paul blart: mall cop (steve carr, usa 2009)

Veröffentlicht: August 14, 2013 in Film
Schlagwörter:, ,

Paul Blart (Kevin James) möchte Polizist werden. Jahr für Jahr bewirbt er sich wieder und durchläuft die anstrengenden Tests, doch immer wieder macht ihm seine Hypoglykaemie, ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, einen Strich durch die Rechnung. So reicht es für ihn bislang nur zum Sicherheitsangestellten in der örtlichen Mall: einer Aufgabe, der er, sehr zum Unverständnis seiner Kollegen, mit geradezu heiligem Ernst nachgeht. Das ist vor allem Kompensation: Seit seine Frau ihn mit der gemeinsamen Tochter sitzenließ, lebt Paul das einsame Leben eines unglücklichen Singles. Als er die Ladenbesitzerin Amy (Jayma Mays) kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf, scheitert mit seinen ungeschickten Annäherungsversuchen jedoch kläglich. Pauls große Stunde schlägt, als Einbrecher die Mall in ihre Gewalt bringen und auch Amy als Geisel nehmen …

Dass ich Kevin James sehr lustig finde, hatte ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben. Er ist kein großer Komiker, aber er hat es einfach raus, sich auf die Schnauze zu legen oder sonstwie zum Affen zu machen und dann dieses treudoofe Gesicht aufzusetzen, das fragt: „Warum lachst du? Es ist doch gar nichts passiert.“ Die pathologische Unbeholfenheit und tumbe Elefantenhaftigkeit des durchschnittlichen Durchschnittstypen, der insgeheim davon träumt, einmal so sexy wie die Stars im Fernsehen zu sein, hat er zur Kunstform erhoben. Ein Film mit ihm, in dem er 90 Minuten lang einfach nur hinfällt, gegen Hindernisse rennt und erfolglos coole Moves imitiert, die er irgendwo aufgeschnappt hat, hätte großes Potenzial. Leider hat er diesen Film bislang noch nicht gemacht. Stattdessen gibt es PAUL BLART: MALL COP, dem es nicht ausreicht, Menschen mit Lowbrow-Humor zum Lachen zu bringen, sondern der dann auch noch ein Drama und ein Actionfilm sein will. Die erste halbe Stunde liefert das, was ich mir von dem Film erhofft hatte: Paul, der seinen banalen Job zur herkulischen Aufgabe verklärt; Paul, der mit dem Segway herumfährt, wie Ben Hur im Streitwagen; Paul, der hinfällt und gegen Hindernisse prallt; Paul, der sich im Alkoholrausch zum totalen Horst macht. Das ist witzig, weil Kevin James diese dankbaren Slapstick-Einlagen mit einer gewissen Anmut und Würde versieht. Man erkennt sich wieder in Pauls Streben, größer auszusehen als er eigentlich sind, und in den traurigen Momenten, in denen ihn die Einsicht ereilt, dass er eben doch nur der übergewichtige Narr und mitnichten das Sexy Beast ist. Diese Selbsterkenntnis geht Carrs Film leider weitestgehend ab. Anstatt sich auf seine kleinen Stärken zu besinnen, versteigt er sich beim Versuch mehr zu sein als eine kleine, einfach gestrickte Komödie. Und der Film säuft dann auch ziemlich ab, als plötzlich die Verbrecher auftreten und der Film zu einer Art DIE HARD WITH A FAT GUY wird. Zugegeben: Szenen wie jene, in der sich Paul an die Schurken anschleicht und seine aus Actionfilmen abgeschauten Moves an der eigenen Fettleibigkeit scheitern, sind durchaus witzig, aber Carrs statische Inszenierung der fußlahmen Actionszenen raubt dem Film jedes Momentum, dass er gewänne, wenn er sich einfach nur auf James konzentrierte. Der Plan der Klischeeschurken – sie setzen sich aus Skatern und Parcoursläufern zusammen, sodass man immer wieder den Eindruck hat, in einem überproduzierten Youtube-Video gelandet zu sein – interessiert keine Sau, genauso wenig übrigens wie Pauls Triumph, weil Carr es einfach nicht versteht, Spannung und Thrill zu erzeugen. Der Showdown des Filmes erinnert dann eher an Bad Segeberg als an einen Hollywood-Film. Dieses Understatement hätte man möglicherweise sogar gewinnbringend einsetzen können, weil es dem Wesen Pauls entspricht. Aber dafür hätte man es stärker herausarbeiten und konturieren müssen. So, wie das hier präsentiert wird, wirkt es nicht gewollt, sondern lediglich nicht gekonnt.

Kommentare
  1. zorafeldman sagt:

    ich glaube, die parcourläufer sind explizit eingesetzt worden, um sie mit james zu kontrastieren. die szenen fand ich dann auch noch lustig. aber das outwitting des brainy bad guy durch den doofen mall cop kommt einfach nicht so anschaubar rüber.

    • Oliver sagt:

      Ganz bestimmt sogar. Ist aber trotzdem bescheuert, weil diese Schurkenzusammenstellung einfach denkbar gimmicky und unglaubwürdig rüberkommt.

      • zorafeldman sagt:

        war halt im trend. der ganze krimiplot hätte von mir aus wegfallen können – ein showdown mit dem ekligen nebenbuhler wäre sowieso lustiger gewesen.

      • Oliver sagt:

        Ja, sehe ich auch so. Aber wenn schon Krimi und Action, dann hätte man das ganze einfach etwas weniger schematisch aufziehen müssen. Oder jemanden mit der Regie beauftragen, der sich auf Bewegung versteht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.