firewalker (j. lee thompson, usa 1986)

Veröffentlicht: Dezember 5, 2012 in Film
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https://i1.wp.com/adamantiumbullet.com/wp-content/uploads/2011/06/firewalker_poster_01.jpgDie Abenteurer und Schatzsucher Max Donigan (Chuck Norris) und Leo Porter (Louis Gossett jr.) werden von der attraktiven Patricia Goodwin (Melody Anderson) beauftragt, mit ihr gemeinsam einen geheimen Schatz zu bergen. Doch auf der Suche werden sie von El Coyote (Sonny Landham), einem unfreundlichen Indianer, der selbst großes Interesse an dem Schatz hat, und diversen südamerikanischen Milizen immer wieder in Bedrängnis gebracht …

FIREWALKER, Traum meiner Jugend. Naja, irgendwie war mir wohl damals schon insgeheim klar, dass dieser Abenteuerfilm der Cannon  – mit dem diese nach den beiden QUATERMAINFilmen zum zweiten Mal jenes Terrain beackerten, das Spielberg mit seinem INDIANA JONES so erfolgreich bestellt hatte – nicht wirklich „gut“ ist. Er dürfte wohl einer jener Filme sein, die ich zwar etliche Male mit großen Enthusiasmus angefangen, dann aber doch immer wieder vorzeitig abgebrochen habe. Warum das so ist, wird schnell klar: Der Film lässt ab der Mitte merklich nach. Die erste halbe Stunde ist nicht weniger als fulminant – zumindest in der deutschen Synchronfassung: In bester Rainer-Brandt-Manier wird hier gekalauert, dass sich die Balken biegen, und den Protagonisten immer wieder ein dummer Spruch in den eigentlich geschlossenen Mund gelegt. Zitierwürdige Zeilen finden sich zu Hauf und mehrfach haben meine Gattin und ich uns den Lachanfall nicht verkneifen können: Da wird sich darüber beschwert, dass der Sand zu sandig sei, und die Hautfarbe Leos („Von Beruf Neger“) immer wieder auf eine Art und Weise ins Zentrum des Humors gerückt, die heute gar nicht mehr denkbar wäre. Ein spanischer Gehilfe verabschiedet sich mit „Au weia con dios“, der altehrwürdige Indianer (Will Sampson) überreicht als Talisman „Gepresste Krümelkacke aus dem Medizinmann-Discount“ und beim Kartenspiel quittiert Leo den Siegesausruf – „66!“ – der quirligen Patricia mit einem genervten Stöhnen und der unsterblichen Zeile „Wir spielen doch Mau-Mau!“. Humorig dürfte FIREWALKER auch in der Originalfassung gewesen sein, aber erst die deutsche Synchronisation erhebt ihn zum Gaga-Schauspiel. Und sie wertet ihn mit ihren Charakterisierungen massiv auf: Die Chemie zwischen Norris und Gossett jr. (brillant vertont von Manfred Lehmann) stimmt, ihre gegenseitigen Neckereien und Streitigkeiten tragen viel zur Dynamik in diesem Anfangsdrittel des Films bei – mehr als etwaige Actionszenen. Norris ist als gutmütiger, aber etwas tumber Kumpeltyp geradezu kongenial besetzt bzw. synchronisiert: Von seiner stoischen Ruhe, der schon an Autismus grenzenden Ausdrucks- und Emotionslosigkeit, die seine sonstigen Darbietungen auszeichnet, ist hier nichts zu spüren. Er kommt eher als schnauzbärtige Variante der latent treudoofen Haudegen rüber, auf die sonst etwa Kurt Russell abonniert war und lässt einen fast bedauern, dass er sich nicht häufiger in komödiantischen Rollen versucht hat.

Aber auch besagter Niedergang des Films ist nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen. Irgendwann tritt die Freundschaft von Max und Leo in den Hintergrund und macht der aufkeimenden Liebe zwischen Max und Patricia Platz. Das Sprüchefeuerwerk versiegt und stattdessen wird Plotabwicklung betrieben. Hier treten dann die Defizite des Films deutlich zu Tage: Die Geschichte um den Schatz ist haarsträubend unterentwickelt und auch nicht wirklich interessant, die Production Values sind zwar recht ordentlich, können aber selbstredend zu keiner Sekunde mit dem Vorbild oder auch größeren Rip-offs wie ROMANCING THE STONE mithalten und die Liebesgeschichte kommt direkt aus dem „Grundkurs Drebuchschreiben“. Nur noch einmal kommt wirklich Stimmung auf: Als Max seinem alten Kumpel Corky (John Rhys-Davies) wiederbegegnet, einem Weggefährten, der sich nun im Stile eines gut gelaunten Colonel Kurtz zum General einer Horde von Rebellen aufgeschwungen hat, wird der Film für einige Minuten plötzlich sehr ernst und geradezu nachdenklich. Die Schattenseiten des Abenteuerdaseins werden beleuchtet und suggeriert, dass die Suche nach Schätzen und Artefakten möglicherweise nur eine Flucht ist. Das geht natürlich einher mit dem Liebes-Subplot und Max‘ Überlegungen, endlich sesshaft zu werden, wirkt aber ungleich stärker. In nur wenigen Minuten lässt Rhys-Davies diesen Charakter entstehen, der in dieser kurzen Zeit echter, vollständiger und lebendiger wirkt als alle anderen Figuren des Films. Sein Blick, wenn Max ihn wieder verlässt, enthält ganze Welten an Gefühlen und Erinnerungen. Die Turbulenzen um den Schatz, die danach noch folgen, erreichen nicht annähernd die Durchschlagskraft dieser Sequenz. Der Film rast zwar mit großer Aufregung seinem Ende entgegen, doch wirkt das Tamtam wie ein laues Plätschern. Da merkt man dann wieder, was gut gescriptete Charaktere und die Spontaneität der Dialoge ausmachen.

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