escalofrío (carlos puerto, spanien 1978)

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 in Film
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Das brave Ehepärchen Ana (Mariana Karr) und Andres (José Maria Guillén) – sie erwartet das erste Kind von ihm – wird bei einem Ausflug von einem anderen Pärchen – Bruno (Ángel Aranda) und Berta (Sandra Alberti) – angesprochen. Bruno behauptet felsenfest, mit Andres auf die Klosterschule gegangen zu sein und besteht darauf, dass er sie zusammen mit seiner Frau nach Hause begleitet. Andres kann sich zwar überhaupt nicht an Bruno erinnern, willigt aber ein. Ein Fehler, denn in dem alten Haus des Pärchens mitten in der spanischen Einöde entpuppen die beiden sich als Satanisten. Und sie führen irgendetwas im Schilde …

Redemption vermarkten ESCALOFRÍO unter dem reißerischen Titel SATAN’S BLOOD als Horrorfilm mit eindeutig sexploitativem Einschlag. Das DVD-Cover ziert ein Screenshot sich betastender nackter und verschwitzter Menschen, dazu wird DVDManiacs.com mit „oodles of sex and violence“ zitiert und hinten erwähnt die Inhaltsangabe „psychopathic Satanists with a liking for group sex“. Alles nicht falsch, doch ist ESCALOFRÍO dann doch deutlich zahmer, als es die Verpackung einem weismachen möchte. Die eine kurze Sexszene ist zwar einigermaßen schwül und lüstern inszeniert, doch ist Puertos Film sonst deutlich weniger vordergründig. Im Grunde erzählt er eine Geschichte, die prädestiniert scheint für eine Umsetzung innerhalb eines Episodenfilms. Der Ausgang zeichnet sich lang ab und erinnert etwas an andere Okkultismus-Schocker wie ROSEMARY’S BABY oder THE SENTINEL (es gibt noch weitere Beispiele, die mir blöderweise allesamt nicht einfallen wollen). Hinter dem Treiben Brunos und Bertas steckt ein böser Plan, dessen Erfolg bereits in dem Moment besiegelt ist, in dem Ana und Andres sich von ihnen zum Mitkommen überreden lassen. Von da an beschleunigen sich die Ereignisse für das bieder-naive Ehepaar in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale, und mit jedem ihrer Versuche, sich aus der ausweglosen SItuation zu befreien, erfüllen sie wieder nur den Plan der Satanisten.

Puertos Film ist recht atmosphärisch mit seinen bescheidenen Mitteln und so herrlich trüb und trist, wie es lustigerweise ausgerechnet die Horrorfilme aus des Deutschen liebstem Urlaubsland sind. Kein Stück blauen Himmels gibt es zu sehen, keinen Sonnenstrahl, keinen Strand und schon gar keine Palmen. Hier ist alles schwarz, grau, braun, im besten Fall mal beige. Die beiden Protagonisten sind leidlich sympathisch in ihrer bieder-durchschnittlichen Art und der Gutgläubigkeit, mit der sie sich den Fremden anvertrauen, aber gerade weil sie so völlig eigenschaftslos und jämmerlich sind, tun sie einem Leid. Wie wurstig sie sind, zeigt sich auch daran, wie bereitwillig sie plötzlich zum Äußersten greifen und diesen ihrerseitigen Gesetzesverstoß vor sich selbst rechtfertigen. Ein bisschen Gläserrücken und ein flotter Vierer werfen sie schon völlig aus der Bahn, zerstören alle ihre zuvor noch so hochgehaltenen moralischen Grundüberzeugungen. Wenn sich die Satanisten danach nicht ihrer angenommen hätten, sie hätten nach so viel Sünde beim Leibhaftigen wahrscheinlich Selbstanzeige erstattet.

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