: Tatsächlich ist Cronenbergs THE DEAD ZONE in dieser Hinsicht ein ganz guter Vergleich, weil beide Filmen die Begabung des Protagonisten als Fluch darstellen. In Cronenbergs Film kommt das zwar noch viel deutlicher zum Vorschein, weil er auf Handlungsebene eine über das bloß individuelle hinausgehende gesellschaftlich-politische Dimension anvisiert – seine Hauptfigur muss sich opfern, um die Welt zu retten –, trotzdem löst THE SENDER ganz ähnliche Gefühle aus. Der Versuch, sein Leid mitzuteilen, bringt für John Doe keinerlei Erlösung. Es ist ein Hilferuf, der zwar nicht ungehört verhallt, letztlich aber nichts an seiner Verlorenheit ändert.

Leider wird man als Zuschauer mit seiner Empathie am Ende von THE SENDER ein bisschen allein gelassen, weil der Film mit seiner Auflösung ins Leere läuft. Christian schürt große Erwartungen, die letztlich milde enttäuscht werden. Vielleicht sollte ich hier auch nicht unzulässig verallgemeinern: Ich war mir am Ende nicht ganz sicher, ob das alles wirklich so unspektakulär ist, oder ob mir lediglich etwas Entscheidendes entgangen war. Dass meine liebe Gattin mir sagte, dass sie den Film nicht verstanden habe, stützt meine Kritik – oder aber das alte Sprichwort, dass sich doof und doof gern gesellen. Wie dem auch sei: THE SENDER ist ein Film, der mit seiner Ernsthaftigkeit aus der Masse heraussticht und unbekannt genug ist, um ihn Genrefreunden, die gern in der Vergangenheit stöbern, ans Herz zu legen.

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