nowhere to run (robert harmon, usa 1993)

Veröffentlicht: November 18, 2012 in Film
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Von seinem Partner, für den er eine Haftstrafe wegen Mordes absitzt, wird der Bankräuber Sam (Jean Claude Van Damme) bei einem Gefangenen-transport rausgehauen. Den Flüchtigen verschlägt es danach in eine ländliche Gegend, wo Clydie (Rosanna Arquette), Witwe und Mutter zweier Kinder, ihr Heim gegen den Grundstücks-spekulanten Franklin Hale (Joss Ackland) verteidigt, der dort eine luxuriöse Wohnsiedlung errichten möchte. Sam steht ihr in diesem Kampf, der sich durch das Handeln von Hales Partner Mr. Dunston (Ted Levine) immer mehr zuspitzt …

NOWHERE TO RUN war bei mir als eher actionarmer Versuch Van Dammes abgeheftet, sich als ernster Darsteller und romantischer Liebhaber zu etablieren – kein untypischer, aber meist erfolgloser Karriereschritt für Actionstars –, weshalb ich ihn bislang links liegen lassen habe. Zwar reduziert THE HITCHER-Regisseur Harmon etwaige Fights und ist um eine gewisse Ernsthaftigkeit bemüht, dennoch ist NOWHERE TO RUN ohne Zweifel ein Actionfilm; eben lediglich einer, der nicht nur den Kickbox-begeisterten Prolo in Trainingshose, sondern eben ein breiteres Publikum anspricht. Er orientiert sich ganz eindeutig an George Stevens großem Klassiker SHANE – der mysteriöse Fremde, der wie aus dem Nichts kommt und den Guten im Kampf gegen das Böse beisteht – und spult dann eine Geschichte ab, die man nur als Standard bezeichnen kann: Kleineren Auseinandersetzungen folgen bald größere, die Enthüllung seiner dunklen Vergangenheit entzweit den Helden und seine damsel in distress, er tritt die Weiterreise an, bevor er dann schließlich pünktlich zur totalen Zuspitzung wieder auf der Bildfläche erscheint, um den Tag zu retten. Das sieht alles sehr hübsch aus und ist so kurzweilig, wie man eine solch abgedroschene Geschichte erzählen kann.

Was oben angesprochene (Fehl-)Einschätzung des Films als Liebesdrama angeht, so ist diese nicht gänzlich aus der Luft gegriffen: Mehr als sonst wird hier das traute Familienidyll beschworen und der großbusigen Clydie (die Arquette zieht zweimal blank) stehen zu diesem Zweck gleich zwei kulleräugige Balgen (eins davon Macauleys Bruder Kieran Culkin) zur Seite, um den schönen Fremden dauerhaft zu binden. Die Szenen, in denen JCVD vom Sohnemann angehimmelt wird, sind vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, aber diese Kritik verkennt ja auch, dass die Muscles from Brussels mehr als alle anderen Actiondarsteller immer einen entschieden bürgerlichen Impuls hatten. Van Damme war als gutaussehender, junger Darsteller mehr als seine Kollegen prädestiniert für die heiße Romanze und die Rolle als fürsorglicher Ehemann: Dass er die schnittige Witwe hier aus ihrer Einsamkeit rettet und gleichzeitig auch noch den Traumpapa abgibt, ist also nicht so verwunderlich.

Wohl aber, dass Drehbuch-Zampano Joe Eszterhas selbst diesem biederen Stoff noch seinen gewohnt sexualisierten Schmier verpasst. Am Esstisch bemerkt das Töchterchen sehr zur stillen Freude Sams, das er einen „big penis“ hat (sie hatte ihn vorher nackig beim Baden gesehen), worauf Clydie – zu seiner Ernüchterung – entgegnet, er sei keinesfalls „big“, sondern nur „average“ (sie durfte ihn zuvor beim Duschen begutachten). Und nachdem die beiden Turteltauben dann endlich die erste Nacht gemeinsam verbracht haben und Clydie ihrem Sohn am nächsten Morgen verbietet, ihn schon zu wecken, da fragt er sie ebenso wissend wie vorwurfsvoll, was sie denn mit ihm angestellt habe. Das soll lustig sein und man darf diese Anflüge von Humor zumindest als gewissermaßen subversiv in ihrer Offenheit bezeichnen, aber sie befremden dennoch, weil man diese vom Actionfilm eigentlich nicht gewohnt ist – und auch nicht unbedingt haben will. Der mysteriöse Fremde wird durch solche Volten auf eine Art und Weise banalisiert, die der Figur nicht gerade hilft. Hier scheint lediglich auf die Masturbationsfantasien von Hausfrauen mit Van-Damme-Faible abgezielt worden zu sein. Für Eszterhas, der sonst eher Männer mit Wichsvorlagen bediente, immerhin ein fast emanzipatorisch zu bezeichnendes Novum. Für NOWHERE TO HIDE heißt es, dass man zwei, dreimal die Zähne zusammenbeißen muss, ansonsten aber einen ordentlichen Actionfilm für Zwischendurch bekommt, an dem man nicht wirklich rumnörgeln muss.

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