the campaign (jay roach, usa 2012)

Veröffentlicht: April 1, 2013 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Im 14. Wahlbezirk North Carolians schickt sich der konservative Politiker Cam Brady (Will Ferrell) mangels Konkurrenz an, zum vierten Mal wiedergewählt zu werden. Doch dann bekommt er unerwartete Konkurrenz: Weil die Gebrüder Motch (Dan Aykroyd & John Lithgow), zwei reiche Unternehmer, für ihre Geschäftspläne einen gefügigen Politiker in Nort Carolina brauchen, investieren sie ihr Geld in Marty Huggins (Zach Galifianakis). Der brave, geistig etwas minderbemittelte Sohn eines Geschäftspartners (Brian Cox) wird vom Imageberater Tim Wattler (Dylan McDermott) aufgepeppelt und macht Brady bald arge Probleme. Der Konkurrenzkampf der beiden Kandidaten nimmt bald schon bizarre Züge an. Brady und Huggins beginnen umzudenken – sehr zum Missfallen der Motch-Brüder …

Die Freude über eine neue Komödie mit Will Ferrell nach längerer Abwesenheit (die er mit einem Ein-Personen-Theaterstück zu füllen wusste, in dem er in die Rolle George W. Bushs schlüpfte) wird dadurch geschmälert, dass THE CAMPAIGN als politische Satire und liberale Kritik am kapitalistischen Wahlkampfzirkus reichlich naiv und pauschal daherkommt. Seine Kritik lässt sich am Ende auf das diffuse Gefühl reduzieren, dass „die da oben“ alle gekauft sind und ein guter Politiker doch bitte immer die Wahrheit sagen soll. Das ist ungefähr so differenziert, wie der Schmonzes, der Sido (!) in Stefan Raabs Polittalkshow triumphieren ließ, und eigentlich kaum besser als die Scheinheiligkeit, die man dem Feindbild vorwirft. So muss man den wahrscheinlich ernst gemeinten Background des Films immer ein wenig ausblenden, um gepflegt ablachen zu können – dass Roach eigentlich ausschließlich Standards des Ferrell’schen Humorschaffens bemüht, macht es nicht einfacher. Die Grundidee ist ja nicht verkehrt und wer sich bei Landis‘ TRADING PLACES bedient (der Plan der Motch-Brüder), hat zumindest schonmal Geschmack bewiesen, aber angesichts der Möglichkeiten, muss die Auflösung, bei der alle ihrer Fehler einsehen und der geläuterte korrupte Politiker dem Idealisten freiwillig das Feld überlässt, weil er von dessen moralischer Integrität beeindruckt ist, enttäuschen. Ein Moralist wie Capra (den mein Mitgucker Frank als Vergleich heranzog) kam mit seiner Botschaft unter anderem deshalb weg, weil er seine Geschichten in einem stilisierten Märchen-Amerika ansiedelte: In THE CAMPAIGN stehen der bekannte linksliberale Zynismus und der unheilbare Glaube an eine Welt, in der es nur eines Mannes bedarf, der sich nicht verbiegen lässt, auffallend unvereinbar nebeneinander.

Die Einfalt des Films tritt in einem metergroßen Plothole zutage: Warum die Motches zur Verwirklichung ihrer schmutzigen Pläne überhaupt einen neuen Kandidaten ins Rennen werfen, anstatt ihr Geld gleich auf Brady zu setzen, der doch von Anfang an als Prototyp des käuflichen, karriere- und geldgeilen Politikers gezeichnet wird, kann Roach natürlich nicht erklären. Wäre THE CAMPAIGN „nur“ eine Komödie, wäre das ja alles kein Problem, aber in einem Film, der ein politisches Gewissen vorgibt, sind solche Versäumnisse schlicht peinlich. Die argumentfreie Gesinnungshuberei lasse ich mir dann auch nur gefallen, weil niemand das vernunftunbegabte Kind im erwachsenen, notgeilen Manne so gut drauf hat wie Will Ferrell. ANCHORMAN 2 kann kommen, dann bitte wieder ohne Gesellschaftskritik.

Kommentare
  1. Frank Stegemann sagt:

    Ich glaube, es „hilft“ ein wenig, über die undifferenzierte Zeichnung der US-Politik in „The Campaign“ hinwegzukommen, wenn man das Handlungsmilieu des Films lediglich als weitere Steilvorlage für die stupenden Gagteppiche der Antagonisten resp. jene Ferrells begreift – ähnlich dem Lokalfernsehen in „Anchorman“, dem Sportzirkus in „Talladega Nights“, „Blades Of Glory“ und „Semi-Pro“ oder dem soziologischen Phänomen Patchwork-Familie in „Stepbrothers“ – und weniger als Politsatire, als die Roaches Film vermutlich wirklich nicht sonderlich taugt. Ein sensibles Thema wie dieses, publikumstauglich aufbereitet und umweglos konsumierbar, sollte, so könnte man weiter argumentieren, ergo möglicherweise nicht als Plotalibi ausgerechnet für die Zoten der neuesten Ferrell-Show herangezogen werden, weil irgendwo die probaten Grenzen der Albernheitendarbietung erreicht sind. Dem wäre entgegenzuhalten, dass sich das Amerika (und damit die Welt) des Kosmos Frat-Pack und damit auch der eines Adam Sandler durchaus als moderner Märchen-Entwurf von Capras „Alternativrealität“ verstehen lässt, angepasst allerdings an die entsprechende moderne Vision eines sonnigen Mittelstandsamerika. Beides war und ist im Hinblick auf seine jeweilige Zeit gleichermaßen komplexitätsreduziert, verlogen, verführerisch und eskapistisch.

  2. Oliver sagt:

    Dass man THE CAMPAIGN so sehen kann oder sollte, wie du es beschreibst, ist klar. Mir ist das aber einfach nicht vollständig gelungen und davon „handelt“ dann im Grunde mein Text.

    Ich finde durchaus nicht, dass es nicht „erlaubt“ wäre, ein solches Thema für Zoten zu missbrauchen. Der etwas bittere Beigeschmack rührt eher daher, dass ich mir nicht so sicher bin, ob die Kritik des Films sich nicht doch ernster nimmt als es ihr eigentlich zusteht – man könnte also auch sagen, dass mir seine Zotigkeit noch nicht weit genug gegangen ist. Gerade Ferrell ist durch seine Auftritte als George W. Bush und seine Tweets als populäre Stimme des Anti-Republikanismus bekannt und beliebt und der Tenor von THE CAMPAIGN fällt auch nicht so irrsinnig weit aus der Politik-Kritik heraus, wie sie in Hollywood seit ein paar Jahren von Leuten wie George Clooney et al. geübt wird. Sie weiß sich gefühlsmäßig auf der sicheren Seite, ohne wirklich etwas zu sagen zu haben.

    THE CAMPAIGN spricht doch ganz bekannte, verbreitete Ressentiment an: gegen „die da oben“, gegen das böse Kapital, gegen Religion bzw. Gläubigkeit. Darin ist der Film sehr konkret. Darin, wie eine praktikable Alternative aussehen sollte, allerdings weniger. Nicht, dass ein Filmemacher den Politikern erklären sollte, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten, aber das, was da als Kritik ausgegeben wird, ist eben nur eine Ansammlung einfacher (und dankbarer) Vorurteile. Die sind natürlich nicht alle aus der Luft gegriffen und auch für den ein oder anderen Lacher gut, aber letzten Endes eben nicht mehr als Polemik. Ich hatte etwas mehr Substanz erwartet – oder auch nur das Eingeständnis, dass die Probleme komplexer und schwieriger sind, als der „kleine Mann“ sie für gewöhnlich hält.

    Der Vergleich mit Capra hinkt m. E. insofern, als seine „komplexitätsreduzierte“ Darstellung eben miterzählt wird. Er siedelt seine Geschichten in einem idealisierten Amerika an, das von vornherein als Traum erkennbar ist. THE CAMPAIGN versteht sich hingegen als satirische Aufarbeitung des realen Wahlkampfzirkusses (siehe den „Gag“ mit den gekauften Zählautomaten), ist aber eben nur Zote.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.