taken 2 (olivier megaton, frankreich 2012)

Veröffentlicht: März 19, 2013 in Film
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TAKEN, ein von Luc Besson produzierter und von Pierre Morel inszenierter Rache-Actioner, überraschte vor rund vier Jahren mit furztrockener, brutaler und grimmiger Geradlinigkeit, etablierte außerdem den bislang eher weniger greifbaren Liam Neeson als adäquate Besetzung für nüchterne, alternde Profis. Zusammen mit Filmen wie BANLIEUE 13 und dessen Fortsetzung oder den TRANSPORTER-Filmen bildete er die potente Speerspitze des neuen, visuell aufregenden französischen Actionkinos, das seinem US-Pendant in Sachen Kreativität und kinetischer Inszenierung mehr als eine Nasenspitze voraus war. Die Zuschauer dankten es Besson und Morel, indem sie TAKEN zum Überraschungserfolg machten, der dringend einer Fortsetzung bedurfte. Dieser hat sich Olivier Megaton angenommen, der mich mit TRANSPORTER 3 zu Begeisterungsstürmen hinriss, mit COLOMBIANA den fast zwangsläufig schwächeren, aber immer noch kompetenten Nachfolger vorlegte. Leider reicht TAKEN 2 weder an den Vorgänger noch an TRANSPORTER 3 oder COLOMBIANA heran. Er ist kein schlechter Film, aber dennoch eine Enttäuschung.

Nach den Ereignissen von TAKEN schwört die albanische Mafia Rache für den Mord an ihren Söhnen und Brüdern durch den amerikanischen Agenten Mills (Liam Neeson). Während eines gemeinsamen Aufenthalts in Istanbul werden Mills und seine Ex-Frau (Famke Janssen) überfallen und verschleppt, nur die gemeinsame Tochter (Maggie Grace) kann entkommen. Vom Papa via Funk geleitet, macht sie sich daran, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Weil die Mama zurückbleiben muss,ist es danach an Mills in gewohnter Manier mit den Schurken aufzuräumen und die Frau zu retten …

Direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, ist meist eine gute Sequel-Entscheidung. Hier jedoch wirft sie das Problem auf, dass die Glaubwürdigkeit noch mehr strapaziert wird als im Vorgänger: Nicht nur, dass Mills erneut den Kampf gegen eine vermeintliche Übermacht an Ganoven aufnehmen muss (den er natürlich zum zweiten Mal gewinnt), auch seine Familie wird nach den traumatischen Erlebnissen des ersten Teils schon wieder in eine lebensbedrohliche Situation geworfen, für die sie eigentlich nicht gewappnet ist. Mutter und Tochter haben sich erstaunlich schnell von den Erlebnissen erholt, post-traumatischer Stress ist ihnen ein Fremdwort. Und auch nach dieser zweiten Konfrontation mit finsteren Mordbuben finden sie schnell in den amerikanischen Familienalltag voller Friede, Freude und Pancake zurück. Dieser dem Sequel inhärenten Fragwürdigkeit begegnet Megaton durch komödiantische Überspitzung. Den ruppigen Ton des Vorgängers ersetzt er durch eine verspielte Lockerheit, die in krassem Kontrast zur Thematik und zu den erneut wenig zimperlichen Gewaltausbrüchen des Films steht. Wenn die Zusammenarbeit zwischen Papa und Tochter dazu führt, dass er sie endlich als erwachsenen, selbstständigen Menschen akzeptiert, und sie nach der rasanten Jagd durch die Gassen Istanbuls nach mehreren Anläufen am Ende die Führerscheinprüfung besteht, fühlt man sich fast wie der Zuschauer eines Disney-Familienfilms. Schon TAKEN war ideologisch hartes Brot, kam damit aber durch, weil Morel zum einen keinen Hehl daraus machte, Protagonist Mills zum anderen eben von Berufs wegen nicht dazu gemacht war, kritische Fragen zu stellen oder ein progressives Weltbild zu pflegen. Er vertrat als Profi in Staatsdiensten eben ein streng manichäistisches Weltbild, in dem ihm, dem US-Amerikaner, in einer Welt voller Schurken die Rolle des Retters zukam. Diesen „gottgegebenen“ Status zu hinterfragen, war nicht seine Aufgabe. Zwar war der Anlass für seinen Einsatz ein persönlicher, die Entführung seiner Tochter durch albanische Menschenhändler, seine Entschlossenheit dadurch noch um ein Vielfaches potenziert, doch erst sein berufliches Wissen versetzte ihn in die Lage, sein Ziel zu verfolgen.

Von dieser inneren Spannung einerseits des Films an sich, andererseits des Protagonisten ist im Sequel nicht viel übrig. Und so hat Megaton sichtliche Probleme, die Hatz durch Istanbul mit Leben zu füllen. Auch die Anhäufung klischeehafter Human-Interest-Subplots kann die Distanz zum Zuschauer nicht überbrücken. Mills bändelt mit der Ex-Frau an, die Pech mit ihren neuen Kerlen hat. Mills mischt sich in das Leben seiner Tochter ein, weil er nicht akzeptieren kann, dass sie nun erwachsen ist und ein eigenes Leben hat. Mills fühlt ihrem Freund auf den Zahn, von dem er das Schlimmste befürchtet. Mills lernt, dass er sich auf seine Tochter voll und  ganz verlassen kann. Mills‘ Tochter lernt Autofahren, Verantwortung zu übernehmen und eine Wumme zu betätigen. Am Ende sind sie alle wieder vereint und der Papa akzeptiert den Lover der Tochter. Das will keiner sehen, der TAKEN 2 in der Hoffnung einwirft, mehr jener straighten Action-Vollbedienung von Teil 1 zu bekommen. Für eben diese Action bleibt bei so viel Zwischenmenschlichkeit nämlich viel zu wenig Platz. Die Albaner kommen rüber wie hilflose Amateure, Mills wie ein Papa im Urlaubsstress. Fast gelangweilt wickelt Megaton den Showdown ab, in dem Mills dann endlich wieder allein Jagd machen darf. Zu spät. Mein Interesse war zu diesem Zeitpunkt bereits erschöpft.

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