happy gilmore (dennis dugan, usa 1996)

Veröffentlicht: August 1, 2013 in Film
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Happy Gilmore (Adam Sandler) träumt trotz zahlreicher gescheiterter Bewerbungen und eher mäßigem Talent immer noch von einer Karriere als Eishockeyspieler. Richtig gut ist er aber nur im Prügeln und darin, den Puck mit voller Wucht durch die Gegend zu dreschen. Diese Fähigkeit kommt ihm auch bei einer Golferwette entgegen, bei der er den kleinen Ball weiter schlägt als mancher Profi. Der ehemalige Golfer Chubbs Peterson (Carl Weathers) erkennt gleich das Potenzial in dem ungehobelten Gilmore und schlägt ihm vor, an einem Turnier teilzunehmen. Der Sieger qualifiziert sich automatisch für die Golf-Meisterschaft. Und weil Gilmore Geld braucht, um die Schulden seiner geliebten Oma zu bezahlen, willigt er ein. Der cholerische Rüpel mischt die vornehme Golfklientel ordentlich auf und wird bald zum medialen Phänomen. Das wiederum passt dem arroganten Meisterschaftsanwärter Shooter McGavin (Chrstopher McDonald) überhaupt nicht …

So wie ich die Karriere von Adam Sandler verfolgt habe, war es HAPPY GILMORE, der seinen Durchbruch als Filmstar bedeutete. Und während der Komiker in Deutschland nie die ganz große Popularität erlangte, so genoss dieser Film unter Junggebliebenen doch zumindest kurze Zeit einen kleinen Kultstatus. Zugegeben, die Idee, dass ein Eishockey-Prolet die feine, distinguierte Gesellschaft der Golfer unterwandert und die vornehmen älteren Herren mit seinen äußerst rüden Umgangsformen aufschreckt, ist ganz putzig. Leider trägt sie keinen ganzen Film, wenigstens nicht diesen. HAPPY GILMORE wirkt auf mich seltsam krampfig. Echte Gags gibt es eigentlich nicht, bloß das ungehobelte Verhalten Gilmores, das keine echte Entwicklung zulässt, außer natürlich der für diese Filme üblichen: Um an sein Ziel zu gelangen muss Gilmore sein Verhalten modifizieren und lernen, sich gegen seine „natürlichen“ Impulse zu verhalten. Und wie das halt so ist in Hollywood-Komödien geht mit dieser Selbst-Zähmung des Widerspenstigen – ein wieder mal ausgesprochen bieder-braves Love Interest hilft tatkräftig mit – auch der Erfolg einher, stand sich der eigentlich talentierte Golfer Happy Gilmore mit seinen Wutausbrüchen doch zuvor überwiegend selbst im Weg. Wie auch schon bei BILLY MADISON hat Happy Gilmore am Ende seine Lektion gelernt, verstanden, dass er seine Fähigkeiten konzentrieren und seine Schwächen zügeln muss, um ein besserer – und erfolgreicherer – Mensch zu sein. Oder wie es sein Trainer Chubbs sagt: Gilmore muss seinen „Happy Place“ finden, einen mentalen Zustand, in dem er mit sich im Reinen ist, und alles, was seine Konzentration raubt, ausgeblendet wird.

Dennis Dugan, Regisseur einiger der besten Filme Sandlers, ist es leider nicht gelungen, aus der recht eindimensionalen Prämisse einen 90-minütigen Spielfilm zu machen. Die schon beim ersten Mal nur dezent amüsanten Kapriolen Gilmores wiederholen sich ad infinitum, die Wendungen, die das Drehbuch nimmt, um zum vorhersehbaren Finale zu kommen, sind beinahe lieblos hingeworfen: Eine durch das Eingreifen des Konkurrenten herbeigeführte Verletzung, die Gilmore seiner stärksten Waffe beraubt, verschwindet einfach wieder, und als durch einen Unfall ein Boxenturm genau zwischen Gilmores Ball und das Loch fällt, da verbieten es angeblich die Regeln, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen. Solche Nachlässigkeit kennt man aus modernen Komödien und sie wären zu vernachlässigen, wenn die Lacherquote stimmte. Im Vergleich zum zwar unrunderen, aber dennoch befriedigerenden BILLY MADISON versagt HAPPY GILMORE genau hier. Es gibt ein paar gute Ansätze, wie die Beziehung Gilmores zu Chubbs Peterson (der zu früh abtreten muss), die Idee, dass sich Happy Gilmore einen Penner als Caddy heranholt und eine witzige Gastrolle für Ben Stiller als sadistischer Altenpfleger mit Dschingis-Khan-Schnauzbart. Aber wirklich witzig ist lediglich Christopher McDonald als selbstverliebter, intriganter Shooter McGavin, und irgendwie dünkt mir ein Film, der um diesen Fiesling gestrickt ist, aussichts- und facettenreicher als das, was Happy Gilmore an Möglichkeiten bietet.

Im Werk seines Hauptdarstellers ist HAPPY GILMORE, wie oben schon erwähnt, durchaus bedeutend. Er gehört noch zum Frühwerk, verharrt noch ersten Stufe der Entwicklung von Sandlers Filmpersona vom juvenilen, aufbrausenden Einfaltspinsel hin zum fürsorglichen Familienvater, und dabei fällt dabei im Grunde hinter BILLY MADISON zurück. HAPPY GILMORE ist etwas größer und professioneller, aber die verspielte Herzlichkeit und Unbekümmertheit des Vorgängers geht ihm weitestgehend ab. Zusammen mit dem fast schon unverschämt plumpen Product Placement ergibt sich ein Urteil, das mit bei Sandler sonst sehr fernliegt: HAPPY GILMORE ist mir ein wenig unsympathisch. (Dass er 1996, dem Jahr der vielleicht größten weltweiten Hongkong-Popularität, den doofen MTV Movie Award für die „Best Fight Scene“ erhielt, eine müde Boxerei zwischen Happy Gilmore und einem sich selbst spielenden greisenhaften Game-Show-Host, dafür kann der Film zwar nix, aber es passt absolut ins Bild.)

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