killer party (william fruet, usa 1986)

Veröffentlicht: August 16, 2013 in Film
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KILLER PARTY beginnt mit einer hübschen doppelten Finte. Der Zuschauer sieht zunächst vier Menschen bei einer Trauerfeier: Während Schwester, bester Freund, Sohn und Schwiegertochter der Verstorbenen mehr oder minder betroffen dreinblicken, grinst der Pfarrer wie bei einem Kindergeburtstag und schließt seine Rede mit einem Zitat aus THE WIZARD OF OZ. Als die Angehörigen danach still neben dem Sarg stehenbleiben, erinnert er sie mit einem lapidaren „Well, that’s it!“ daran, dass sie die Kirche nun verlassen sollen. Doch auf der Schwelle macht die Schwiegertochter noch einmal kehrt, um – wie sie behauptet – allein Abschied nehmen zu können. Stattdessen nutzt sie die ruhige Minute jedoch, um die Tote zu beschimpfen.  Die rächt sich auf ihre Weise, indem sie den Sargdeckel von innen aufstößt und das Lästermaul unter Geschrei zu sich zieht. Per Hebebühne geht es sogleich in den Keller und den dortigen Ofen. Ein Schnitt führt aus der Brennkammer nun in ein Autokino, die  just gesehene Szene entpuppt sich als Teil eines Films, den sich ein punkiges Teenie-Pärchen anschaut. Sie gelüstet es nach Popcorn, also verlässt sie den Wagen in Richtung Getränkestand. Dort angekommen, wundert sie sich, dass keiner da ist – bis die Hairspray-Metal-Band „White Sister“ anfängt ein Liedchen zu spielen, das ihr gewidmet ist: „April (You’re no Fool)“ singen sie und treiben das Mädel schließlich nach draußen, wo es jedoch nicht von seinem Freund, sondern von Zombies empfangen wird. Der Song endet mit der Einblendung von Bandname und Titel, ein Schnitt blendet über zu Phoebe (Elaine Wilkes), die vor dem Fernseher sitzt und MTV schaut. Alles, was KILLER PARTY bisher gezeigt hat, war Bestandteil eines überaus elaborierten Musikvideos.

 

Danach geht es etwas weniger ausgefallen weiter: Phoebe und ihre beiden Freundinnen sehen gespannt der „Goat Night“ entgegen, in der sie das Aufnahmeritual für die elitäre College-Sorority Sigma Alpha Pi zu absolvieren haben. Bis dahin gilt es diverse Demütigungen und Scherze zu überstehen, die nicht zuletzt die unter chronischem Samenstau leidenden Angehörigen der Beta-Tau-Fraternity immer wieder reißen. Ein paar Morde geschehen zwischendurch auch, ohne dass jemand die Opfer jedoch vermissen würde, und alles scheint sich um einen besonders fiesen Streich zu drehen, der einem Studenten vor Jahren das Leben kostete. Auf der April-Fool’s-Party, die die Beta-Tau-Hengste und die Sigma-Alpha-Pi-Hasen gemeinsam schmeißen, kommt es zum Blutbad …

So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein: Als TotalFilm neulich eine Liste von 50 Amazing Films You’ve Probably Never Seen veröffentlichte, fand sich darauf auch KILLER PARTY. Der Slasherfilm von William Fruet war mir durch Einträge in diversen Horrorfilmlexika ein Begriff, die Sichtung hatte ich aufgrund mäßiger Bewertungen jedoch immer auf die lange Bank geschoben – obwohl ich als Fan des Genres eigentlich vor nix zurückschrecke. Mit der Platzierung auf der appetitlich benannten Liste, zwischen solchen Perlen wie IDI I SMOTRI, GWENDOLINE, I QUATTRO DELL’APOCALISSE, SPALOVAC MRTVOL, VIGILANTE, L’ULTIMO TRENO DELLA NOTTE und einigen weiteren, wurde der vermeintlich langweilige Durchschnittslasher (aus einer Zeit, als das Genre schon längst im Sturzflug befindlich war) plötzlich zum Must See. (Dass sich mit STREETS auch ein Film auf der Liste findet, den ich keineswegs „amazing“, sondern nur nett finde, tat meiner Vorfreude keinen Abbruch.) Nun ja. KILLER PARTY hat, wie schon erwähnt, eine wirklich grandiose Auftaktsequenz und ein innerhalb seines festgefahrenen Genres sehr ungewöhnliches Finale, aber um ihn als „amazing“ zu bezeichnen, fehlt dann doch noch etwas. Der gesamte Mittelteil mit seinen unterleibszentrierten Späßen ist zwar ganz sympathisch, vor allem, wenn man ein Faible für die Mode der Achtzigerjahre hat, aber dann doch nicht aufregend genug, um einen erwachsenen Menschen wirklich bei der Stange zu halten. KILLER PARTY ist mit seinem lax gehandhabten Plot schon ein bisschen langweilig, zumal in den wenigen Mordszenen das Blut fehlt, um einen wieder aufzuwecken. Die ganze Chose ist ziemlich brav, fast schon kinderfreundlich, und erst am Schluss besinnt sich Fruet darauf, welches Genre er da eigentlich beackert. So richtig interessiert daran, sein Publikum zu erschrecken, war er nicht, und so ist sein Film einen ganz niedliche, aber auch etwas unentschlossene Mischung aus Elementen, die nicht richtig zusammenfinden. Was man KILLER PARTY zugute halten muss, ist sein technischer Professionalismus: Vom amateurhaften, unzulänglichen Gestümper so manches anderen Slashers ist er meilenweit entfernt (obwohl das ja auch durchaus seine Reize haben kann). Fruets Film sieht durchweg gut aus, ist solide gespielt, hat einen schönen Soundtrack (den oben erwähnten Hairmetal-Song halte ich für ein Highlight) und Paul Bartel in einer für ihn typischen Rolle als spießiger Dozent. Slasher-Komplettisten, die den Film noch nicht kennen, machen nichts falsch, wenn sie ihn sich anschauen. Nur einen Film, der irgendwie „amazing“ ist, sollten sie besser nicht erwarten.

 

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