streets (katt shea, usa 1990)

Veröffentlicht: Mai 27, 2013 in Film
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Der Freier (Eb Lottimer) des 16-jährigen Straßenmädchens Dawn (Christina Applegate) entpuppt sich als Psychopath. In letzter Sekunde wird sie vom jungen Sy (David Mendenhall) gerettet, der sich in L.A. als Musiker verdingen will. Die beiden kommen sich infolgedessen näher und der aus behüteten Verhältnissen stammende Sy erhält Einblick wie es auch sein könnte: Dawn wurde von ihrer Mutter, einer Prostituierten, sitzengelassen und lebt nun mit zahlreichen anderen jugendlichen Obdachlosen in einem Abwasserkanal. Die einzige Aufheiterung ist der Fix, für den sie ihr weniges Geld ausgibt. Aber auch für dieses Leben lohnt es sich zu kämpfen: Denn der Killer vom Anfang will seine Niederlage nicht so auf sich sitzen lassen. Und dass er ein Polizist ist, macht es nicht einfacher …

STREETS, auf den ersten Blick ein Nachfolger eher exploitativer Babystrich-Filme wie ANGEL, entpuppt sich auf den zweiten als durchaus ernstes, gut gespieltes Drama. Christina Applegate und David Mendenhall – Stallones Sohn aus OVER THE TOP – geben ein sympathisches ungleiches Pärchen ab, die gleichzeitig sonnendurchfluteten wie tristen Bilder von Venice Beach bieten eine stimmungsvolle Kulisse für den Blick auf die Schattenseiten der kalifornischen Metropole. Zwar bleibt STREETS etwas zu konventionell und brav, um wirklich zu schockieren oder zu bewegen, dennoch sind seine Bemühungen aller Ehren wert. Die potenzielle Wirkung der Corman-Produktion wird in erster Linie durch den reichlich generischen Serienmörder-Subplot gemindert: Zwar liefert der einige heftige Bilder und Effekte – die Erschießung einer in eine Mülltonne gesteckten Elfjährigen etwa –, aber er rückt den sehr aufrichtigen Film (nie gleitet er in den Sleaze ab, in dem vergleichbare Prostitutionsdramen so gern aufhalten) auch unweigerlich in Richtung Kintopp. Man kennt das aus unzähligen anderen Werken: die Parallelmontagen nichts Böses ahnender Opfer und des ihnen immer näher kommenden Killers, die Morde an den Freunden, denen der Schurke die Hinweise auf den Verbleib der Gesuchten abringt, die Trennung der Protagonisten just in dem Moment, in dem sie ihre gegenseitige Unterstützung am meisten brauchen, dann schließlich ihre Wiedervereinigung und der Triumph über den Widersacher. Das ist, wie gesagt, immer sauber gemacht – auch wenn die Tatsache, dasss der Killer Polizist ist, den Film kein Stück weiterbringt –, lenkt aber eben auch von den interessanteren, gewichtigeren Aspekten des Films ab. Dass das Herz dennoch auf dem rechten Fleck sitzt, das Schicksal Dawns nicht bloß den sensationalistischen Stoff für zynische Zuschauermanipulation bietet, beweist das tolle, traurige Ende, das dem Friede-Freude-Eierkuchen und der Gefühlsduselei, das etwa Fernsehproduktionen auszeichnet, die sich dieses Themas annehmen, eine saftige Absage und STREETS mit seinem Schlussbild im Gedächtnis verankert.

Kann man gucken.

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