the crimson kimono (samuel fuller, usa

Veröffentlicht: Januar 14, 2013 in Film
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THE CRIMSON KIMONO erzählt die Geschichte der kulturübergreifenden Freundschaft zweier Koreakriegs-Veteranen sowie einer sich entspinnende Dreiecksbeziehung im Gewand eines Krimis. Potenziell interessanter Stoff, den Fuller leider nicht in den Griff bekommt. Seine letzte Regiearbeit der Fünfzigerjahre ist gleichzeitig seine erste, die mich weitestgehend kalt gelassen – um nicht zu sagen gelangweilt – hat. Zu Beginn ist noch alles in Ordnung, denn wie vom zigarrekauenden Filmemacher geht es gleich in medias res: eine Striptease-Bar, in der die Tänzerin Sugar Torch (Gloria Pall) nach ihrem Auftritt in ihrer Kabine überfallen, halbnackt auf die Straße gejagt und dort schließlich erschossen wird. Leider verflacht THE CRIMSON KIMONO danach schnell und findet erst in der zweiten Hälfte sein eigentliches Thema, dem die Durchschlagskraft dank zweier eher persönlichkeitsarmer Hauptdarsteller aber verwehrt bleibt.

Charlie Bancroft (Glenn Corbett) und Joe Kojaku (James Shigeta), zwei Detectives im Dienste des LAPD, sind unzertrennliche Freunde, seit Joe Charlie im Koreakrieg mit einer Blutspende das Leben rettete. Die beiden sind Partner, arbeiten und leben zusammen. Die Ermordung einer Striptease-Tänzerin macht beide mit der Künstlerin Chris (Victoria Shaw) bekannt: Eine Bekanntschaft, die ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellen wird, denn beide verlieben sich in die Frau, aber nur einer wird sie am Schluss in die Arme schließen können.

Zu seiner Zeit war Fullers Film mit seiner Liebesgeschichte zwischen einem Japaner und einer Weißen bestimmt ein „heißes Eisen“. Beim heutigen Zuschauer kommt nur noch wenig von diesem tabubrechenden Potenzial an. Ein richtiger Außenseiter ist Joe nicht und auch, wenn die japanische Gemeinschaft ihren eigenen Traditionen verpflichtet bleibt, spielt Rassismus in Fullers Film eher eine untergeordnete Rolle. Wenn sich Joe und Charlie in einem Kendo-Duell gegenüberstehen, werden Sie von einträchtig nebeneinander sitzenden Japanern und weißen Polizisten angefeuert. Für Probleme sorgt eigentlich eher Joes Selbstbild – was den Vergleich zum kürzlich gesehenen LOVE IS A MANY-SPLENDORED THING herausfordert, der eine ähnliche Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen erzählt: Er fühlt sich nicht wirklich heimisch in den USA, sondern als nie am Ziel ankommender Wanderer zwischen den Welten: Für die Japaner ist er ein Amerikaner, diese betrachten ihn jedoch immer noch als Asiaten. Als sein bester Freund verständlicherweise erbost auf Joes Geständnis, sich in Chris verliebt zu haben und sie heiraten zu wollen, reagiert, ist Joe es, der Charlie Rassismus unterstellt – was mehr als die Frau der Grund für das Zerbrechen ihrer langjährigen Freundschaft ist. Der Monolog, mit dem Joe Chris‘ Herz erobert, verrät ebenso viel über ihn wie über sie: In ihrem Bild einer Geisha im roten Kimono will er ein bislang unerfüllt gebliebenes Verlangen erkannt haben, ein sehnsüchtiges Warten auf etwas, das bislang noch nicht eingetreten ist. Er hat damit natürlich ihre Jungfräulichkeit – oder zumindest ihre Sehnsucht nach einer großen Liebe – durchschaut, aber mehr noch sein eigenes Verharren im Limbo zwischen zwei Identitäten beschrieben. Wie gesagt: Interessante Facettierungen, aus denen Fuller diesmal keinen guten Film gemacht hat. Der Krimiplot bleibt nichtssagendes Beiwerk und wird am Ende eher pflichtschuldig abgehakt. Richtig gefallen hat mir nur die stimmungsvolle Fotografie der Originalschauplätze. Nach so vielen Volltreffern verzeihe ich Fuller aber auch einen schwächeren Film.

 

 

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