the waterboy (frank coraci, usa 1998)

Veröffentlicht: August 5, 2013 in Film
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Bobby Bouchet (Adam Sandler) ist ein sympathischer Einfaltspinsel. 31 Jahre alt, lebt er immer noch mitten in den Bayous bei seiner überfürsorglichen Mama (Kathy Bates), die alle ihrer Meinung nach schädlichen Einflüsse von ihm fernhält und so sein Erwachsenwerden verhindert. Mit großer Akribie und Zufriedenheit widmet sich Bobby seinem „Beruf“ als Wasserträger beim örtlichen Footballteam, wo er geduldig die Schmähungen der Sportler erträgt, für die er nur ein Dummkopf ist. Als er bei den seit Jahren sieglosen „Mud Dogs“ landet, wendet sich das Blatt für Bobby jedoch unerwartet. Der verzweifelte Trainer (Henry Winkler) entdeckt nämlich ein bislang verborgen gebliebenes Talent Bobbys: Wenn er provoziert wird, legt er die Zielstrebigkeit und Durschlagskraft einer Zielsuchrakete an den Tag. So wird er vom Wasserträger zur unersetzlichen Waffe der Mud Dogs, die mit ihm von Sieg zu Sieg eilen. Seine neue Popularität ist jedoch nicht nur Bobbys Mama, sondern auch den Gegnern ein Dorn im Auge …

THE WATERBOY war in den USA ein veritabler Hit und wurde von mir und meinem guten Freund Rolf damals überaus neugierig in den Videorekorder geworfen, als er in einer örtlichen Videothek frühzeitig als NTSC-Tape zur Verfügung stand. So hatten wir das damals in Ermangelung an O-Ton-Spuren noch nicht ganz so selbstverständliche Glück, den Film nicht in der grausamen deutschen Synchro ertragen zu müssen. Diese quälte Zuschauer des Filmes nämlich mit der Geschmacklosigkeit, „Richie“, den damals populären Prolotürken-Charakter des heute mit zahlreichen Fußballprominenz-Imitationen nervenden „Komikers“ Matze Knop, als Sprecher für Adam Sandlers idiot savant aufzubieten. (Ein absolut verachtenswerter Brauch übrigens, dessen wahrscheinlich hinrverbranntester Auswuchs die Erkan&Stefan-Synchro der spanischen CLEVER & SMART-Verfilmung ist: Der deutsche Zuschauer darf sich nun darüber wundern, warum zwei spanische Geheimagenten die ganze Zeit irgendwelche idiotischen Dönersprüche reißen. So kann man einen Film auch kaputtbearbeiten.) Gefallen hat mir THE WATERBOY damals trotzdem nicht: Zu albern und infantil erschien mir sein Humor damals, Sandlers Spiel als zu ausgestellt, zu wenig „naturalistisch“, zu grimassierend und clownesk. Die erneute Sichtung gut 15 Jahre später zeigt, dass das keineswegs ein Unfall war, sondern vielmehr Programm ist. THE WATERBOY ist ein modernes Märchen, in dem alles etwas größer und bunter ist, aber die im Märchen greifenden Mechanismen in das moderne Alltagsamerika überführt werden. Bobby lebt wie in einer kleinen Privatseifenblase, es ist, als schritte er durch den Spiegel, wenn er das anachronistische Holzhäuschen seiner Mama verlässt, um seinen Arbeitstag anzutreten.  Zuhause ist alles gut: Der Esel steht friedlich im Wohnzimmer, Mama tischt leckere hausgemachte Sumpfdelikatessen wie Schlange oder Baby-Alligator auf und bürstet ihrem Sohnemann die Haare, bevor der im Kinderpyjama zu Wrestlingübertragungen mit seinem Held „Captain Insano“ einschläft. Draußen fängt dann der Spießrutenlauf an: Schon während der Fahrt auf seinem kleinen Traktor muss sich Bobby anpöbeln lassen und diese Beleidigungsarie zieht sich durch seinen ganzen Alltag. Sandlers Amerika ist hier eher unfreundlich: Seine Bewohner sind schnell bereit, ihren niedersten Instinkten zu gehorchen, es regiert das Gesetz des Stärkeren und es nimmt nur wenig Rücksicht auf jene, die nicht zu den Schönen und Erfolgreichen gehören. THE WATERBOY erzählt zwar die eigentlich altbekannte uramerikanische Erfolgsgeschichte, gibt sich dabei jedoch keinen großen Illusionen hin. Pathos sucht man vergebens: Dass der tumbe Bobby zum Star wird, ist im System nicht vorgesehen, und was ihn letztlich dazu befähigt, sind Jahrzehnte der Demütigung und des aufgestauten Zorns.

Wie die meisten Filme Sandlers ist auch THE WATERBOY kein Gag-Dauerfeuerwerk, sondern vor allem etwa fürs Herz. Der Zuschauer wird nicht dazu eingeladen, sich über den Dummkopf kaputtzulachen, sondern mit ihm zu fühlen. Seine vermeintliche Dummheit ist nämlich gar kein Makel, sie ist letztlich Zeichen seiner Offenheit und Verwundbarkeit, die ihn in seiner gleichgeschalteten Welt zu etwas Besonderem macht. Es überspannt den Bogen tatsächlich nur unwesentlich, zu behaupten, THE WATERBOY sei ein Film gegen den Ökonomiewahn der sogenannten Leistungsgesellschaft. Talent, Engagement, Einsatzwille und Durchsetzungsvermögen sind nicht immer da zu finden, wo man sie am ehesten vermutet.

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