airheads (michael lehmann, usa 1994)

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 in Film
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Chazz (Brendan Fraser), Rex (Steve Buscemi) und Pip (Adam Sandler) sind „The Lone Rangers“, eine Rockband, die verzweifelt versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Weil das bisher kläglich an der mangelnden Bereitschaft der Plattenfirmen, sich ein Demotape anzuhören, gescheitert ist, ergreifen die Drei die letzte Chance: Sie brechen in der Rock-Radiostation KPPX  ein, um DJ Ian (Joe Mantegna) dazu zu bringen, in seiner Sendung einen Song von ihnen zu spielen. Natürlich kommt es zu einer Streiterei, in deren Folge die Lone Rangers zu Geiselnehmern werden. Es gilt, die verbleibende Zeit zu nutzen, um irgendwie bekannt zu werden, bevor sie unweigerlich in den Knast wandern. Der Plan scheint aufzugehen, denn draußen sammeln sich die Menschenmassen, die den Underdogs frenetisch zujubeln …

Als AIRHEADS rauskam, da kannte ich tatsächlich keinen einzigen seiner drei Hauptdarsteller. Heute war nicht zuletzt Adam Sandler einer der Hauptgründe für mich, mir den Film anzuschauen, aber die eigentliche Schau ist Steve Buscemi als Macho-Rocker mit Chris-Cornell-Bart, langen Haaren, Schweißbändern und Röhrenjeans. Angesichts seiner nach diesem Film entwickelten Filmpersona ist seine Rolle hier geradezu bizarr – zumal er absolut überzeugend agiert. Es sind dann auch solche kleinen inspirierten Besetzungscoups, die den Film aus der Masse herausheben: Judd Nelson gibt den schmierigen Plattenfirmen-Mann, Michael McKean (THIS IS SPINAL TAP) den opportunistischen Radiochef, Joe Mantegna den Althippie Ian, Ernie Hudson den um Deeskalation bemühten Polizisten, Michael Richards (SEINFELD) den Feigling, der der Polizei seine Hilfe anbietet, und Harold Ramis als Kriminalbeamter. In kleineren, auf Comic Relief angelegten Nebenrollen agieren Chris Farley als trotteliger Polizist und David Arquette als bekiffter Radio-Mitarbeiter. Gastauftritte von Lemmy Kilmister, MTV-Moderator Kurt Loder und White Zombie verleihen AIRHEADS schließlich die nötige Credibility, ohne ihn zur Nummernrevue verkommen zu lassen. Die Story von AIRHEADS mag nicht besonders reich an Überraschungen sein, er lebt auch nicht – wie ich das eigentlich erwartet hatte – von schreiendem Klamauk und markigen Sprüchen (jedenfalls nicht im Originalton), sondern zeichnet sich in erster Linie durch sein großes Herz aus. Regisseur Lehmann hatte schon mit dem formidablen HEATHERS bewiesen, dass er Jugend und Jugendkultur versteht und ernstnimmt und das zeigt sich auch hier, wenn er geldgeile, aber ahnungslose Plattenfirmen-Manager oder Radiochefs aufs Korn nimmt, und den subversiven, rebellischen und agitatorischen Charakter guter Rockmusik feiert. Mehr als die im Titel suggerierten Luftpumpen sind Chazz, Rex und Pip engagierte, leidenschaftliche und ehrliche Typen, die keinen Bock auf die Maskerade haben, die die Leistungsgsellschaft zunehmend von ihnen erwartet. Sie wollen Erfolg, ja, aber nicht um jeden Preis. Eine Wohltat in Zeiten, in denen jeder Hannebambel meint, er könne die Qualifikation zum Superstar im Privatfernsehen erwerben. Keine Granate, aber ein unerwartet warmer, liebenswerter Film.

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