resident evil: retribution (paul w. s. anderson, deutschland/kanada/usa 2012)

Veröffentlicht: März 18, 2013 in Film
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Nach eher gewöhnlichem Einstieg hat sich die RESIDENT EVIL-Reihe ca. ab Mulcahys drittem Teil, RESIDENT EVIL: EXTINCTION, in ein experimentelles Spielfeld für visuell ambitionierte Regisseure (oder vielleicht auch nur für Paul W. S. Anderson) verwandelt. Seitdem wurde diese Entwicklung mit jedem weiteren Beitrag forciert, sodass man bei Andersons RESIDENT EVIL: RETRIBUTION als Zuschauer nur noch zwei Optionen hat: Entweder man akzeptiert, dass die Geschichte um die von einem Superkonzern ausgelöste Zombie-Apokalypse endgültig nur noch den mehr oder minder willkürlichen Rahmen für visuelle wie narrative Experimente bietet, oder man hofft, dass ein mit Sicherheit folgender sechster Teil die einst begonnene Story wieder etwas konsequenter fortsetzt, RETRIBUTION sich nur als ein unabdingbares Zwischenspiel in einem großen Ganzen entpuppt.

Überzeugte schon der Vorgänger RESIDENT EVIL: AFTERLIFE vor allem als rasante Aneinanderreihung spektakulärer Set Pieces und weniger als sinnhafte erzählerische Einheit, so treibt Anderson dies im neuesten Teil noch weiter auf die Spitze: Der Shootout wird zum dominierenden Strukturelement: „Pausen“ – Dialoge, Szenen, in denen Exposition unabhängig von Bewegung „abgewickelt“ würde – gibt es eigentlich fast gar nicht mehr. Das Abenteuer der durch denT-Virus zum Übermenschen mutierten Alice (Milla Jovovich) hat sich hier so weit von ihrer ursprünglichen Mission abgelöst, dass ihr Fortschritt nur noch virtuell diagnostizierbar ist. Auch wenn sie sich durch Moskau, Tokio oder ein prototypisches amerikanisches Suburbia kämpft, bewegt sie sich dabei doch nicht von der Stelle: Alle diese Orte sind schließlich nur Simulationen im gigantischen unterirdischen Hauptquartier von Umbrella, dem serieninternen, schurkischen Superkonzern. Was Alice am Ende von RETRIBUTION eigentlich erreicht hat, bleibt mehr als fraglich. Konnte man in den ersten Teilen noch einen Fortgang der Handlung erkennen, muss man gemeinsam mit der Protagonistin nun feststellen, dass die Macht Umbrellas so weit reicht, zeitliche und räumliche Distanzen ins Unendliche zu zerdehnen und Menschen so zum kräftezehrenden – und aussichtslosen – Sprint auf der Stelle zu verdammen.

Das reflektiert auf Handlungsebene den Experimentalcharakter, den die Reihe formal längst hat. Die Umbrella Corporation und Alice sind Alter egos des Regisseurs, der das Franchise dazu nutzt, selbst gestellte konzeptionelle Probleme in Bewegung aufzulösen. Die übermächtige Firma kann ganze Welten im Rechner hochziehen, Menschen mit vollwertigen Erinnerungen und Biografien in der Retorte züchten, Alice findet mit ihren Fähigkeiten ihrerseits immer wieder eine passende Lösung für die ihr gestellten Aufgaben, zumindest bis zr nächsten Installation. Das macht die RESIDENT EVIL-Reihe zu einer der ambitioniertesten und spannendsten, ja avantgardistischsten Erscheinungen des Mainstream-Kinos, speziell diesen RETRIBUTION aber auch zu einer eher langweiligen Angelegenheit. Nach dem wirklich phänomenalen AFTERLIFE mutet RETRIBUTION ermüdend und monoton an. Es ist spannender und fruchtbarer, über ihn und seine formalästhetischen Implikationen nachzudenken, als ihn sich anzusehen. Die nicht abreißende Abfolge von Schießereien hat zumindest mich irgendwann mehr gelangweilt als berauscht, zumal die großen visuellen Ideen, mit denen der Vorgänger noch gespickt war, hier ausbleiben: Die während der Title-Sequenz erst rückwärts, dann vorwärts laufende Actionszene stellt ein einsames Highlight dar, ansonsten ist Anderson diesmal nicht allzu viel eingefallen. Schade, weil er wieder einmal beweist, dass er zu den besten derzeit tätigen Actionregisseuren zählt: Während so viele zeitgenössische Actionfilme an ADS leiden, keine Einstellung länger als zwei Sekunden zu halten in der Lage sind und Action vor allem hektisch und chaotisch gerät, zeichnen sich seine Tableaus durch eine überragende Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit aus, ohne dass dies auf Kosten der Dynamik ginge.

Vielleicht gelingt es ihm beim nächsten Mal ja auch wieder, dieses Talent in einen rundum befiredigenden Rahmen zu überführen.

 

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