il conto è chiuso (stelvio massi, italien 1976)

Veröffentlicht: Dezember 13, 2012 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Der Süditaliener Marco Russo (Carlos Monzón) kommt in den Norden und legt sich dort gleich als erstes mit den Schlägern des Gangsterbosses Manzetti (Luc Merenda) an. Der ist von den Fähigkeiten des Fremden so beeindruckt, dass er ihn vom Fleck weg einstellt. Doch Marco hat einen Plan: Seine Position nutzt er aus, um Manzettis ärgsten Konkurrenten, den bärbeißigen Belmondo (Mario Brega), mit Insiderinformationen gegen Manzetti aufzuhetzen. Im folgenden Kampf dezimieren sich die Ganoven gegenseitig, sodass Marco am Ende nur noch die Scherben aufkehren muss …

Für dieses Werk hatte sich Stelvio Massi etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er übertrug die Handlung von Sergio Leones PER UN PUGNO DI DOLLARI auf den Gangsterfilm! Wahnsinn! Darauf muss man erst einmal kommen! Spaß beiseite: Ich weiß nicht, wie viele Filme ich in den vergangenen Wochen und Monaten gesehen habe, die sich des Italowestern-Klassikers in dieser Form angenommen haben, aber es sind einige gewesen und so langsam machen sich bei mir dann doch Ermüdungserscheinungen breit. Zumal auch IL CONTO È CHIUSO der Vorlage nicht nur nichts hinzuzufügen hat, sondern sich auch sichtlich schwer damit tut, ihr auch nur annähernd das Wasser zu reichen: Stelvio Massis Protagonist lässt die teuflische Gerissenheit von Eastwoods Namenlosem genauso vermissen wie seine Kontrahenten die lange schwelende Rivalität. Ihr Kleinkrieg spielt sich auch nicht wie in Leones Film in einem so klar abgezirkelten Terrain ab,  in dem sich der Druck irgendwann durch eine Explosion entladen muss, sondern in einer namenlosen Stadt, deren Dimensionen unklar bleiben.

Es gibt keine richtige Spannungsdramaturgie in Massis Film, es steht nichts auf dem Spiel, für niemanden. Natürlich geht es um Leben und Tod und die Vorherrschaft über die Unterwelt, aber das bleibt alles sehr abstrakt, weil sich Massi gar keine Zeit nimmt den Protagonisten, die Schurken, ihre Rivalität oder auch nur den Handlungsort genauer zu konturieren. Und Massi hat auch nicht die Geduld, den Konflikt langsam und allmählich seiner Eskalation entgegenzuführen. Bei ihm bedarf es nur zweier kurzer Aktionen Marcos, um den großen Knall heraufzubeschwören. Die heimliche Freude an der geschickt eingefädelten Intrige, der Leones Namenlosen auszeichnet, geht ihm genauso ab wie der Sinn für Ästhetik, der sich im minutiösen Aufbau seiner Kettenreaktionen zeigt, und der mehr als nur latente Sadismus, mit dem er den Schurken dabei zusieht, wie sie in die von ihm bereitgestellten Fallen tappen. In IL CONTO È CHIUSO fallen die Bösewichter nur zu bereitwillig auf Marcos wenig kreative Lügen herein, er muss gar nicht viel riskieren. Dieser ganze tollkühne, lebensmüde Zug, den Eastwoods Charakter zeigt, wenn er wie auf dem Servierteller zwischen den Banden seine Intrigen spinnt, fehlt hier. Wenn er irgendwann erwischt und bestraft wird, liegt das nicht daran, dass er den Bogen überspannt hat, sondern daran, dass dieser Aspekt des Vorbilds auch noch adaptiert werden muss. Andererseits hätte man dem eher hemdsärmeligen Monzón allzu große Raffinesse eh nicht abgenommen: Er ist einer jener Arbeitertypen, die das italienische Genrekino so mag.

Andererseits kann man Massi zugutehalten, dass er die Handlungsschablone eben ausschließlich als solche benutzt: Ihm ging es wohl vor allem darum, einen kurzweiligen Actionfilm zu inszenieren. Und IL CONTO È CHIUSO ist so kurzweilig, wie ein Film, dessen Fortgang man minutiös vorhersagen kann, nur sein kann. Und das liegt eben auch daran, dass Massi alles radikal abkürzt. Am deutlichsten wird das an jenem Ruhepunkt vor dem Finale, wenn Marco wie im Original mit verkrüppelten Händen auf seine Genesung wartet, um die Rache vollziehen zu können. Was Leone als fiebrige Sequenz inszeniert, als Fegefeuer und Passion für den Helden, das wird bei Massi mal eben so in einer Szene abgefrühstückt. An deren Anfang kann Marco sein Messer nur mit größter Mühe gen Ziel schleudern, am Ende fliegt es aber schon wieder mit dem alten Schwung ins Schwarze. Das nennt man wohl Blitzheilung. IL CONTO È CHIUSO ist kein Meisterwerk, aber trotzdem einer von Massis besten Filmen. Schwungvolles Entertainment ohne große Ambitionen, aber handwerklich durchweg ordentlich gemacht, mit ein paar hübsch blutigen Einschüssen und einem wahrlich hassenswerten Luc Merenda. Passt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..