detention (sidney j. furie, kanada 2003)

Veröffentlicht: Dezember 3, 2012 in Film
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https://i0.wp.com/www.dolph-ultimate.com/dolph-in/DETENTION%20ad.jpgDer Sport- und Geschichtslehrer Sam Decker (Dolph Lundgren), ein Kriegsveteran, begeht seinen letzten Arbeitstag, doch der hält eine besondere Herausforderung für ihn bereit: Zuerst verdonnert ihn der Schulleiter aus Rache für die Kündigung dazu, vier Problemfälle beim Nachsitzen zu beaufsichtigen, dann muss der unfreiwillig Überstunden leistende Lehrer feststellen, dass sich Verbrecher Zutritt zum Schulgebäude verschafft haben. Und die können bei der Ausübung ihrer finsteren Pläne keine Zeugen gebrauchen …

Willkommen in den Neunzigerjahren! Sidney J. Furies DETENTION versetzt den Betrachter zurück in das Jahrzehnt, in dem nahezu jeder Actionfilm ein Rip-off von DIE HARD, LETHAL WEAPON oder SPEED, clevere Prämissen wichtiger als Handlung, die Helden zwar weitestgehend kernige Draufgänger, aber kaum noch idealistisch/ideologisch motiviert waren und die Schurken keine Russen mehr, sondern lediglich durchgeknallte Hedonisten und Materialisten. Die Zusammenfassung oben macht jedem klar, dass hier McTiernans Meisterwerk DIE HARD Pate stand: Die Handlung ist auf einen geschlossenen Raum beschränkt, den der Held, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist, nicht verlassen kann. Zur Taktiererei und dem gegenseitigen Belauern in dunklen Gängen, das man aus dem großen Vorbild kennt, gesellt sich hier noch ein leise aufklärerischer Zug, denn die Nachsitzer, allesamt jene Sorte Problemkids, ohne die ein High-School-Film nicht verzichten kann, lernen bei jenem Nachsitzen natürlich eine Lektion fürs Leben, müssen Verantwortung für andere übernehmen und verlassen das Schulgebäude am Ende – genauso wie ihr Lehrer – als gereifte, erwachsene Menschen.

DETENTION ist überaus leicht und flüchtig, nur wenig nachhaltig, aber dafür durchweg unterhaltsam. Er erfindet das Rad nicht neu, macht aber auch keinen Hehl aus seiner Epigonenhaftigkeit. Dolph Lundgren gibt mal wieder den tiefenentspannten, selbstbewussten Fels in der Brandung: Nachdem er mit seinem Motorrad zur Schule gebraust ist, weist er dort erst einmal ein herumstreunendes Gangmitglied in die Schranken.  Und nach der Überreichung des Kündigungsschreibens vögelt er seine Geliebte, eine Schulsekretärin, im Stehen gegen die Wand eines Klassenzimmers. Er lebt nach seinen eigenen Regeln und seine Stimmung wird nur getrübt, wenn er an das kleine Mädchen denkt, dass er damals in Jugoslawien nicht retten konnte. Der bevorstehende Kampf gegen die Terroristen soll ihm Gelegenheit geben, sein Trauma zu bewältigen, seinen Fehler von einst wiedergutzumachen, aber so richtig einleuchtend ist das nicht: Zum einen hatte er damals im Krieg einfach Pech, er hatte ja sein Bestes gegeben, zum anderen bedarf es eigentlich keiner besonderen Motivation und keines wiedergutzumachenden Fehlers, um Unschuldige vor Verbrechern zu beschützen. Der Jugoslawien-Prolog dient eigentlich nur dazu, Deckers besondere Talente herauszustreichen, alles Weitere ist unzureichend entwickeltes Drehbuchklischee. Weitaus schwerer ins Gewicht fällt aberdie Zeichnung der Schurken. Nicht nur, dass deren Motiv kaum beleuchtet wird – es geht irgendwie um den Vizepräsidenten, der wohl an der Schule vorbeifahren soll, aber auch um einen Wagenladung Heroin –, sie sind auch als Charaktere komplett unglaubwürdig. Die Anführer des vierköpfigen Teams sind ein Pärchen – er eine Mischung aus Judd Nelson und Andy Garcia mit der blondierten Frisur von Jean-Paul Gaultier, sie ein Lola-rennt-Verschnitt mit pinken Haaren – das sich ständig notgeil anfaucht und sich auch sonst möglichst exaltiert und idiotisch verhält. Wie diese Nulpen sich mit einer kriminellen Karriere durchsetzen konnten, bleibt ein Rätsel, enstprechen sie doch eher dem Typ unangenehmer Selbstdarsteller, die schon bei ihrem ersten Coup umgelegt werden.

Dieses Manko ist zwar nicht gerade unerheblich, ändert aber auch nichts daran, dass DETENTION gut reinläuft und während seiner knapp 85-minütigen Spielzeit schwungvolle Unterhaltung ohne nennswerte Längen bietet. Im Grunde wird lediglich Klischee an Klischee gereiht – die brave Schülerin, die sich hat schwängern lassen und das Leben nun plötzlich mit den Augen einer erwachsenen Frau betrachtet, der eigentlich hochintelligente Schwarze, der aber aufgrund eines Umfelds schon genau weiß, wie man eine Uzi bedient –, man hat das alles schon x-mal und davon auch einige Male besser gesehen, aber das heißt nicht per se, dass DETENTION nicht trotzdem Spaß macht. Manchmal reicht es schon, einer alten, erprobten Maschine beim immer noch (fast) reibungslosen Funktionieren zuzusehen. Man nimmt zwar keine größeren Erkenntnisse fürs Leben aus dieser Betrachtung mit, aber man muss sich eben auch nicht zwanghaft daran erinnern, das alles doch endlich zu vergessen, weil der Film sich ganz angenehm von selbst verflüchtigt. Wie die Yoghurette, die ja auch leicht schmeckt und nicht belastet.

Kommentare
  1. Sano sagt:

    Na, den hab ich doch eher als zäh in Erinnerung, und vor allem die unglaublich nervigen „Schurken“ lagen zumindest bei mir dann schon schwer im Magen. Ansonsten natürlich erstaunlich, wie ein Film von 2003 ästhetisch noch so aussehen kann, als ob er Mitte der 90er gedreht worden wäre…

  2. Oliver sagt:

    Ich habe mich ehrlich gesagt auch gefragt, ob mich meine Wahrnehmung etwas getäuscht hat, nachdem ich gesehen habe, wie der im Schnitt auf IMDb und OFDb im Schnitt bewertet worden ist. Naja, für den Abend, an dem ich ihn gesehen habe, fand ich ihn sehr OK: Nichts Herausragendes, mit doofen Schurken, wie du richtig sagst (und ich ja auch geschrieben habe), aber ganz nett halt.

    • Sano sagt:

      Deine Rezeption hätte ich mir gewünscht. 🙂
      Bei mir wars eher umgekehrt. Beim Blick in die IMDB-Wertungen und Kommentare dachte ich, ach quatsch, so schlimm kann der schon nicht sein. Aber im Grunde bringt es ja einer der Kommentare gleich im Ersten Satz gut auf den Punkt: „To slightly correct my summary line: It’s not all bad.“
      Bin ja gespannt, wie der FIlm bei der zweitsichtung wirkt, wenn ich mal großer Sidney J. Furie Fan geworden sein sollte, und ihn unbedingt noch einmal sehen will. 😉

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