the thing (john carpenter, usa 1982)

Veröffentlicht: März 25, 2013 in Film
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Zum xten Mal, dank Blu-ray und neuem, großem 60-Zoll-Fernseher aber doch fast zum ersten Mal gesehen: John Carpenters Remake von Howard Hawks‘ gleichnamigem Film, ein Klassiker des modernen Horror- und Splatterfilms, der in den 30 Jahren, die seit seiner Premiere vergangen sind, nichts, aber auch gar nichts von seinem Reiz verloren hat. Während die Latex-Effekt-Orgien anderer Horrorfilme dieser Zeit seitdem an Wirkung eingebüßt haben, lassen einem Rob Bottins Kreationen auch heute noch die Kinnlade gen Süden klappen: Dass THE THING damals keine Revolution auslöste, sondern an den Kinokassen enttäuschte, kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass das Publikum für das Gebotene noch nicht bereit war: Der zu einer amorphen Masse geschmolzene Leichnam, das sich aus einem Huskie herausschälende Tentakelmonster, der aufbrechende, gefräßige Brustkorb, der sich in eine Spinne verwandelnde Menschenkopf – alle werden sie mit größter Freude für das glitschige Detail realisiert, setzen die Idee eines andere Gestalten imitierenden, fremden Organismus in sichtbare, glaubwürdige Realität um.

Dieser Effektirrsinn – der rein handwerklich, ganz ohne moderne Rechnerpower auf die Beine gestellt wurde und deshalb umso beeindruckender ist – ergänzt sich wunderbar mit Carpenters zu diesem Zeitpunkt schon zum Markenzeichen gewordenem inszenatorischem Reduktionismus. Während sich das hungrige Alien quer durch die Besetzungsliste morpht, bemüht sich der Regisseur, die menschenfeindliche Kulisse der von der Außenwelt völlig abgeschnittenen Forschungsstation in der Antarktis in den Zuschauerraum auszuweiten. Unaufhaltsam kriecht der Film voran wie ein jahrtausendealter Gletscher, angetrieben von Morricones minimalistischem Score, der auch aus der Feder des Regisseurs höchstselbst stammen könnte. Dabei läuft er nicht auf einen Höhepunkt zu, sondern lediglich auf ein Ende, dem Punkt, an dem die Geschichte in ihrer buchstäblichen Auflösung kulminiert. Wie ich vor einigen Jahren schon einmal bei den Himmelhunden anlässlich der damaligen Besprechung von ESCAPE FROM NEW YORK festgestellt habe, ist Carpenter kein Filmemacher, der an selbstzweckhaft aufgeblasenen Showdowns interessiert ist: Bei ihm ist alles Aufbau, und das „Finale“, bei dem konventionell Rabatz gemacht wird, um dem Zuschauer das Gefühl zu geben, nicht umsonst bis zum Ende gewartet zu haben, ist bei ihm immer nur der logische Endpunkt einer Geschichte. Carpenter-Enden sind daher immer etwas enttäuschend und auch THE THING macht da keine Ausnahme: Die finale Aliengestalt kann die vorangegangenen Inkarnationen nicht mehr toppen, der Suspense-Höhepunkt des Films war der nervenzerrende Bluttest, bei dem die Fronten zwischen den Überlebenden geklärt werden. Zum Schluss macht es nur noch kurz „Bumm“ und das war’s dann auch. Aber das ist keinesfalls negativ gemeint: THE THING muss so aufhören, wie er es tut, und die Konsequenz, mit der Carpenter seinen Film einfach nur enden statt explodieren lässt, akzentuiert noch einmal das Drama, das sich da in den 90 Minuten zuvor unbemerkt vom Rest der Welt abgespielt hat. Übrig bleiben zwei Männer, die sich keinen Illusionen darüber hingeben, dass ihr Sonderstaus als Überlebende nicht dauerhaft sein wird. Sie haben die Alien-Invasion gestoppt, sind dem Monstrum nicht zum Opfer gefallen. Dennoch erwartet sie ein kaum weniger schrecklicher Tod: Ohne Rückzugsort, ohne Rettung in Sicht werden Sie in der Kälte erfrieren. Wenigstens haben Sie eine Flasche Whiskey, um sich angemessen von der Welt, die sie gerettet haben, zu verabschieden. Es ist beileibe kein Happy End – aber trotzdem ein wunderbar friedlicher Abschluss: Man wäre gern dabei, wenn die beiden kernigen Haudegen sich dem Tod entgegensaufen und dabei Geschichten austauschen.

Große neue Erkenntnisse brachte diese Sichtung nicht: THE THING ist annähernd perfekt, so wie er ist. In einigen Details – etwa wenn Garry (Donald Moffat) am Ende die Scheiben mit seinem Revolver zerschlägt, um den amoklaufenden Norweger zu erschießen, oder in MacCreadys als eitles Accessoire getragenem Hut – und in der an Hawks‘ RIO BRAVO oder Carpenters eigenen ASSAULT ON PRECINCT 13 angelehnten Belagerungssituation habe ich deutlicher als zuvor die Westerneinflüsse des Regisseurs wiedererkannt. Und dank gestochen scharfem Blu-ray-Bild auch, dass Richard Dysarts Doc tatsächlich einen Nasenring trägt. Das war mir in vorigen Sichtungen nie aufgefallen.

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Kommentare
  1. HomiSite sagt:

    Interessant im Hinblick auf das Prequel/Remake von 2011 fand ich, wie einfallslos und langweilig dort die Kreaturen waren. Da hat man die endlosen Möglichkeiten von CGI und leistet damit einen umso größeren Offenbarungseid… Wurde das Monsterdesign sowie die technische Umsetzung von The Thing eigentlich in anderen Filmen mal erreicht/übertroffen?

    PS: Ich muss zugeben, dass ich bei Carpenters Thing hier und da schon kleinere Längen spürte, aber ich habe grundsätzlich Schwierigkeiten, mich an Dramaturgien alter/älterer Filme zu gewöhnen.

  2. Ivor Bigbotty sagt:

    Beim Lesen deiner Ansicht über das Ende der beiden übrig gebliebenen Charactere, wurde ich an eine Filmanalyse erinnert, die ich vor einer Weile gesehen habe und die dem interessierten Fan(atic) vielleicht gefällt. Sie beschäftigt sich mit verteckten Plotdetails und der Nutzung von Kleidung im Film; hauptsächlich läuft es dann auf die Frage hinaus, die das Video auch tituliert: „Was Childs infected?“.

    Zu finden auf YouTube bei dem User robag88. Ich verusche mal einen Link hier zu lassen:

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