der commander (antonio margheriti, deutschland/italien 1988)

Veröffentlicht: November 19, 2012 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

Der kambodschanische General Dong macht Drogengeschäfte mit dem CIA, will aber plötzlich mehr Geld. Daraufhin wird der Ex-Agent und Waffenhändler Mazzarini (Lee van Cleef) eingeschaltet: Er schlägt dem Geheimdienst vor, eine Söldnertruppe mit einer Waffen-lieferung zu Dong zu schicken, es ihm dann aber hinterrücks heimzuzahlen. Die Truppe wird angeführt von Colby (Lewis Collins), dem besten Mann für solche Einsätze. Unterstützt wird er unter anderem von seinem alten Weggefährten Mason (Manfred Lehmann). Was Colby jedoch nicht weiß: Der echte Mason ist ein verhin-derter Säufer und stattdessen verbirgt sich hinter seinem Namen (und dessen Gesicht) nun der Agent Hickock …

Der dritte und letzte Beitrag aus Margheritis deutsch-italienisch coproduzierter Söldnerfilm-Reihe – GEHEIMCODE: WILDGÄNSE und KOMMANDO LEOPARD sind die beiden anderen Titel – wirkt heute wie von einem anderen Planeten. Man kann sich kaum noch vorstellen, dass Filme dieser Art tatsächlich einmal Mainstream waren, der ganz normal beworben und in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde und dort sogar erfolgreich war. Als DER COMMANDER 1988 erschien, da neigte sich jene schöne, bessere Zeit bereits dem Ende zu, dennoch war hier noch mal alles beim Alten: Gab sich eine illustre Riege internationaler, europäischer und deutscher Schauspieler die Ehre, wurden auf dem Niveau eines Groschenheftes der Kameradschaft und dem heldenhaften Draufgängertum des Söldners gehuldigt, die undurchsichtigen Machenschaften der vor dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs noch deutlich aktiveren Geheimdienste – und nicht ohne Begeisterung für die zu Tage tretende Skrupellosigkeit – durchleuchtet, jede Menge gesoffen und geraucht. Und auch wenn hier sehr unverhohlen für schnöden Mammon, statt  (verlogenerweise) fürs humanistische Ideal gemeuchelt und gemordet wird, ist das Söldnerleben ein einziger Spaß: Wer wollte sich auch ernsthaft beschweren über einen Job, bei dem er im zeitlos-modischen Tarnfleck – nach Belieben mit stylischen Accessoires aufgeppeppt – mit Gleichgesinnten durch den Urwald krauchen und Schufte wegpusten darf und dafür auch noch fürstlich von Despoten, korrupten Geheimdienstchefs oder Waffenhändlern bezahlt wird? Die kompetente Synchronisation veredelt das testosterongeschwängerte Treiben mit zackigem Kraftsprech irgendwo zwischen naiver Fünfzigerjahre-Räuberpistole und Eighties-Zynismus, Peter Baumgartner und die Krautpopper von Eloy liefern dazu die passende Sounduntermalung, bei der als asiatisch apostrophierte Klänge durch den Synthie gejagt werden, dass es nur so raucht.

DER COMMANDER ist ein bisschen weniger rasant als die Vorgänger, wirkt schon ein bisschen müde und war anno ’88 auch nicht mehr ganz auf der Höhe des Zeitgeistes. Trotzdem kann ich das Gebotene kaum anders als hemmungslos geil finden. Es sind eher Details wie die oben angedeuteten, die mich für ihn einnehmen – der Zeit- und Lokalkolorit, der Tonfall des Films –, mehr als sein Gesamtentwurf. Das Hin und Her der Geheimdienste habe ich nicht wirklich verstanden, aber es bietet den wunderbaren Rahmen für das Ränkespiel von Pleasence und De-Niro-Synchronsprecher Christian Brückner, vor der tristen Kulisse des geteilten Berlins. Neben Brückner sind auch Stallone- und Schwarzenegger-Sprecher Thomas Danneberg – der hier mal wieder von Rainer Brandt vertont wird, weil er seine eigene Stimme Lewis Collins zur Verfügung stellt – sowie Manfred Lehmann – Bruce Willis‘ Stammsprecher – anwesend: Letzterer hat wie auch schon in KOMMANDO LEOPARD eine besonders kernige Rolle abbekommen, darf erst den vergammelten Säufer im Trenchcoat und dann den Agenten geben, der sich einer Operation unterzieht, um schließlich mit Lehmanns „Kartoffelnase“ ausgestattet zu werden. Er hat dann am Ende eine melodramatische Szene, weil die brave thailändische Soldatin Lin, in die er sich verliebt hat, vor seinen Augen erschossen wird. (Das Drehbuch stammt von einer weiteren Synchron-Ikone: Arne Elsholtz.) John Steiner spielt den verräterischen Geschäftemacher Duclaud und einen ständig dreckig lachenden „Kongo Otto“ gibt es auch. Collins gibt mal wieder den disziplinierten, mit allen Abwassern gewaschenen Vollprofi, der sich entgegen des Titels „Major“ nennen lässt. Das Geballer ist trotz aller Brutalität – die identitätslosen Asiaten können einfach so umgenietet werden – herrlich infantil, knüpft ideologisch voll an den kolonialistischen Söldnerfilm der Sechziger- und Siebzigerjahre an und ist damit einfach nur anachronistisch. Man kann dem Film unmöglich böse sein und die Synchro unterstreicht den naiven Charme mit doofen Sprüchen, schlecht betonten Ti-Äitschs und Actionheldennamen wie „Mason“ und „Colby“, der natürlich immer als „Kollbi“ ausgesprochen wird. Eigentlich müsste DER COMMANDER eine Freigabe ab sechs Jahren haben, um seine Zielgruppe zu erreichen.

Vor allem machen mir solche Wiedersehen eines klar: Ich vermisse die Zeit, in der solche Genreklopper in Europa produziert wurden; durchaus mit dem Blick nach Hollywood, aber dennoch mit der Gewissheit und dem Selbstvertrauen, das auch selbst ganz gut hinzubekommen. Damals grüßten statt langweiliger Fotos von gephotoshoppten Designerfressen noch gemalte Porträts von Persönlichkeiten wie Spencer, Hill, Belmondo, Delon oder eben Collins von den Litfasssäulen der Stadt, warben um die Gunst der Zuschauer, die diese Filme nicht als Kuriositäten, sondern als ganz selbstverständliche und gleichwertige Konkurrenz zum US-Stoff wahrnahmen, der noch längst nicht dieses Monopol hatte. So froh ich darüber bin, dass es Nischenabieter gibt, die Filme wie DER COMMANDER heute verfügbar halten, eine Szene, die solche Perlen ausgräbt, würdigt und weiterempfiehlt: Ich kann sie eigentlich nur noch mit einem weinenden Auge sehen.

 

Kommentare
  1. Harry sagt:

    Ich vermisse die Zeiten als die Dinger noch im Kino liefen neben anderen Sachen die heute bestenfalls als DtV kommen würden und die Amis noch keinen so übermäßigen und auch gleichgeschalteten Output hatten.

    Heute muss man Glück haben, auf DVD oder BD Filme wie 600 Kilo pures Gold oder The Zero Hour (beide jetzt keine Söldnerfilme) zu finden, da ja etliche Action- oder Abenteuerfilme mit dem gleichen „Ostblocklook“ versehen sind, was mittlerweile auch anödet.

    • Oliver sagt:

      Naja, früher hat halt der immergleiche Philippinen-Look angeödet. 😉

      Ich verstehe schon, was du meinst und sicherlich wäre mehr Diversifizität schön, aber unter den gegebenen Umständen nehme ich den Ostblocklook gern hin, weil die Alternative nämlich gar kein Actionkino wäre. Und für Meisterwerke wie SIX BULLETS passt das Setting doch wie der Arsch auf den Eimer.

  2. […] wie Oliver Nöding auf Remember it for later. Dort schreibt er auch über den Söldnerfilm “Der Commander” von 1988 und trifft mit den folgenden Sätzen dermaßen den Nagel auf den Kopf, dass ich ihn hier einfach […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.