the lady eve (preston sturges, usa 1941)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2012 in Film
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Schlangenforscher Charles Pike (Henry Fonda), Sohn eines millionenschweren Bierbrauers, kehrt nach einem Jahr am Amazonas an Bord eines Luxusdampfers zurück in die Heimat. Auf dem Schiff macht er Bekanntschaft mit der verführerischen Jean (Barbara Stanwyck), die gemeinsam mit ihrem Vater reist, und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Die Enttäuschung kommt, als er erfährt, dass es sich bei Vater und Tochter um zwei gesuchte Betrüger handelt, die sich betuchte Opfer suchen und ihnen das Geld aus der Tasche ziehen. Charles gibt Jean den Laufpass, doch die lässt sich nicht so einfach abschieben und sinnt auf Rache …

Für diesen Klassiker verabschiedet sich Sturges von der konkreten Gesellschaftskritik seiner beiden vorangegangenen Filme THE GREAT MCGINTY und CHRISTMAS IN JULY und widmet sich, wie der Titel ja schon andeutet, einem Thema von universeller Bedeutung: den emotionalen Tumulten, die die Liebe mit sich bringt, den Missverständnissen, die in der ungleichen Kommunikation zwischen Mann und Frau entstehen, schließlich der hoffnungslosen Unterlegenheit des Mannes gegenüber einer Frau, die ihre Waffen einzusetzen weiß. Die Dialoge von Preston Sturges sind mit Gold mal wieder nicht aufzuwiegen, aber es ist vor allem die kongeniale Besetzung der Hauptrollen, die diesen Film zu einem absoluten Klassiker macht. Henry Fonda, im Alter die menschgewordene Verkörperung von rigoroser Moral und dabei immer auch etwas asexuell, ist als unerfahrener Millionärssohn hier einfach nur zu bemitleiden: Er hat keine Chance gegen Barbara Stanwyck, deren Luxuskörper eine selbstbewusste, fast archaisch zu nennende Sinnlichkeit beherbergt. Die Schauspielerin war 1941 34 Jahre alt, aber sie bringt eine Anmut und Würde mit, die ihr Alter weit überschreiten. Sorry, wenn ich hier ins Schwärmen gerate: Aber sie vereint in einer Art und Weise (kaum) subtile Erotik, sanft erscheinende, aber in Wahrheit unnachgiebige Autorität und einen genüsslichen Sadismus, die gleichermaßen furchteinflößend wie erregend ist. Wir modernen Männer hätten keine Chance gegen diese Frau. Boy, oh boy.

Das Beziehungsbild, das Sturges hier zeichnet, verwundert etwas, wenn man die eindeutig männlich dominierten Pärchen seiner ersten beiden Filme betrachtet, in denen sich die Frauen stets brav in die Rolle des fürsorglichen Anhängels fügten. Wahrscheinlich war der Grund dafür weniger Sturges‘ Frauenbild, als vielmehr die Scriptökonomie: Es ging in beiden Filmen eben um andere Dinge. Hier seziert er mit großer Lust das absurde Balzverhalten, zeigt, wie das Sprudeln der Hormone die schönsten Blüten treibt. Dass er seine Heldin zur gerissenen Trickbetrügerin macht, macht doppelt Sinn: Zum einen, weil das amouröse Spiel von Flirt und Eroberung viel mit dem Vorgaukeln falscher Tatsachen, dem Täuschen und Ablenken des Falschpielens zu tun hat, das Jeans Profession ist; zum anderen, weil es gegen die Eifersucht, die Befürchtung, der Partner spiele nicht mit offenen Karten, kein Gegenmittel gibt. Alles, was Jean zu ihrer Verteidigung vorbringen kann, bestätigt letztlich Charles‘ Verdacht, dass sie eine gerissene Betrügerin ist. Doch seine Ablehnung fordert sie erst wirklich heraus. Am Ende weiß er nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Wer will es ihm verdenken.

THE LADY EVE ist ein wunderbarer Film: Weise, urkomisch, sexy, intelligent, turbulent, unvorhersehbar. Wenn romantische Komödien heute noch so aussähen, gäbe es keinen Grund, nahezu ausschließlich Vorurteile gegen dieses Genre zu hegen. Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Schauspielerinnen, die es verstehen, die Fantasie des Zuschauers in einer Weise anzuregen, wie es Barbara Stanwyck hier tut, gibt es einfach nicht mehr. Sad but true.

Kommentare
  1. Tom Rose sagt:

    Hail To Ruby!

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