attack! (robert aldrich, usa 1956)

Veröffentlicht: April 13, 2013 in Film
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Ardennen 1944 (so lautet auch der deutsche Verleihtitel): In den letzten Schlachten des Krieges ist die Einheit „Fragile Fox“ beauftragt, Geschütze an strategisch wichtigen Punkten zu installieren. Einer der Soldaten, die mit dieser Aufgabe betraut sind, ist Lieutenant Costa (Jack Palance). Als er hilflos mitansehen muss, wie seine Männer in einem Feuergefecht sterben, weil sein Vorgesetzter, Captain Erskine Cooney (Eddie Albert), ihnen die zugesagte Rückendeckung verweigert, suchen er und Lieutenant Woodruff (William Smithers) Hilfe beim zuständigen Kommandanten Lieutenant Colonel Clyde Bartlett (Lee Marvin): Der gesteht, dass Cooneys charakterlichen und professionellen Defizite zwar bekannt seien, er seinen Posten aber aufgrund von Beziehungen sicher habe. Weil eine Demission Cooneys, den seine Untergebenen als Gefahr für ihr Leben empfinden, nicht zu erwarten ist, schwört Costa Rache für den Fall, dass Cooney sich noch einen Fehler erlaubt. Und der lässt nicht lange auf sich warten: Wieder versagt Cooney seine Hilfe, als Costa mit seinen Männern in einen Hinterhalt gerät …

Wie auch THE BIG KNIFE basiert ATTACK! auf einem Bühnenstück, das Drehbuchautor James Poe für die Leinwand adaptierte. Ganz verbergen der Film seine Herkunft nicht: Schlüsselszenen werden dialogisch aufgelöst und der überschaubare Kreis handelnder Personen findet in fast jeder Szene zusammen. Die Actionszenen, die wahrscheinlich für den Film hinzugefügt wurden, schaffen in erster Linie Atmosphäre und Konkretion, fügen dem Plot aber nichts Wesentliches hinzu. ATTACK! läuft ganz auf die Konfrontation zwischen den eigentlich doch auf derselben Seite kämpfenden Männern Costa und Cooney hinaus und rückt zwei Erkenntnisse ins Zentrum: Auch unter Verbündeten gibt es Konflikte, die unter Umständen schwerer sind als die zwischen vermeintlichen Feinden. Und auch im Krieg hören Menschen nicht auf, Privatleute zu sein: Sie nehmen ihre Probleme mit aufs Schlachtfeld. Die Auseinandersetzung zwischen Costa und Cooney ist dann auch kein Duell zwischen dem „Guten“ und dem „Bösen“: Cooney kann aus seiner Haut nicht heraus. Dass er ein Feigling und Opportunist ist, hat er den Umständen seiner Erziehung zu verdanken, seine Position, die ihn dazu befähigt, Menschenleben leichtfertig zu opfern, seinem Namen und der bis in höchste Ämter reichenden Vetternwirtschaft. Die ernüchternde Erkenntnis für Costa und seine Kameraden, aber auch für den Zuschauer: Im Krieg, dieser wohl extremsten Situation, in der sich ein Mensch befinden kann, werden meist seine schlechtesten Eigenschaften hervorgekehrt und nicht etwa seine besten. Männer wie Costa, ein ehrlicher, aufrichtiger Mann, der inmitten des Chaos bemüht ist, sich seine Menschlichkeit zu bewahren, kämpfen auf verlorenem Posten. Sie können nur nochzusehen, wie um sie herum alles zusammenbricht.

Das Ende von ATTACK! ist vielleicht etwas zu versöhnlich und aufklärerisch, aber dem Film kann das keinen echten Schaden zufügen, weil Aldrich alle Register zieht: Die dichten Bildkompositionen sorgen auch in Ruhepausen für Spannung, die Eröffnungsszene zeigt die ganze Absurdität des Krieges in an Surrealismus grenzender Klarheit: Auf einem im Sonnenschein friedlich ruhenden Grashügel werden gleich mehrere amerikanische Soldaten erschossen, ohne dass sich dem Betrachter erschlösse, warum man ausgerechnet an diesem Ort sterben sollte. Das zieht sich wie ein roter Faden durch den Film: Aldrich findet immer wieder treffende Bilder, die die ganze Sinnlosigkeit des endlosen Tötens verdeutlichen. Und er erspart dem Zuschauer dabei nichts: Die hysterischen Schmerzensschreie Costas, als ihm ein Panzer über den Arm fährt, vergisst man nicht mehr so schnell. Aldrich muss gar nichts zeigen, um den Zuschauer im Innersten zu treffen. ATTACK! ist keiner seiner ganz großen Filme , aber er verfehlt seine Wirkung nicht. Das ist auch Jack Palance und seinem wieder einmal erstaunlich nuancierten Spiel zuzuschreiben. Er ist das Gravitationszentrum des Films und was am Ende mit seinem Costa passiert, ist nur schwer zu verkraften – und natürlich absolut programmatisch. Aber die ganze Besetzung ist so inspiriert: Lee Marvin ist in seinen beiden kurzen Szenen fleischgewordene militärische Autorität, Eddie Albert der Feigling, den man nur aus Mitleid nicht mit voller Inbrunst hassen kann. Richard Jaeckel gibt einen von Costas Männern, Strother Martin fällt zu Beginn dem Verrat Cooneys zum Opfer und der Deutsche Peter van Eyck hat einen Auftritt als SS-Mann. Wie gesagt: Kein Meisterwerk, aber ein absolut sehenswerter Film, ideal etwa im Doppelpack mit Siegels HELL IS FOR HEROES. (Oder etwa in Verbindung mit Fullers frühen Kriegsfilmen THE STEEL HELMET und FIXED BAYONETS!.)

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