big leaguer (robert aldrich, usa 1953)

Veröffentlicht: April 17, 2013 in Film
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Jahr für Jahr folgen Hunderte von amerikanischen Jugendlichen dem Ruf der großen Baseballteams: In Trainingslagern in Florida messen sie sich miteinander in der Hoffnung, nach ein paar Wochen einen Profivertrag in der Tasche zu haben. BIG LEAGUER folgt einer Handvoll dieser jungen Männer in ein Camp der New York Giants. Unter der Beobachtung und Anweisung von Trainer „Hans“ Lobert (Edward G. Robinson) versuchen sie, sich den Traum eines jeden Jungen zu erfüllen. Unter ihnen befinden sich der hochmotivierte Pitcher Bobby Bronson (Richard Jaeckel), die New Yorker Labertasche Julie Davis (William Campbell), Tippy Mitchell, der weniger begnadete Sohn des ehemaligen, verehrten First Baseman Wally Mitchell, der kubanische Immigrant Chuy sowie Adam Polachuk (Jeff Richards), ein Supertalent an Third Base, dessen strenger Vater für ihn allerdings eine schnöde Juristenkarriere vorgesehen hat …

Robert Aldrichs Spielfilmdebüt – zuvor hatte er bereits einige Male fürs Fernsehen gearbeitet – ist eine hoffnungslos sentimentale, leichtfüßige und liebenswerte, aber eben auch durchweg harmlose und flüchtige Angelegenheit. Ein Journalist fungiert als Erzähler, tritt aber sonst nicht in Erscheinung. Seine Stimme untermauert lediglich den Anspruch des Films, ein möglichst authentisches Abbild dessen zu liefern, was sich Jahr für Jahr wieder ereignet. Und wie es sich für einen Baseballfilm gehört, wird dieses sich regelmäßig wiederholende Schauspiel mythisch verklärt: Im Baseballsport zeigt sich die amerikanische Seele in ihrer reinsten Form, und die Major League ist gleichsam die Kathedrale, in der sich das Beste und Höchste des Landes versammelt, um dem American Dream zu huldigen. Die Bemühungen der Jungen, Eingang zu dieser Kathedrale zu erhalten, ist so zu gleichen Teilen der Stoff, aus dem die Heldengeschichten wie auch die großen Tragödien gestrickt sind. Das Große, Edle trifft direkt auf das Kleine, Banale, Glück und Enttäuschung liegen eng beeinander. Aber es ist eben auch dieses Nebeneinander, das die Schönheit des Ganzen ausmacht. In ihrem Traum sind alle miteinander vereint, ganz egal, ob er sich nun verwirklicht oder verpufft. So treffen sich All-American Boys, Immigranten, die kein Wort Englisch sprechen, und die Söhne von Einwanderern aus Europa, Jungs vom Land oder aus den Großstädten, Großmäuler und Schüchterne, Arme und Reiche und sind für die Dauer ihres Campaufenthalts gleich. Das kennt man aus zahlreichen Sportfilmen, oder, wenn der Tellerrand beim deutschen Fernsehprogramm aufhört, aus der grausamen Integrationskampagne des DFB, in der sich die Eltern unserer multikulturellen Nationalmannschaft zum Fußballgucken treffen. In Aldrichs Film ist es aber natürlich etwas schöner, wärmer und herzlicher. Und eben mit Baseball, was selbstverständlich der größte Pluspunkt ist.

Ich habe eben erst bei der Bildersuche festgestellt, dass BIG LEAGUER über die Warner Archive Collection auch auf DVD verfügbar ist. Ob man sich diese in den Schrank stellen muss, sei aber nicht nur deshalb dahingestellt, weil man ihn sich auch in akzeptabler Qualität auf Youtube anschauen kann: Wäre er nicht von Aldrich, wäre er kaum der Rede wert. Das heißt nicht, dass BIG LEAGUER schlecht ist, aber er ist eben nicht mehr als eine von unzähligen kleinen B-Produktionen aus jener Zeit, die zwar über einen vor allem dem nostalgischen Blick des heutigen Betrachters geschuldeten, unleugbaren Charme verfügen, aber eben auch komplett austauschbar und enorm schnell wieder vergessen sind. Das Drehbuch begnügt sich damit, einige grob skizzierte Figuren und Episödchen zu einer kurzweiligen, aber eben auch beliebigen Collage zusammenzufügen. Diese Beliebigkeit ist natürlich irgendwie auch der point an BIG LEAGUER, der ja nichts anderes will, als das Allgemeine abzubilden. Aber ein bisschen mehr Stringenz hätte nicht geschadet. Das als Höhepunkt gedachte Trainingsspiel gegen das Konkurrenzteam der Dodgers rundet den Film zwar ab, sorgt aber kaum für Herzklopfen. Dazu bleiben die Charaktere einfach zu unspezifisch. Wirklich schön ist aber das Aufeinandertreffen zweier ungleicher Väter auf der Tribüne: Wally Mitchell, der ehemalige Profi, will sehen, wie sein Sohn es ihm gleichtut. Mr. Polachuk, der strenge Vater Adams, möchte seinen Sohn schnellstmöglich aus dem Camp holen, damit er einen anständigen Beruf ergreift. Während nun der eine sieht, dass sein Sohn zwar engagiert, aber eben einfach nicht talentiert genug ist, lernt der andere, dass sein Junge vielleicht das tun sollte, was er am besten kann: Baseballspielen. Er erkennt die Größe des Spiels, das er selbst nicht versteht, in den Reaktionen der um ihn herum sitzenden Zuschauer, versteht, dass es mitnichten Vergeudung ist, sein ganzes Engagement in dieses Spiel zu investieren (dass er nebenbei darüber aufgeklärt wird, dass man als Profi-Baseballer extrem gut bezahlt wird, trägt zu seiner Akzeptanz natürlich bei). Das Nebeneinander der beiden fremden, völlig verschiedenen Väter, die sich in diesem Moment auf der Tribüne begegnen und aufeinander Einfluss nehmen, bildet im Kleinen ab, was über die Gesamtlänge des Films durch eine Unzahl fragmentarisch bleibender Plotz verwässert wird. In diesem kleinen Abstecher erreicht der Film diee Intimität, die man sonst über weite Strecken vermisst.

Wer sich den Film auf Youtube anschauen möchte – man kann 70 Minuten sehr viel besser, aber ganz sicher noch bedeutend schlechter verbringen – der tue dies hier:

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